Ein Arzt erklärt, was die Pharmaindustrie gegen die Cannabis-Legalisierung hat

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CANNABIS MEDIZIN
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Die Politik hat große Fortschritte versprochen. Die Möglichkeiten, Cannabis als Medikament zu nutzen, sollten schnellstens ausgebaut werden, sagte zum Beispiel die Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Aber viel ist nicht passiert seitdem.

Nach wie vor haben nur wenige Patienten die Sondergenehmigung, Cannabis in der Apotheke zu kaufen. Und noch weniger haben die Erlaubnis, es sogar selbst anzubauen.

Einer von ihnen ist Günter Weiglein, über den die HuffPost schon berichtete. Das Kölner Verwaltungsgericht hat ihm den Anbau erlaubt.

Nur: Das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sperrt sich mit einer Berufung dagegen.

Hier deutet sich an, wer einer der größten Gegner eines Cannabis-Konsums zu medizinischen Zwecken ist: die Pharmaindustrie.

"Es gibt nicht nur Gewinner bei einer anderen Cannabis-Politik", sagte Grünen-Chef Cem Özdemir im HuffPost-Interview. "Die Pharmaindustrie findet unsere Cannabis-Politik nicht gut."

Und das hat seinen Grund, wie Markus Weber erklärt, er ist Neurologe und Leiter des Muskelzentrum/ALS Clinic am Kantonsspital St. Gallen. "Die Pharmaindustrie ist wenig an Cannabinoiden interessiert", sagt er. "THC lässt sich nicht patentieren. Mit dem Wirkstoff einer Pflanze lässt sich kein Geld machen."

Das klingt sehr simpel, aber natürlich einleuchtend. Die Pharmaindustrie kann mit Cannabis nicht viel verdienen, deshalb ist der Stoff uninteressant.

Und deswegen steckt die Industrie auch kein Geld in die Cannabis-Forschung. "Solche Studien sind teuer", sagt Weber.

Gleichzeitig haben die Medikamente-Hersteller aber auch wenig Interesse daran, die Möglichkeiten des Eigenanbaus auszuweiten.

Denn ein Medikament, das kein Geld kostet, aber großen Nutzen hat, ist ein ziemlich starker Konkurrent für etablierte Medikamente, die viel kosten, und zwar vielleicht das ursprüngliche Symptom bekämpfen, aber dafür neue Schmerzen mit sich bringen.

"Cannabis hat im Gegensatz zu herkömmlichen Schmerzmitteln keine Nebenwirkungen", sagt Patient Weiglein. "Es ist das beste Schmerzmittel.“

"Cannabis hat ein riesiges erwiesenes therapeutisches Potenzial", sagt Neurologe Weber. "Eine offene Frage ist, in wieweit es auch bei Krebs und Krankheiten wie Alzheimer eingesetzt werden kann."

In den USA widersetzen sich Schmerzmittel-Hersteller der Liberalisierung mit aller Kraft oder fordern harte Regeln für den privaten Konsum. Die gute Nachricht ist: Trotzdem legalisiert ein Bundesstaat nach dem Cannabis für medizinische Zwecke.

Und noch eine gute Nachricht: 90 Prozent der Deutschen wollen Patienten den Zugang zu Cannabis erleichtern.

Video:Lacher des Tages: Das passiert, wenn es bei der NPD zu viel Cannabis gibt

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