POLITIK
01/07/2015 18:37 CEST

Holocaust-Überlebende protestieren gegen Google-Spiel "Ingress"

Getty

Google will bei Computerspielen neue Wege austesten. Bei dem Smartphone-Spiel "Ingress" verschmelzen die reale und virtuelle Welt. Die Nutzer müssen sich mit dem Smartphone zu per GPS markierten Orten bewegen, um dort bestimmte Spielaktionen auszuführen. Doch jetzt droht dem US-Konzern Ärger.

Das "ZEITmagazin" hatte vor kurzem berichtet, dass auch Holocaust-Gedenkstätten und ehemalige Konzentrationslager in Deutschland und Polen als Spielfelder im Spiel integriert waren. Betroffen waren unter anderem die Gedenkstätten Sachsenhausen, Dachau und Buchenwald.

In Auschwitz kann man immer noch spielen

Zwar hat der Konzern einen Großteil der Portale inzwischen gelöscht. An kleineren Gedenkstätten wie Oranienburg oder Osthofen kann allerdings weiter ‚Ingress‘ gespielt werden, ebenfalls im Vernichtungslager Auschwitz in Polen. Das berichtet die "Zeit". In Dachau habe man Portale auf dem Häftlingsfriedhof belassen.

Gedenkstättenbetreiber fordern im Gespräch mit der "Zeit" eine Verzichtserklärung von Google.

  • „Der Friedhof ist für die Hinterbliebenen ein wichtiger Ort der Trauer. Dass er von Google für ein Unterhaltungsspiel benutzt wird, ist eine Demütigung der Opfer und der Angehörigen", sagte die Dachauer Gedenkstättenleiterin Gabriele Hammermann dem Blatt. Google müsse selbst dafür sorgen, dass keine Gedenkstätten des Holocaust zu Spielzwecken missbraucht werden.

  • „Es muss dafür gesorgt werden, dass auch kleinere KZ-Gedenkstätten von Google-Spielen verschont bleiben", fordert Günter Morsch, der die Gedenkstätte Sachsenhausen bei Berlin leitet: „Google muss erklären, künftig dafür zu sorgen, dass Gedenkstätten für Opfer des Naziregimes von ‚Ingress‘ und ähnlichen Spielen frei gehalten werden.“

  • Besonders scharfe Kritik übt der Verband der Überlebenden des KZ Dachau: „Wir protestieren vehement dagegen, dass für das Computerspiel ‚Ingress‘ Teile des Konzentrationslagers Dachau als Schauplatz ausgewählt wurden“, sagt Jean-Michel Thomas, Präsident des Comité International de Dachau. „Wir fordern ein Verbot dieser Schändung.“

Jean-Michel Thomas ist Sohn des heute 95-Jährigen Dachau-Überlebenden Jean Thomas, der 1944 als Angehöriger des französischen Widerstandes per Zug von Paris nach Dachau transportierte wurde.

Jean-Michel Thomas sagt dem Blatt: „Von den 100 Kameraden in meinem Waggon starben 71, die waren nicht virtuell. Man kann an solch symbolträchtigen Orten nicht spielen, das ist ein Skandal.“

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