POLITIK
04/07/2015 11:00 CEST | Aktualisiert 04/07/2015 11:45 CEST

AfD: Das zweite Gesicht der Frauke Petry

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Frauke Petry

Der Führungsstreit bei der AfD steht kurz vor einem möglichen großen Showdown. An diesem Wochenende findet in Essen ein außerordentlicher Parteitag der Afd statt: Es soll ein neuer Parteivorstand gewählt werden. Die Wahl gilt als wichtige Entscheidung in dem seit Monaten tobenden Machtkampf zwischen dem rechten und dem liberalen Flügel.

Der liberale Flügel steht mehrheitlich hinter Parteigründer Bernd Lucke, der rechte Flügel hinter Frauke Petry. Lucke will alleine führen, Petry kann sich eine Doppelspitze vorstellen. Die beiden Führungskräfte giften sich seit Monaten öffentlich an, wobei Petry stets um versöhnliche Töne bemüht ist. Lucke hatte mit der Gründung seines Vereins "Weckruf" die Attacke auf Petry begonnen. Er wirft Petry eine zu starke Anbiederung an extrem rechte Kreise vor.

Spätestens mit Gründung des Weckruf ist das Verhältnis der beiden völlig zerrüttet. Beide werfen dem jeweils anderen vor, führungsunfähig zu sein. Lucke weigert sich demzufolge auch, gemeinsam mit Petry die AfD zu führen. Petry hingegen hat im "WDR-Morgenecho" angekündigt: "Wenn der Parteitag uns beide in den Vorstand wählt, dann müssen wir zusammenarbeiten."

Petry stellt sich gerne als versöhnende Kraft innerhalb der AfD dar. In diesem Zusammenhang ist auch ein Video zu sehen, das Petry-Unterstützer vor einigen Tagen bei Youtube eingestellt haben:

In dem Video wird Lucke als gefühlskalter Egomane dargestellt, ganz im Gegenteil zum vermeintlichen Gemeinschaftsgefühl der Partei: Hier das Wir-Gefühl, da der berechnende Wirtschaftsprofessor.

Doch diese Sichtweise sollte möglicherweise korrigiert werden. Denn auch Petrys Image bekommt langsam aber sicher Kratzer. War es ihr bislang gelungen, sich als versöhnliche Kraft zu zeigen, wird nun deutlich: So wird sie nicht von allen Parteifreunden wahrgenommen.

Wie "Der Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, gibt es auch noch eine andere Frauke Petry: "verbissen, hart, aggressiv". Das Magazin zitiert Martin Renner, den Designer des Logos der Partei. Renner hatte zunächst die Rechte an dem Logo nicht an die AfD verschenken wollen. Und dann lernte er eine andere Frauke Petry kennen. Wie "Der Spiegel" schreibt, soll Petry Renner regelrecht in eine Ecke gedrängt haben. "Sie unterschreiben jetzt, sofort!", mit diesen Worten soll Petry ihm ein entsprechendes Schriftstück aufgedrängt haben. Renner unterschrieb, die Situation war ihm sehr unangenehm. "Wie eine Hornisse" habe sich Petry dabei aufgeführt.

Es lässt sich derzeit schwer abschätzen, wie sich die Partei entscheiden wird. Ob die interne Propaganda gegen Bernd Lucke von Erfolg gekrönt sein wird, oder ob auch Frauke Petrys Image ihr in die Quere kommt. Sollte Frauke Petry obsiegen, werden wir ihr zweites Gesicht aber wohl bald besser kennenlernen.

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