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Kreml-Experte verrät Methode, mit der jeder Putins Verhalten zu "99 Prozent" vorhersagen kann

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WLADIMIR PUTIN
Kreml-Kritiker über Putin | Getty
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Er war ein enger Freund des ermordeten Kreml-Kritikers Boris Nemzow. Nun lebt Alfred Reingoldowitsch Koch, unter Boris Jelzin Vize-Regierungschef und Leiter der Privatisierungsbehörde in Russland, im Exil in Deutschland.

Der Wirtschaftswissenschaftler wird in seiner Heimat politisch verfolgt, doch aus dem Exil heraus kritisiert Koch weiterhin die Politik des Kreml. Im Gespräch mit "Focus Online" sprach der Kreml-Kritiker nun über Putin, die Ermordung seines guten Freundes Nemzov, sowie den Westen und die Ukraine-Krise.

Nemzow musste sterben, weil er ein kompromissloser Kritiker Putins war. Davon ist Koch überzeugt. "Er war gefährlich für die Machthaber im heutigen Russland. Putin will Russland bis in die Unendlichkeit regieren. Boris war dafür, dass die Regierungen wechseln." Das habe seinem Freund das Leben gekostet.

Koch selbst hat Angst um sein Leben. Gleiches gelte für alle Kreml-Kritiker, die im Ausland lebten. Aber dem Kreml würde es auch so gelingen, sein Leben zu erschweren und seine Person zu diskreditieren.

Koch beschreibt diese Taktik wie folgt:

"Genau so wie gegen andere Oppositionäre setzt der Kreml gegen mich vor allem eine Waffe ein: Er erfindet angebliche Straftaten. So wurde etwa gegen mich, nachdem ich nach Deutschland ausgereist bin, ein Strafverfahren wegen Schmuggels fabriziert. Das ist eine sehr wirksame Methode, um gegen Kritiker zu kämpfen, weil es ihr Ansehen beschädigt."

So würde es Oppositionellen erschwert, politisches Asyl im Ausland zu erhalten.

Die Psychologie der Machthaber in Russland kennt Koch gut. Und er vergleicht sie mit einem Mafiaclan.

"Wenn Sie vorhersehen wollen, was Putin in dieser oder jener Situation tun wird – dann stellen Sie sich vor, was in so einer Situation der „Pate“ Michael Corleone machen würde. Dann werden Sie zu 99 Prozent wissen, was Putin tun wird."

Daher sieht Koch auch keine Möglichkeit, mit Russland in Fragen der Ukraine-Krise einen Kompromiss zu finden:

"Wenn die Ukraine auch weiter hart für ihre Souveränität und ihren pro-europäischen Kurs kämpft, und der Westen ihr aktiv hilft, wird Putin zum Rückzug gezwungen sein"

Ein Kompromiss hingegen würde als Zeichen der Schwäche gedeutet werden. Nur eine harte Position könne garantieren, dass die Situation nicht eskaliere.

Stattdessen sollte der Westen gezielt Sanktionen aussprechen. Koch hat insbesondere die russische "Agitations-Maschine" im Blick, denn die sei einer der Hauptstützpfeiler des System Putin. Der Westen solle Sanktionen gegen die Leiter der führenden staatlichen und pseudostaatlichen Medien aussprechen.

Diese Agitations-Maschine sei auch in Deutschland wirksam. "Ich denke, bald wird der riesige Maßstab offensichtlich werden, in dem er (Putin) sowohl deutsche Journalisten als auch Politiker manipuliert. Schon heute wird Schritt für Schritt einiges enthüllt". Mit dieser dezent optimistischen Einschätzung beschließt Koch das Interview.

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