POLITIK
02/07/2015 18:05 CEST | Aktualisiert 02/07/2015 21:34 CEST

Vor diesen Protesten hat Putin wirklich Angst

Screenshot
Vor diesen Protesten hat Putin wirklich Angst

Es ist fast unheimlich, wie sich die Bilder gleichen. In der armenischen Hauptstadt Jerewan sind Straßen besetzt, Demonstranten skandieren anti-russische Parolen. All dies erinnert stark an die Anfänge der Proteste in der Ukraine. Sind das also schon die Anfänge einer nächsten Revolution?

Seit knapp zwei Wochen finden Proteste in Armenien statt. Mehr als 10.000 Menschen demonstrierten letztes Wochenende in der Nähe des Präsidentenpalastes. Alle Aufrufe der Polizei, die Straßen zu räumen, werden bislang ignoriert.

In Moskau fürchtet man daher, dass sich in der ehemaligen Sowjetrepublik ein neuer "Maidan" zusammenbraut. Armenien stehe kurz vor einem „gewaltsamen Umsturz“, sagte Föderationsrats-Mitglied Igor Morosow der Nachrichtenagentur Ria Nowosti. In russischen Regierungskreisen wird befürchtet, dass eine Verschwörung der USA hinter den Protesten stecke, wie "Focus Online" berichtet.

Wofür wird demonstriert? Die armenische Regierung hatte eine Strompreiserhöhung angekündigt. 17 Prozent auf umgerechnet 0,09 Euro je Kilowattstunde. Das ist in einem Land, in dem laut Weltbank 30 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben, viel Geld. Mit dem hashtag #eletricalyerevan wird auch in sozialen Netzwerken demonstriert.

Doch es werden auch Korruptionsvorwürfe laut. Sowohl der halbstaatliche Stromkonzern wird dabei angeklagt, sondern auch der Präsident des Landes, Sersch Sarkissjan.

Auch gegen Russland richten sich Vorwürfe. Das Land habe sich wirtschaftlich zu abhängig von Russland gemacht. Und daraus resultiere auch eine zu große politische Nähe zum Kreml. Der Rubel sei schwach und darunter leide auch die bereits schwache armenische Wirtschaft.

Möglicherweise weiten sich die Proteste weiter aus. Doch ein Umsturz wie in der Ukraine wird derzeit von Beobachtern als unwahrscheinlich eingeschätzt. Zu stark sei die Abhängigkeit von Russland. Und Putin möchte in Jerewan derzeit niemand zum Feind haben.

Lesen Sie auch:

Gesponsert von Knappschaft