POLITIK
02/07/2015 21:30 CEST | Aktualisiert 18/01/2016 19:23 CET

Studie der EU-Kommission: Migrantenkinder in Deutschland häufig benachteiligt

dpa
7 Zahlen zeigen, wie schwer es Migranten in Deutschland haben

In vielen Einwanderungsländern gehören Kinder von Migranten zu den Klassenbesten. In Deutschland nicht.

Das Land ist in Sachen Integration unter den Industrieländern nur Mittelmaß. Zu diesem Ergebnis kommt eine Vergleichsstudie der Europäischen Kommission und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Es gibt zwar zwei überraschende Erkenntnisse: Migranten und deren Kinder werden in Deutschland immer besser in den Arbeitsmarkt integriert. Und: Kinder von Zuwanderern haben bei den schulischen Leistungen deutlich aufgeholt. Lagen sie bei der Lesekompetenz 2003 noch fast zweieinhalb Jahre hinter ihren Mitschülern ohne Migrationshintergrund, so hatte sich die Lücke 2012 zu mehr als der Hälfte geschlossen.

Das war es aber auch schon mit den positiven Ergebnissen, denn ...

  • ... der Anteil der in Deutschland geborenen arbeitslosen Jugendlichen ausländischer Herkunft war 2013 mit 15 Prozent mehr als doppelt so hoch wie der Arbeitslosenanteil bei Gleichaltrigen, die deutsche Eltern haben. In anderen OECD-Staaten lag der Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen im Schnitt bei nur zwei Prozentpunkten.

  • ... während jeder dritte Deutsche ohne Migrationshintergrund unter 35 Jahren über einen Hochschulabschluss oder Meisterbrief verfügt, ist es bei den Migrantenkindern lediglich jeder Sechste.

  • ... während in der EU durchschnittlich etwa 20 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund im öffentlichen Sektor arbeitet, sind es in Deutschland nur sieben Prozent. Integration sieht anders aus.

  • ... Fakt ist: Junge Menschen mit Migrationshintergrund haben es in Deutschland schwer bei der Jobsuche. Die Beschäftigungsquote von Migrantenkindern mit Hochschulabschluss ist um sieben Prozent niedriger als bei denjenigen ohne Migrationshintergrund.

Weitere spannende Fakten aus der Studie, die am Donnerstag in Berlin präsentiert wurde:

  • Laut der Studie ist es für Zuwanderer in Kanada, Neuseeland, Australien und Israel besonders leicht, "anzukommen". Relativ gute Integrationsergebnisse stellten die Forscher in Großbritannien, der Schweiz, Luxemburg und den USA fest.

  • Deutschland landete dagegen zusammen mit Österreich, Belgien, Frankreich und den Niederlanden auf einer dritten Stufe, wo sich vor allem "Staaten, mit einer seit längerem ansässigen Zuwanderung mit niedrigem Bildungsniveau" finden.

  • Noch etwas schwieriger sei die Lage in Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark, die schon vor einigen Jahren viele Flüchtlinge aufgenommen hätten, erklärte der OECD-Migrationsexperte Thomas Liebig. Besonders schlechte Integrationsnoten gab es für Griechenland, Italien und andere südeuropäische Staaten, die von der Finanzkrise betroffen sind.

Video: In diesem traurigen Video lesen Flüchtlinge vor, was die Deutschen über Flüchtlinge denken

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