POLITIK
04/07/2015 21:57 CEST | Aktualisiert 05/07/2015 09:36 CEST

Griechenland vor dem Referendum: Diese fünf Szenarien sind denkbar

DPA

Griechenland steht vor dem Beben. Morgen entscheidet das Land für oder gegen die von den Geldgebern vorgeschlagenen Reformen. Aber es geht auch um die Zukunft des Landes - im Euro, in der EU und überhaupt.

Es ist völlig unmöglich, den Ausgang vorherzusagen - das Land ist der Frage gespalten. Hier sind fünf Szenarios, die nach dem Volksentscheid eintreten können:

"Ja":

ref

SZENARIO 1: Tsipras tritt zurück. Er hat seine politische Zukunft - wie auch Finanzminister Gianis Varoufakis - mit dem Ausgang des Referendums verbunden. Hält er Wort, ist das wohl das Ende der Regierung aus linker Syriza und rechtspopulistischer Anel.

Ruft Tsipras Neuwahlen aus, können diese erst in frühestens einem Monat stattfinden. Erst mit einer neuen Regierung könnten die Verhandlungen mit den Geldgebern wieder aufgenommen werden. Das würde Griechenland wertvolle Zeit kosten - das Land ist bereits jetzt in einem kritischen Zustand. Dem Bankensystem droht der Kollaps, die öffentliche Versorgung käme zum Erliegen. Möglicherweise hilft dann die EU mit Notkrediten, wie sie EU-Kommissionspräsident Martin Schulz heute ins Spiel gebracht hat.

Ruft Tsipras keine Neuwahlen aus, könnten die Parteien im Parlament eine Einheitsregierung bilden. Technokraten aus Beamten und Wirtschaftsexperten würden mit den Geldgebern über ein drittes Hilfspaket verhandeln.

SZENARIO 2: Die Regierung unter Tsipras bleibt im Amt. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer geht davon aus, dass Tsipras die Reformliste nach einem positiven Votum der Wähler wohl "zähneknirschend" unterschreiben würde. In einer Analyse schreibt er:

"Mit Tsipras' Unterschrift wäre die Überprüfung des zweiten Hilfsprogramms nachträglich abgeschlossen, die Finanzminister der Geberländer würden Griechenland wohl die damals versprochene Zwischenfinanzierung zur Verfügung stellen"

Wichtige Akteure, wie Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble haben allerdings klar gesagt, dass die Verhandlungen quasi wieder bei Null beginnen.

"Nein":

referendum no

SZENARIO 3: Es kommt zu neuen Verhandlungen. Da das Vertrauen unter den Partnern allerdings erschüttert ist, dürften diese Verhandlungen zu keinem Erfolg führen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich die Geldgeber mit Griechenland zwar treffen, die Verhandlungen aber auch schnell wieder abbrechen.

SZENARIO 4: Griechenland wird abgewickelt. Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem brachte etwa die Möglichkeit eines "Grexit" ins Spiel. Bei einer Ablehnung der Sparvorschläge gebe es nicht nur keine Basis für ein neues Hilfsprogramm, "sondern dann ist es sehr fraglich, ob es überhaupt eine Basis für Griechenland in der Eurozone gibt", sagte er. Das Land wäre dann sich selbst überlassen, die Schulden für die Geldgeber vermutlich abgeschrieben. Welche sozialen und wirtschaftlichen Folgen das für Griechenland und Europa hätte, ist nicht abzusehen.

Szenario "Varoufakis":

Der griechische Finanzminister hat in den vergangenen Tagen wiederholt betont, dass er auch im Falle einer Ablehnung eine Einigung mit den Gläubigern erwarte. Wie das funktionieren soll, ist allerdings völlig unklar.

mit Material von dpa

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