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Auf der Insel Lesbos sieht man schon jetzt, was passiert, wenn Griechenland zusammenbricht

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Ob Griechenland im Euro bleibt oder nicht, ist noch nicht entschieden. Aber fest steht schon jetzt: Sollte Griechenland Pleite gehen, stellt das Europa und auch Deutschland vor riesige Probleme. Und fest steht auch, dass am Grexit viel mehr hängt als das wirtschaftliche Schicksal einiger Euroländer.

Was passiert, wenn die Politik sich in diesen Tagen gegen Griechenland entscheidet, sieht man schon jetzt auf der griechischen Insel Lesbos.

Die Sonne glitzert über dem Meer auf der drittgrößten Insel des Landes. Es ist das Griechenland, das die Touristen sehen wollen. Aber das ist nur die eine Seite von Lesbos. Auf der anderen sieht der Besucher Müll und Elend. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schildert das in einer Reportage sehr eindrucksvoll.

Am Strand, wo tagsüber die Touristen baden, kommen nachts die Flüchtlinge an in ihren Booten. Manchmal kommen sie auch tagsüber.

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Fast alle über das Mittelmeer ankommenden Flüchtlinge landen in Italien oder in Griechenland. Hunderte Menschen pro Tag stranden auf Lesbos, von der Türkei aus. Nach den Hochrechnungen von Pro Asyl werden in diesem Jahr nicht mehr in Italien, sondern in Griechenland die meisten Bootsflüchtlinge nach Europa stranden.

Lesbos gerät schon jetzt an seine Grenzen. Wo führt das hin?

"Griechenland hat jetzt schon nicht das Geld für minimale Standards", hat Karl Kopp, Europareferent der Flüchtlingsorganisation Pro Asyl, "Zeit Online" gesagt. Die griechischen Behörden könnten schon jetzt die Migranten kaum noch unterbringen, ihnen etwas zu trinken und essen geben, sie medizinisch versorgen und aufs Festland bringen. "Wenn die staatlichen Strukturen zusammenbrechen, stehen wir vor einer Katastrophe." Und sie brechen zusammen, wenn der Grexit kommt.

Das Problem scheint auf den ersten Blick allein ein griechisches zu sein. Aber die meisten Flüchtlinge wollen nicht in Griechenland bleiben, sondern weiter. Viele wollen nach Deutschland. Lesbos ist nur eine Durchgangsstation.

Und in Lesbos herrscht Chaos. "Wir brauchen hier mehr Polizisten und Beamte von der Küstenwache, damit die Flüchtlinge schneller registriert werden und nach ein oder zwei Tagen weiterreisen können", zitiert die "FAZ" Christiana Kalogirou, die Chefin der Präfektur Nord-Ägäis, die aus Lesbos, Samos, Chios und einigen kleineren Inseln besteht. Schon jetzt kommen die Beamten mit der Arbeit nicht nach.

Offiziell dürfen Einwanderer zwar erst weiterreisen, nachdem sie registriert wurden. Nur: Wie soll das funktionieren, wenn nicht genug Beamte da sind, die sich darum kümmern? Alles Gerede über Quoten, welches Land wie viele Flüchtlinge aufnehmen soll, wird in dem Moment hinfällig, in dem keiner mehr die Verteilung kontrolliert.

Kein griechisches Problem, sondern ein europäisches

Es ist nicht Griechenland, das an der Herausforderung scheitert. Es ist Europa.

Und nein: Die Alternative kann nicht sein, darüber nachzudenken, wo die Flüchtlinge anders hin könnten als nach Europa. Es ist erst ein Bruchteil der Menschen hier angekommen, die in den Staaten leben, aus denen Flüchtlinge nach Westeuropa reisen. Denn mehr als eine halbe Milliarde Menschen leben laut der "FAZ" dort, sie alle könnten möglicherweise künftig vor den Zuständen in ihrer Heimat oder den Folgen des Klimawandels fliehen.

Es werden also immer mehr kommen, auch wenn das einigen Menschen in Europa nicht gefällt. Wie auf Lesbos, wo sich die Betreiber von Kreuzfahrtschiffen beschweren, dass die Flüchtlinge direkt am Hafen sind.

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Und wird das Chaos in Griechenland größer, wächst auch eine andere Gefahr, die auf dem Weg bislang total unterschätzt wurde: der Terrorismus.

Der griechische Geheimdienst befürchtet, dass islamistische Terroristen sich unter die auf Lesbos ankommenden Flüchtlinge mischen.

Video: In diesem traurigen Video lesen Flüchtlinge vor, was die Deutschen über Flüchtlinge denken

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