WIRTSCHAFT
03/07/2015 23:22 CEST | Aktualisiert 16/07/2015 10:59 CEST

Wie hoch spezialisierte Anwälte Arbeitnehmern das Leben zur Hölle machen

Thinkstock
Wie hochspezialisierte Anwälte Arbeitnehmern das Leben zur Hölle machen

„Made in Germany“. Die Angabe suggeriert Qualitätsarbeit. Ganz im Interesse der Kunden. Und sie suggeriert, dass die Menschen, die das Produkt gefertigt haben, fair behandelt wurden. Arbeitsschutzgesetze, Mindestlohn, dafür steht Deutschland ja jetzt.

Was allerdings der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe schreibt, hat mit alldem nichts zu tun. Die Autoren fühlen sich eher an Bangladesch denn Deutschland erinnert.

Der Preis für das Einfordern der Sicherheitsvorkehrungen: Mobbing

Sie schreiben von einer Firma, die namhafte Großkonzerne wie Siemens und VW mit Technik beliefere. Dort hätten die Mitarbeiter bei verschlossenen Fluchttüren arbeiten müssen, was den Betriebsrat und letztlich die Berufsgenossenschaft auf den Plan gerufen habe.

Und die Unternehmensleitung dazu gebracht haben soll, eine Kanzlei einzuschalten, die berüchtigt ist dafür, wie sie Arbeitnehmern zusetzt.

Das folgende Mobbing hielten nicht alle Betriebsratsmitglieder aus, sie kündigten.

Das Magazin listet noch viele weitere Beispiele für diese Praxis auf.

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Spezialgebiet: Arbeitnehmer fertigmachen

Die Otto Brenner Stiftung hat dazu bereits vor einem Jahr eine Studie veröffentlicht. Der Titel: „Die Bekämpfung von Betriebsräten und Gewerkschaften als professionelle Dienstleistung“. Darin heißt es:

„Blickt man in die USA, hat das systematische und professionell geplante Vorgehen gegen gewerkschaftliche Interessenvertretung dort schon seit Jahrzehnten einen Namen: Union-Busting ist hier längst ein etabliertes Geschäftsfeld für spezialisierte Anwälte und Kanzleien.“

Das System habe sich in Deutschland in der Schifffahrtsbranche, bei Discountern und Fast-Food-Ketten, Paketdiensten und Schlachtbetrieben eingenistet.

Branchen, über deren miese Arbeitsbedingungen die Huffington Post regelmäßig berichtet.

Universitäten werden quasi infiltriert

Anders als in den USA seien in Deutschland wegen der Arbeitsteilung zwischen Gewerkschaften und Betriebsräten vor allem Letztere im Fokus der Firmen und deren Anwälten. „Zu deren Repertoire gehören die Verhinderung oder Manipulierung von Betriebsratswahlen, die Einschüchterung und Überwachung von Betriebsräten oder Betriebsratswahlkandidaten, Vorteilsgewährung für unternehmerfreundliche Betriebsräte oder die Verhinderung von kritischen Presseberichten.“

Das Fazit der Rechercheure lautete: In Deutschland bilde sich ein neuer „Geschäftszweig“ für Anwälte und PR-Spezialisten sowie Detekteien heraus. Und das Wissen für dieses Geschäft bezögen die Anwälte teils schon von ihren Professoren an der Uni, die hauptberuflich in Kanzleien arbeiteten und dann einzelne Vorlesungen hielten.

Zur Strategie der Anwälte gehöre es, "gezielt Kündigungsgründe zu inszenieren". Dass die vor Arbeitsgerichten letztlich oft keinen Bestand hätten, sei unerheblich. Denn oft seien die Leute dann schon länger weg aus dem Betrieb und würden dann eben abgefunden.

Ein Jahr später scheint es, als habe dieses Geschäft noch immer Konjunktur. Hochkonjunktur.

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