POLITIK
03/07/2015 21:27 CEST

Viele kluge Köpfe haben über die Zukunft der CDU nachgedacht - dabei ist ihnen dieser peinliche Fehler unterlaufen

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Als kluge Köpfe über die Zukunft der CDU nachdaten, passierte ein peinlicher Fehler

Die CDU hat sich schon immer als Partei des technischen Fortschritts verstanden. Auch deshalb haben die Christdemokraten so lange an der Atomenergie festgehalten – sie wurde noch in den Nullerjahren als „Innovationsmotor“ gepriesen. Tenor: Mit der Stilllegung der noch in Deutschland betrieben Kernkraftwerke gehe dem Land technisches Know-how verloren.

In diesem Duktus waren die Parteien links der CDU „Innovationsbremsen“, weil sie nicht an die Segnungen moderner Technik glauben mochten.

Trendthema "Industrie 4.0"

So wundert es nicht, dass sich die Partei jetzt auch des neuen Trendthemas „Industrie 4.0“ annehmen will. Eine Kommission mit dem Namen „Arbeit der Zukunft – Zukunft der Arbeit“ hat dazu auf Beschluss des Bundesparteitags unter Leitung des baden-württembergischen CDU-Chefs Thomas Strobl Vorschläge ausgearbeitet.

Das am Donnerstag vorgestellte Abschlusspapier der Kommission enthält wichtige Vorschläge. Flexiblere Arbeitszeiten und das Homeoffice sollen gefördert, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessert werden.

Weiß die CDU, über was sie da schreibt?

Und doch hat man nach der Lektüre das ungute Gefühl, dass die CDU nicht verstanden hat, was „Industrie 4.0“ überhaupt heißt. In der Einleitung heißt es dazu: „Wir erleben eine neue industrielle Revolution. Ausgehend vom mechanischen Webstuhl Ende der 18. Jahrhunderts über das erste Fließband zu Beginn des 20. Jahrhunderts und mit der dritten Welle durch den Einsatz von Elektronik und Informationstechnologie in den 70er-Jahren findet heute die vierte industrielle Revolution statt: die zunehmende Verschmelzung von realer und virtueller Welt – die Digitalisierung.“

Diese Feststellung zieht sich durch das halbe Papier. Und auch Thomas Strobl wiederholte sie mehrmals bei der Vorstellung seiner Arbeitsergebnisse.

Der Haken dabei: Mit der „Digitalisierung“ wird gemeinhin die dritte industrielle Revolution beschrieben. Schon die Roboter, die in den 70er- und 80er-Jahren viele klassische Arbeitsplätze in der Industrie überflüssig machten, wurden von Computern gesteuert.

Ganz zu schweigen von den Veränderungen, die das Internet ab Mitte der 90er-Jahre mit sich brachte. Spätestens seitdem sprach jeder von der „Digitalen Revolution“.

Die "vierte Industrielle Revolution" ist nicht Digitalisierung, sondern Vernetzung

Die vierte industrielle Revolution steht dagegen im Zeichen der Vernetzung. So genannte cyber-physische Systeme vereinen die Arbeit von mechanischen und elektronischen Geräten. Ein typisches Beispiel aus dem Alltag sind intelligente Heizungssysteme, die aus sensorgesteuerten Computern und klassischen Heizkesseln bestehen.

In der Industrie lassen sich durch solche intelligenten Systeme massive Produktivitätsfortschritte erzielen. Beispielsweise dann, wenn in einer Fabrik nur nach den jeweiligen Erfordernissen produziert wird.

Die Digitalisierung des späten 20. Jahrhunderts wird dadurch auf eine neue Ebene gehoben: Wenn Systeme miteinander kommunizieren. Eben: sich vernetzen. Das ist die neue Revolution, die wir auch sehr bald im Alltag spüren werden. Zum Beispiel dann, wenn unsere Kühlschränke über das Internet in der Lage sind, Lebensmittelvorräte zu bestellen.

Vielleicht meint es die CDU am Ende ja nur gut. Aber vielleicht sollten die Verantwortlichen nochmal über die Begriffe nachdenken, mit denen sie an die Öffentlichkeit gehen. Sonst könnte man am Ende denken, dass Christdemokraten Technik lieben, aber nicht verstehen.

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