POLITIK
08/06/2015 17:27 CEST | Aktualisiert 08/06/2015 17:39 CEST

Dieses neue Internetportal hetzt offen gegen Ausländer - und hat damit erschreckenden Erfolg

Ein Gutes hatten die Pegida-Demonstrationen: Sie halfen sichtbar zu machen, welche Ressentiments in deutschen Wohnzimmern gehegt werden. Die Floskel „Man wird ja wohl noch sagen dürfen“ war nun nicht mehr ein diffuses Phänomen in den Kommentarspalten, sondern bekam binnen Wochen Tausende Gesichter.

Immer noch gehen in Dresden regelmäßig Menschen auf die Straße, um gegen die vermeintliche „Islamisierung“ des Abendlandes zu protestieren. Dort haben am Sonntag auch mehr als 20.000 Menschen für die OB-Kandidatin von Pegida ihre Stimme abgegeben. Doch ihre bundesweite Strahlkraft hat die Bewegung durch Dilettantismus und Richtungsstreits mittlerweile verloren.

Der Hass gegen Ausländer aber, er lebt fort. Und er ist zumindest im Netz weiterhin erlebbar. Jüngstes Beispiel: Die Seite „Netzplanet“.

Mehr soziale Interaktionen als die "FAZ" oder der "Tagesspiegel"

In dem Ranking „10.000 Flies“, das Interaktionen in sozialen Medien misst, hat sich „Netzplanet“ im Mai schon auf Platz 15 der populärsten deutschen Internetseiten nach vorn geschoben – noch vor so bekannten Nachrichtenseiten wie faz.net, tagesspiegel.de und n-tv.de.

„Netzplanet“ ist in den sozialen Netzwerken auch deshalb so erfolgreich, weil es – anders als andere rechte Seiten – ganz offen gegen Ausländer hetzt. Das Portal macht sich keine Mühe mehr, den Hass gegen Minderheiten hinter Floskeln zu verbergen.

Zum Beispiel in diesem Posting, das Flüchtlingen eine wie auch immer geartete „Anspruchshaltung“ gegen Sozialstaat unterstellt.

Asylanten fordern: Kostenlose Tabakwaren, besseres Essen, bessere Unterkunft, bessere...

Posted by Netzplanet on Montag, 1. Juni 2015

In diesem Beitrag schüren die Macher die Ressentiments gegen „Südosteuropäer“.

Südosteuropäer bereiten Berliner Mietern das Leben zur Hölle: Fäkalien aus Fenster...

Posted by Netzplanet on Montag, 8. Juni 2015

Anfang Juni machten die Betreiber der Seite offen Stimmung gegen Schwarzafrikaner.

Demnächst in Deutschland? Schwarzafrikaner proben Anarchie in Italienhttps://www.netzplanet.net/demnaechst-in-deutschland-schwarzafrikaner-proben-anarchie-in-italien/

Posted by Netzplanet on Dienstag, 2. Juni 2015

Diese Liste ließe sich noch beliebig fortsetzen. In fast jedem Posting dringt dabei nicht nur Ausländerhass durch. „Netzplanet“ ist offenbar der Versuch, eine rechte Gegenöffentlichkeit zu schaffen. Eine intellektuelle Parallelwelt, in der Flüchtlinge nur Geld wollen, in der man wegen seiner Herkunft zum Straftäter wird und der Staat den armen deutschen Michel in seiner grenzenlosen Gutmütigkeit zugunsten der in Heerscharen über das Land herfallenden Zuwanderer benachteiligt.

Dabei will die Seite keineswegs aufklären. In den Texten findet keinerlei Abwägung zwischen Richtig und Falsch statt. Die Beiträge sind einzig und allein darauf ausgelegt, Ressentiments zu befriedigen. Und dafür gibt es in Deutschland offenbar einen großen Markt.

Unklar ist dabei, wo die Redaktion von "Netzplanet" ihren Sitz hat. Über ein Impressum verfügt die Seite nicht - was nach deutschem Recht illegal ist.

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