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Kunden beschwerten sich über den Sohn einer Imbiss-Mitarbeiterin, weil sie seinen Anblick nicht ertragen konnten

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JACKIE MACEDO ORANGE GROVE MARKET
Kunden beschwerten sich über den Sohn einer Markt-Mitarbeiterin, weil sie seinen Anblick nicht ertragen konnten | Facebook
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Eigentlich hat Australien ja den Ruf, ein modernes Land zu sein. Doch diese Geschichte lässt gehörig Zweifel daran aufkommen...

Es ist die Geschichte von Jackie Macedo und ihrem Sohn Noah. Jackie Macedo arbeitet in einer Art Imbiss-Bude auf einem Markt, dem Orange Grove Market in Sydney. Dort kocht und verkauft sie malaiische Snacks. Seit 14 Jahren. Und zuletzt ist Jackie immer in Begleitung zur Arbeit gekommen.

Mit Noah, ihrem dreijährigen Sohn. Ein kleiner Junge, dem man auf den ersten Blick überhaupt nicht ansieht, dass er anders ist als andere Kinder.

Noah hat das Down-Syndrom.

They tried to get little Noah removed from the market because his 'presence at the stall is affecting their ability to trade effectively'.

Posted by news.com.au on Sonntag, 19. Juli 2015

Und laut einer Geschichte des "Daily Telegraph" ist diese genetische Veranlagung genau der Grund, warum Noah nicht mehr an der Arbeitsstelle seiner Mutter erscheinen soll.

Nicht mehr erscheinen darf - wenn es nach den Kunden des Marktes geht.

Es war dieser Tag, an dem die heile Welt von Jackie Macedo auf dem Orange Grove Market einzustürzen drohte. Es war der Tag, an dem ein Mitglied des Markt-Teams zu ihr kam und ihr eine Botschaft überbrachte. Man kann auch sagen: Es war eine offizielle Beschwerde.

Kunden und Kollegen hätten sich beschwert, dass Jackie Noah mit zur Arbeit bringe. Dem „Daily Telegraph” sagte Macedo:

"Auch einige andere Budenbesitzer haben der Beschwerde zugestimmt. Sie sind der Meinung, dass Noahs Anwesenheit dazu führt, dass sie nicht mehr effektiv ihre Produkte verkaufen können. Das hat mich überrascht, weil nie irgendjemand etwas zu mir gesagt hat."

Nach der öffentlichen Bloßstellung hat Jackie Macedo den Entschluss gefasst, von heute auf morgen ihre Sachen zusammen zu packen und ihren Stand an einen anderen Ort zu verlegen.

Es ist nicht das erste mal, dass Jackie mit ihrem Laden umziehen muss, weil anderen nicht gefallen hat, dass sie ihren Sohn mit zur Arbeit brachte.

Die Bitte Chefs des Orange Grove Markets, sie solle dem Markt erhalten zu bleiben und nicht gehen, schlug Macedo aus. Zu sehr hatte sie Abneigung gegenüber ihrem Sohn getroffen.

Zu den Kunden und Kollegen, die Noahs Anblick nicht mehr ertragen konnten, hat sie eine deutliche Meinung:

"Diese Leute denken, dass Kinder mit besonderen Bedürfnissen nicht draußen sein dürfen oder bei ihren Eltern Eltern bleiben dürfen, während sie arbeiten. Sie denken wirklich, dass sie zu Hause bleiben sollten und [von der Allgemeinheit] abgeschieden werden müssen."

Nachdem die Geschichte öffentlich gemacht wurde, gab es einen riesigen Shitstorm auf die Facebook-Seite des Orange Grove Markets.

Kunden, die sich mit Noah und seiner Mutter solidarisierten, kündigten an, den Markt in Zukunft zu boykottieren.

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Er dachte, er wird nur interviewt. Was dann passierte, ist berührend

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