"Nicht der Islam ist das Problem": Todenhöfer rechnet mit Politik des Westens ab

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TODENHFER
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"Liebe Freunde, der Westen hat noch immer keine Strategie gegen den IS. Er kapiert nicht, dass seine Kriege gegen die muslimische Welt den IS erst gezüchtet haben."

Mit diesen Worten beginnt ein eindringlicher Text des Publizisten Jürgen Todenhöfer, der seit Jahren die Entwicklungen im Nahen Osten und den Terrorismus in der Region in Büchern und Reportagen beschreibt. Todenhöfer ist einer der schärfsten Kritiker des Krieges gegen der Terrorismus, den die USA und ihre Verbündeten seit Jahren führen. Er löse das Problem nicht, sondern verschlimmere es.

Aber was sind die Alternativen haben viele Kritiker Todenhöfer immer wieder gefragt? Genau diese liefert der Publizist jetzt In einem Artikel auf seinem Facebook-Profil . In einem Fünf-Punkte-Programm beschreibt er, wie die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zu besiegen ist.

1. Wichtig ist ihm vor allem, dass wir die Ursachen des Terrorismus beseitigen

Und die sieht Todenhöfer vor allem in der westlichen Politik gegenüber muslimischen Ländern. Er schreibt: "Nicht ein einziges Mal hat in den letzten 200 Jahren ein muslimisches Land den Westen überfallen." Der Westen dagegen führe seit Jahren einen Krieg gegen muslimische Länder. "Das Terror-Monstrum IS ist George W. Bushs Baby", glaubt er. Statt 10.000 Terroristen wie vor dem Krieg gegen den Terror seien es mittlerweile 100.000.

2. Unsere Innenpolitik fördert den Terror

Ein weiteres Problem sieht Todenhöfer auch in den westlichen Ländern selbst. Die regierenden Politiker und viele Bürger sähen in Muslimen Menschen "zweiter oder dritter Klasse". Außerdem würden sie pauschal zu einer Gefahr erklärt. Statt der Verurteilung von Muslimen sollten wir sie "als wichtigsten Verbündeten" im Kampf gegen den Terror begreifen.

3. Islamischer Terrorismus muss als Anti-Islamisch verurteilt werden

Der IS trage nur eine Maske des Islam, schreibt Todenhöfer. Die Terroristen seien Ideologen, die man enttarnen müsse. "Ideologien kann man nicht erschießen, man muss sie widerlegen", schreibt er. Und dazu brauche es auch die Muslime. Einen Krieg mit Waffen könne man nicht gewinnen.

4. Irak und Syrien brauchen eine Politik der Versöhnung

In den Sunniten im Irak sieht Todenhöfer einen Schlüssel im Kampf gegen den IS. Die unterstützen den IS vielfach noch. Nur wenn sie den Terroristen ihre Unterstützung entziehen, könne der IS gestoppt werden, schreibt Todenhöfer. Westliche Armeen dagegen hätten keine Chance gegen die brutale und gut organisierte Armee. Die Lösung, um die Sunniten ins Boot zu holen: Sie müssten im Irak endlich als gleichberechtigte Bürger anerkannt werden. Der erfolgreiche Kampf gegen den Terror ist für Todenhöfer also auch Gesellschaftspolitik im Nahen Osten.

5. Deutschland muss seine Politik gegenüber einheimischen Dschihadisten ändern

Todenhöfer beklagt einerseits, dass es für radikalisierte Muslime immer noch viel zu leicht sei, aus Deutschland in den Nahen Osten zu reisen. Problematisch sei aber auch der Umgang mit IS-Sympathisanten hierzulande. Einerseits seien Sozialarbeiter überfordert, die mit den radikalisierten Jugendlichen arbeiten. Sie wüssten schlicht zu wenig, um die Propaganda des IS zu widerlegen. Zudem sei es für Hassprediger zu leicht, Muslime in deutschen Gefängnissen zu indoktrinieren.

Todenhöfer schließt den Text mit den Sätzen:

"Ignoranz, Inkompetenz und rassistischer Dünkel gegenüber Muslimen führen uns jeden Tag tiefer in den Sumpf des Terrors. Das Problem beginnt zunehmend unlösbar zu werden. Selbst das haben unsere Anti-Terrorkrieger noch nicht bemerkt."

Fazit: Man kann sicher über einige Vorschläge streiten, so zum Beispiel den Umgang mit den IS-Rückkehrern in Deutschland. Deren potenzielle Gefahr ist massiv - mit einem einzigen Anschlag könnten sie Hunderte Menschen töten. Aber dennoch: Todenhöfer hat recht damit, dass die westliche Anti-Terrorpolitik auf ganzer Linie gescheitert ist - das zeigt der Erfolg des IS in den vergangenen Monaten.

Seine fünf Vorschläge sind deshalb eine Diskussion wert. Und wir sollten sie lieber heute als morgen beginnen.

Das ist der Beitrag von Jürgen Todenhöfer im Original:

FÜNF-PUNKTE-PLAN GEGEN DEN ISLiebe Freunde, der Westen hat noch immer keine Strategie gegen den IS. Er kapiert nicht,...

Posted by Jürgen Todenhöfer on Sunday, July 19, 2015


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