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So gehen Supermärkte wirklich mit abgelaufenen Lebensmitteln um

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LEBENSMITTELVERSCHWENDUNGITALIEN
dpa
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Viele Deutsche schauten kürzlich nach Frankreich, und sie fanden es richtig super, was da passierte: Supermärkte dürfen Lebensmittel dort nicht mehr einfach wegwerfen, sondern müssen sie spenden oder recyceln.

Die Italiener finden die Idee so gut, dass sie den Plan sogar kopieren wollen.

Und was geschieht in Deutschland? Wir haben so ein Gesetz nicht. Aber brauchen wir überhaupt eines? Stehen wir wirklich so schlecht da?

Jemand, der überschüssige Lebensmittel an Bedürftige weitergibt, hat dazu eine klare Haltung: Jochen Brühl, ehrenamtlicher Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Tafel.

"Es funktioniert bereits ohne Gesetz"

„Für Deutschland kann man zusammenfassend sagen: Es funktioniert bereits ohne Gesetz“, sagte Brühl der Huffington Post. „Zu Beginn der Tafelbewegung vor mehr als 20 Jahren spendeten wenige Händler. Heutzutage sind fast alle Supermärkte und Discounter auf freiwilliger Basis Partner der Tafeln und leisten so einen wertvollen Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung“, lobt Brühl.

Und in der Tat: Schaut man sich die Spender und Sponsoren an, stehen da Namen wie Lidl, Rewe, Aldi Süd und Nord, Tengelmann, Real, Kaufland, Netto und Penny. Grob geschätzt sind 90 Prozent aller Supermärkte und Discounter vertreten.

„Diese Zusammenarbeit ist für beide Seiten ein Gewinn: Die Tafeln können die gespendeten Lebensmittel an Bedürftige weitergeben. Gleichzeitig ist es uns durch die Zusammenarbeit gelungen, bei unseren Partnern einen Sensibilisierungsprozess anzustoßen beziehungsweise diesen weiter voranzutreiben“, sagte Brühl der HuffPost.

Schuld sind vor allem die Verbraucher

Um es klar zu sagen: Hauptübeltäter bei der Lebensmittelverschwendung sind die Verbraucher selbst.

Fast 90 Prozent der Deutschen ist die Verschwendung von Ressourcen beim Wegwerfen von Lebensmitteln bewusst, wie eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung ergab. Trotzdem landen in den privaten Haushalten im Schnitt 81,6 Kilogramm Essen im Müll.

Ein Grund dafür könnte die Verwirrung der Verbraucher über das Mindesthaltbarkeitsdatum sein, das viele mit einem Verbrauchsdatum verwechseln. Während etwa Zucker auch nach Ablauf der Mindesthaltbarkeit noch gut sein dürfte, ist das Verbrauchsdatum bei Fleisch dringend zu beachten.

Allerdings hat der Handel aus diesem Thema auch längst ein Geschäftsmodell gemacht: Er bestellt in ein und derselben Charge verschiedene Mindesthaltbarkeitsdaten, berichtete vor einiger Zeit der ARD-Haushaltscheck.

Absichtliche Täuschung? Die Handelsvertreter würden sagen, das sei keine Täuschung, betont Petra Teitscheid, Ökotrophologin von der Fachhochschule Münster. Denn: Wer zwei Mal pro Woche einkaufe, wolle neue Haltbarkeitsdaten, auch wenn das Produkt nur ein mal in der Woche geliefert würde.

Dieses Vorgehen ist genauso absurd (um nicht mies zu sagen) wie ein Mindesthaltbarkeitsdatum für Nudeln, Reis und Tee. Nicht nur Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte jüngst im Gespräch mit der HuffPost eine Überprüfung des Mindesthalbarkeitssystems.

Bis sich Vorschriften ändern, kann es aber unter Umständen noch Jahre dauern, weil sie auf Europaebene verhandelt werden müssen.

Natürlich reicht das Mindesthaltbarkeitsdatum allein nicht als Grund aus, um die gigantische Lebensmittelverschwendung in Haushalten zu erklären. Da müssen sich die Verbraucher auch selbst mal im Spiegel betrachten – und kritisch überprüfen, ob nicht ums ein oder andere mal die Portionen beim Kochen falsch eingeschätzt worden sind oder die ein oder andere Produkt zu schnell in den Müll wanderte.

Hand aufs Herz: Da könnte sich der ein oder andere ertappt fühlen, oder?

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