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Oregano als Antibiotikum? Drei Fakten über das Gewürz, die Sie sicher noch nicht kennen

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OREGANO
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Ein Pizzagewürz als Antibiotika-Alternative? Das klingt ein bisschen absurd. Genau darum geht es aber. Forscher wie der Heidelberger Mediziner Uwe Frank beschäftigen sich seit Jahren damit, wie etwa Oregano die Medizin revolutionieren kann. Er und andere Wissenschaftler sind noch am Anfang. Es liegt noch viel Arbeit vor ihnen.

Aber es mehren sich Studien, die belegen, dass Oregano-Essenzen bald vielleicht eine weitaus größere Rolle spielen werden.

Es sind nicht die Blätter, die eine Wirkung entfalten, sondern die ätherischen Öle - und zwar insbesondere auf unser Lungen- und Verdauungssystem.

Während herkömmliche Antibiotika die Darmflora angreifen und zu Magen-Darm-Erkrankungen führen könnten, sei dies bei pflanzlichen Alternativen in der Regel ausgeschlossen, sagte Uwe Frank dem "Südwestrundfunk".

Und das ist nur ein Grund, warum es sich lohnt, Oregano näher anzuschauen.

1. Oregano wirkt entzündungshemmend

„Naturpflanzen sind ein Wirtschaftszweig mit gewaltiger Zukunft“, sagte Stérgios Tzimikas, Doktor der Allgemeinmedizin und Botaniker, bereits 2012 im Gespräch mit der „Lebensmittel Zeitung“. Er sieht in Oregano-Inhaltsstoffen eine echte Alternative zu Antibiotika. Und er ist damit nicht allein.

Forscher der Universität Bonn und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich sind sich sicher: Das Gewürz hat einen Inhaltsstoff, der entzündungshemmend wirkt.

Die Wissenschaftler testeten den Wirkstoff an Mäusen, die entzündliche Schwellungen an ihren Pfoten hatten. Die Ergebnisse veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift „Proceedings oft the National Academy of Sciences“.

Der Oregano-Stoff Beta-Caryophyllen (E-BCB) könne auch als Wirkstoff gegen Krankheiten wie Osteoporose oder Arterienverkalkung in Frage kommen.

2. Oregano soll ein riesiges Problem in der deutschen Landwirtschaft bekämpfen können

Die Firma Dostofarm im niedersächsischen Westerstede sieht sich selbst als Pionier der Oregano-in-der-Landwirtschaft-Bewegung. Sie ist nach eigenen Angaben der weltgrößte Hersteller von Futterzusätzen aus natürlichem Oregano und beliefert Kunden in 40 Ländern. Diese wollen ihre Antibiotika-Abgabe in konventionellen Mastbetrieben reduzieren.

Aber allein mit pflanzlichen Mitteln kommt man nicht weiter, stellte Stefan Mutter, Geschäftsführer des Geflügelbetriebes Freiland Puten Fahrenzhausen klar. Mutter selbst setzt zwar auch Oregano als Desinfektionsmittel ein, einen größeren Hebel hätten aber die Haltungsbedingungen. "Werden weniger Tiere auf der Fläche gehalten, haben sie einen höheren Gesundheitsstatus und es sind weniger Medikamente notwendig", sagte er im März 2015 der Fachzeitschrift "Lebensmittelzeitung".

3. Oregano kann möglicherweise den „Killerkeim“ MRSA bekämpfen

Als Folge des massenhaften Antibiotika-Einsatzes in der Nutztierhaltung, kleben auf Puten- oder Hähnchenfleisch im Supermarkt oder beim Discounter relativ häufig MRSA-Keime, wie verschiedene Stichproben zeigen.

Sie werden auch "Killerkeime" genannt und sind gegen die gängigsten Antibiotika resistent. Sie und andere multiresistente Erreger sind vor allem in Krankenhäusern ein Problem, zwischen 15.000 und 40.000 Menschen sterben wegen ihnen in Deutschland. Jährlich.

Die wachsende Anzahl von Antibiotika-Resistenzen ist ein Thema, das auch beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau diskutiert werden wird.

Manche Mediziner spotten bereits, dass jeder Landwirt, der in eine Klinik komme, erstmal direkt in die Quarantäne müsse.

Und auch bei dieser dramatischen Entwicklung könnte das Pizzagewürz helfen. Jens-Martin Träder, Honorarprofessor an der Universität Lübeck, testete eine Mischung aus wildem Oregano und schwarzer Johannisbeere an Patienten mit dem "Killerkeim".

Träders Probanden waren nach drei Wochen frei von MRSA. Jetzt will Träder die Forschung ausweiten und auf eine größere Datenbasis stellen - was dringend notwendig ist.

Doch es gibt rechtliche Hürden, die seinen Plan behindern. Seniorenheime und Krankenhäuser würden daher ihre Teilnahme verweigern.

Auch die Biomedizinerin Vyv Salibsurgy von der Universität von West England in Bristol erforschte, dass selbst die kleinsten Konzentrationen von Oregano-Öl eine starke Wirkung auf Krankheitserreger hätten, "gegen die herkömmliche Antibiotika machtlos sind“, berichtete die Wochenzeitung „Die Zeit“.

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