Das Großstadt-Problem der CDU: Ein Schönheitsfehler, der Merkel die Kanzlerschaft kosten könnte

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MERKEL
dpa
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Die CDU und Großstädte - das passt immer seltener zusammen. Wenn man es genau nimmt, muss es nach dem vergangenen Wochenende sogar heißen: Das passt gar nicht mehr zusammen.

Bei der Dresdner Oberbürgermeister-Wahl war Sachsens Innenminister und CDU-Mann Markus Ulbig am Sonntag nur auf 15,4 Prozent der Stimmen gekommen. Das bedeutet: Die CDU regiert jetzt in keiner Großstadt mehr.

Allein in den vergangenen sechs Jahren hat die CDU sieben Städte mit mehr als 400.000 Einwohnern verloren (Dresden, Düsseldorf, Stuttgart, Duisburg, Frankfurt am Main, Köln, Essen).

Und auch in den anderen deutschen Großstädten Berlin, München, Leipzig, Nürnberg, Hannover und Dortmund regieren keine Christdemokraten.

Das Städteproblem der CDU - nur eine lästige Randnotiz?

Man könnte das in Zeiten, in denen die Union bundesweit gut dasteht, als lästige Randnotiz abtun. Man könnte es aber auch als desaströse Entwicklung sehen, wenn die Partei der deutschen Regierungschefin eine Großstadt nach der anderen verliert.

Merkel dürfte wissen, dass sie das Städte-Image ihrer Partei aufpolieren muss, um wieder mehr junge, urbane Wähler zu gewinnen. Doch die Kanzlerin weiß auch, wie schwer sich ihre Partei damit tut.

Schon 2004 empfahl eine vom damaligen NRW-Landeschef Jürgen Rüttgers geführter Arbeitskreis: Um die Städte zurückzugewinnen, muss sich die CDU neu orientieren, vor allem bei der Familien-, Bildungs- und Kulturpolitik.

"Ein attraktives Angebot bieten"

Generalsekretär Laurenz Meyer sagte damals, die CDU müsse "ein attraktives Angebot für die neuen etablierten großstädtischen Gesellschaften und ihr Lebensgefühl bieten". Und der damalige CDU-Fraktionschef Günther Oettinger erklärte: "Wenn wir in den Großstädten noch eine Volkspartei sein wollen, muss die CDU in jeder kulturellen Welt die Leute erwischen."

Elf Jahre später setzt eine CDU-Ministerpräsidentin die Homo-Ehe indirekt mit Inzucht gleich und die Kanzlerin erklärt zum selben Thema, sie sei "unsicher, was das Kindeswohl anbelangt".

Die CDU macht Politik vorbei am Zeitgeist der bunten Milieus deutscher Großstädte. Verwundert es da noch, dass sie dort kein Land sieht?

Besonders schmerzvoll dürfte für die CDU ohnehin sein, dass die zehn größten deutschen Städte mit Ausnahme von Stuttgart (Fritz Kuhn/Grüne) von Sozialdemokraten regiert wird.

"Offensichtlich ist es mit der Großstadt-Kompetenz der CDU nicht weit her", lästerte SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi am Montag bereits über das fehlende Großstadt-Gespür der Christdemokraten.

"Können natürlich nicht zufrieden sein"

Bei der Union hält man sich bislang bedeckt. Lediglich der baden-württembergische Landes-Chef Thomas Strobl stellte am Montag fest: "Schaut man auf die Chefsessel in den größten Städten Deutschlands, kann die Union natürlich nicht zufrieden sein." Es sei aber falsch zu sagen, dass die CDU grundsätzlich nicht Großstadt kann, erklärte der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende.

Marcus Weinberg, ehemaliger Hamburger CDU-Landeschef und Bundestagsabgeordneter, sagte Deutschlandradio Kultur, die Union wisse nicht, ob sie eine moderne und liberale Stadtpartei sein solle. Es gebe auch eine Strömung, die das Konservative und Bürgerliche stärker betonen wolle, erklärte Weinberg.

So oder so: Die CDU hat noch einen weiten Weg vor sich, wenn sie sich nicht auf ihrer starken Rolle im Bund ausruhen will - und wenn sie sich nicht weiterhin "tendenziell autistisch im Raumschiff Ortsverband" bewegen will, wie es 2004 im Rüttgers-Papier hieß.

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