WIRTSCHAFT
03/07/2015 21:05 CEST | Aktualisiert 23/02/2016 10:09 CET

Warum das Bargeld wirklich abgeschafft werden soll

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Da ist sie, die Meldung, die kommen musste: Es war nur eine Frage der Zeit. Der NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) liebäugelt mit einer Obergrenze für Bargeld-Zahlungen. Bargeld-Geschäfte sollten auf ein Limit von 2000 oder 3000 Euro herabgesetzt werden. Um Kriminellen das Geschäft zu zerstören.

Klingt langweilig? Auf den ersten Blick mag das sein. Doch auf den zweiten Blick zeigt sich, dass ein solcher Schritt dramatische Folgen haben könnte.

Er könnte eine Vorstufe zur Abschaffung des Bargeldes sein. „Walter-Borjans wird zum Bargeld-Schreck“, kommentiert das „Handelsblatt“ daher bereits. Völlig zu Recht.

"War on Cash"

Walter Borjans ist längst nicht allein. Experten sprechen bereits von einem „War on Cash“, einem Krieg gegen das Bargeld. Und "FOCUS Money"-Chefredakteur Frank Pöpsel schrieb kürzlich über Gerüchte, wonach die EU-Kommission bereits Pläne in der Schublade habe, um den Bargeldverkehr in der Europäischen Union ab 2018 komplett zu verbieten.

Jetzt denken Sie immer noch: Ja, was interessiert mich das Finanz-Blabla. Dann zahle ich halt mit EC-Karte.

Nun, so einfach ist die Sache leider nicht. Sie sollten unbedingt den wahren Grund kennen, den Experten hinter der Abschaffung des Bargeldes vermuten.

Na klar, die Befürworter einer Abschaffung argumentieren immer mit tollen Zielen, dem Kampf gegen Steuersünder etwa. Oder damit, dass man Drogendealern den Handel erschwert. Das klingt wirklich prima. Ist aber leider nicht die ganze Wahrheit. Denn hinter den Überlegungen steckt noch etwas ganz Anderes. Und da machen manche auch gar keinen Hehl raus.

Enteignung der Sparer

In einem Negativszenario wird damit ganz klar die bereits jetzt schleichende Enteignung der Sparer noch dramatisch verschärft. Denn was passiert wenn Banken plötzlich - wie es das schon in Einzelfällen gibt - im größeren Stil Strafzinsen (freundlich ausgedrück: Negativzinsen) auf Erspartes durchsetzen und gleichzeitig das Bargeld abgeschafft wird? Was dann?

Der US-Ökonom Kenneth Rogoff sagt frei heraus „Die Zentralbanken könnten auf diese Weise leichter Negativzinsen durchsetzen, um so die Wirtschaft anzukurbeln. Bargeld ist das entscheidende Hindernis, die Zentralbank-Zinsen weiter zu senken. Seine Beseitigung wäre eine sehr einfache und elegante Lösung für dieses Problem.“

Noch mal langsam: Strafzinsen können dazu dienen, dass Verbraucher denken: Wenn das Geld auf meinem Konto weniger wird, dann gebe ich es doch lieber aus. Für ein neues Auto oder Sofa, zum Beispiel. Ich investiere und das ist gut für die Wirtschaft. Im Moment können Sie bei Strafzinsen zur Bank gehen, Ihr Geld vom Konto nehmen und in Ihren Tresor daheim packen, oder in einer Brot-Dose im Küchenschrank oder von mir aus auch unter Ihrem Kopfkissen verstauen.

Sie können damit mögliche Strafzinsen umgehen, so dass Ihr Geld auf dem Konto nicht weniger wird.

Doch, was wenn das Bargeld abschafft wird?

Ist der Groschen gefallen?

Ach, nee. Den würde es dann ja gar nicht mehr geben. Horten ist dann keine Alternative mehr. In so einem Fall fällt dann kein Groschen, sondern nur noch der Kontostand.

Szenario ist bereits Realität

Sie halten so etwas für völlig abwegig? Leider ist es schon jetzt teilweise Realität. Bei fünfjährigen Staatsanleihen müssen Sparer Gebühren zahlen. Käufer bekommen weniger Geld zurück, als sie zuvor eingezahlt haben. „Negativ ist das neue Normal“, bilanzierte „Die Welt“. Und es gibt bereits Banken, die auf größere Vermögen Strafzinsen verlangen. Und, schauen Sie mal nach Schweden.

Schweden hat bereits negativen Leitzins

Die Schwedische Reichsbank senkte jüngst ihren Leitzins von MINUS 0,25 auf 0,35 Prozent. Experten rechnen im Herbst mit einer weiteren Senkung auf minus 0,45 Prozent.

„Erst kommt der Ruin der Staatshaushalte durch die Politik, dann kommen die Erfüllungsgehilfen in den Zentralbanken, und am Ende steht das Ende der bürgerlichen Freiheiten“, kommentierte Roland Tichy, Journalist und Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung, kürzlich diesen Zusammenhang.

Genau das ist es: Bargeld ist tatsächlich die „gemünzte Freiheit, (Dostojewski), denn es hinterlässt keine Datenspuren und schützt die Privatsphäre, und kann ohne technische Hilfsmittel und vor allem: ohne Gebühren zum Bezahlen genutzt werden".

Eine Welt ohne Bargeld? Ein „Traum für Terrorermittler, Geldwäsche-Fahnder und Finanzbeamte und einen Albtraum für alle, denen die Privatsphäre noch etwas bedeutet“, warnen Kritiker.

Und nochmal. Wir erleben bereits jetzt den „leisen Tod des Bargeldes“, wie es Journalist Tichy formuliert.

„Im öffentlichen Nahverkehr einzelner Großstädte erhält einen Rabatt, wer auf Bargeld verzichtet. Aber auch der Staat selbst hat vielfach das Bargeld schon abgeschafft: Versuchen Sie mal, Ihre Steuern bar zu bezahlen. Es gibt keine 'Finanzamtskassen' mehr, bei denen Sie mit Scheinen Ihre Lohnsteuer begleichen könnten“, schreibt er in seinem Blog.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich finde mobile Bezahlmodelle spannend und finde es klasse, wenn ich in der S-Bahn noch schnell ein Ticket via Smartphone buchen kann, wenn ich gerade kein Bargeld dabei habe oder noch gerade schnell in die Bahn gesprungen bin.

Mir wird übel

Aber wenn ich mir überlege, dass viele Menschen hinter den Kulissen daran arbeiten, wie sie eines Tages meine Altersvorsorge wegnehmen wollen, in dem sie das Bargeld abschaffen wollen. Da wird mir übel.

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