POLITIK
04/07/2015 20:13 CEST

1.500 Euro: Hinter dieser Zahl steckt das ganze Flüchtlingsdrama

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Libyen ist, drei Jahre nach Ermordung des Diktators Muammar al-Gaddafi, am Boden. Ein gescheiterter Staat.

Die Regierung ist aus der Hauptstadt geflohen, Muslimbrüder unterstützen eine militärische "Gegen-Regierung". Die Ölproduktion, Haupteinnahmequelle des Landes, ist eingebrochen.

Aber einige Menschen treiben in dem Land noch immer regen Handel. Mit einer zynischen Ressource: Flüchtlingen. Circa 600.000 von ihnen warten auf eine Überfahrt nach Europa.

Das Magazin "Focus" berichtet in seiner aktuellen Ausgabe von diesem Handel. 1.500 Euro pro Flüchtling verdienen die Schlepper dabei.

Was die Flüchtlinge für dieses Geld bekommen? Ein steuerloses Schiff Richtung Europa. Eine Überfahrt, die nur allzuoft mit dem Tod endet. Sie bleiben sich selbst überlassen, ein Schlepper würde nie mitfahren.

Zehn Prozent der Einnahmen, so der "Focus", zahlen die Schlepper an islamische Brigaden. Diese Brigaden sind selbsternannte Ordnungskräfte, die das Gebiet kontrollieren und so eine geordnete Infrastruktur vortäuschen sollen.

Immer wieder werden Flüchtlinge von den Brigaden auch in Lager gesteckt. Mehr als 2.000 Euro sollen die Flüchtlinge für ihre Freilassung berappen.

Geld, dass keiner von ihnen besitzt. Die libysche Regierung selbst schickt auch kaum noch Geld in diese Auffanglager. Es fehlt an allem: Geld, Hygiene, Raum. Die grausame Lösung für dieses Problem: Immer wieder werden Flüchtlinge als Sklaven für Ziegelfabriken missbraucht. Denn die Schlepper wollen Geld für ihre Ware sehen.

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