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7 Gründe, warum Sie sofort ins Ruhrgebiet ziehen sollten

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„Es gibt tatsächlich Menschen, die noch glauben, dass hier die Wäsche schwarz wird, wenn man sie aufhängt.“

Dieser Satz bringt wohl das gängigste Klischee über das Ruhrgebiet auf den Punkt.

Gesagt hat ihn Rasmus C. Beck, Chef der Wirtschaftsförderung der Metropole Ruhr.

Er hat eigentlich positive Nachrichten im Gepäck, doch den meisten Menschen in Deutschland müssen Ruhris noch immer umständlich erklären, dass das Revier mehr hat als Zechen, Atze Schröder und Pommes Schranke. Dass dort auch Menschen ohne Grubenlampen herumlaufen.

Deutsches Bergbau Museum Bochum

Dass der Pott sogar mitunter ziemlich hot sein kann.

Natürlich: Es läuft längst nicht alles rund im Ruhrgebiet. Die Verschuldung ist in vielen Städten noch immer dramatisch, die Arbeitslosigkeit höher als im Bundesdurchschnitt. Und die Region wird schrumpfen, prognostizieren Statistiker. Und jetzt das ABER.

Es gibt Anzeichen, dass sich hier was dreht. Dass der Strukturwandel “Früchte trägt”, wie es die Landesbank Hessen-Thüringen der Region bescheinigt.

Selbst das ruhrgebietskritische Institut der deutschen Wirtschaft Köln sieht einen Hoffnungsschimmer: Dortmund.

Nicht wegen des Fußballs, der hier eine Religion ist, sondern wegen der Entwicklungschancen.

Der Dortmunder Norden habe zwar „einen schweren Stand“, im Süden böten sich aber „attraktive Wohngebiete mit gesunder Sozialstruktur“, schreibt das Institut.

Und das ist nur ein Grund, warum es sich verbietet, pauschal über das Ruhrgebiet zu urteilen und einen Castrop-Rauxel-Witz zu erzählen.

1. Das Ruhrgebiet insgesamt hat Wachstumspotenzial

Beispiel Essen: Hier ist die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs in den vergangenen zehn Jahren um zehn Prozent gestiegen. Und: 2012 wurde in Essen eine Bruttowertschöpfung von 21,1 Milliarden Euro erwirtschaftet. Gegenüber dem Jahr 2002 bedeutet das einen Anstieg von 30,2 Prozent.

Um die Zahl besser einzuordnen, hilft ein Vergleich: Essen ist damit nämlich Spitzenreiter unter den zehn größten Städten Deutschlands, steht besser da als Köln und München.

Das ist im Übrigen ein Trend, der auch für das gesamte Ruhrgebiet gilt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Erwerbstätigen ist in den vergangenen Jahren im Revier um 24 Prozent gestiegen, bundesweit dagegen nur um knapp 18 Prozent.

„Wir können uns mit dem, was hier wirtschaftlich geschieht, sehr selbstbewusst dem Wettbewerb mit anderen Regionen stellen“, sagte Rasmus C. Beck der „Süddeutschen Zeitung“.

Und im Wirtschaftsbericht 2014 der Metropole Ruhr heißt es sogar: Das Revier habe "international wettbewerbsfähige regionale Ökonomie mit guter Beschäftigungssituation“. Diese müsse man lediglich deutlicher kommunizieren. Und man müsse im Pott mehr miteinander als gegeneinander arbeiten.

2. Das Ruhrgebiet bietet Jobs: Acht der 50 umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands sitzen im Ruhrgebiet

Essen - Traffic at night!

Aldi (Nord und Süd), RWE, Deutsche BP AG, Schenker AG, Thyssen-Krupp, Hochtief, Evonik – und bald auch Eon.

Denn Deutschlands größter Energiekonzern zieht nach Essen – mit seiner zukunftsträchtigen Sparte für erneuerbare Energien. Die abgespaltene Kraftwerkstochter bleibt in Düsseldorf.

3. Das Ruhrgebiet sichert sich drei Plätze in den Top 10 der grünsten Städte Deutschlands

Essen ist die drittgrünste Stadt Deutschlands, Oberhausen kommt auf Platz 6 und Gelsenkirchen auf Platz 8. Und vom östlichen Ruhrgebiet aus ist es nur einen Sprung ins schöne Sauerland entfernt.

In die Berge quasi. Damit geben ja die Münchner an, dass sie ach-so-schnell in den Bergen sind. Aus Dortmund ist man blitzschnell in Willingen und Winterberg.

4. Es gibt attraktive Universitäten

Die Ruhr-Uni Bochum und die Universität Duisburg-Essen gehören zu den besten 100 Universitäten der Welt, die jünger als 50 Jahre alt sind.

Das ergab das “Times Higher Education”-Ranking 2015. Die Ruhr-Uni stieg von Rang 60 auf 54, die Uni Duisburg-Essen belegt 2015 Platz 59 statt 67. Insgesamt sind in der Metropole Ruhr derzeit so viele Studenten eingeschrieben wie nie zuvor.

5. Das Revier hat auch Szene-Viertel


„Rüttenscheid ist das Prenzlauer Berg des Ruhrgebiets. Zudem sitzen hier viele Unternehmen, es gibt gute Jobs“, schreibt das Wirtschaftsmagazin „Capital“ in seinem Immobilien-Kompass über den Essener Stadtteil mit den vielen schönen Cafés und Straßen.

Das Blog "Ruhrbarone" erkennt zudem am Bochumer Bermudadreieck mediterranes Flair. Und wer die Trinkhallen im Ruhrgebiet nicht szenig findet, dem kann auch nicht mehr geholfen werden.

6. Die günstigen Mieten

Altbauliebe. #altbau #kreuzvierteldortmund #dortmund

Ein von @dazwischentage gepostetes Foto am


Wer in Berlin, München oder Köln wohnt, wird bei den Mieten im Ruhrgebiet neidisch. Zwar gibt es auch hier Gebiete, in denen die Mieten stark ansteigen (etwa Essen-Rüttenscheid, das Dortmunder Kreuzviertel und die Gegend rund um den künstlich angelegten Phoenix-See), aber im Vergleich ist das noch immer relativ niedrig.

7. Kulturregion

#Extraschicht 2015 ist schon in Planung. Bis dahin erinnern wir uns gerne zurück. #dortmundatnight #tudortmund

Ein von Dortmunder U (@dortmunderu) gepostetes Foto am


Das Ruhrgebiet kann kulturell mehr vorweisen als den Film “Bang Boom Bang” (auch wenn der wirklich gut ist). Das Stadtfest "Bochum total" zum Beispiel, das Festival Juicy Beats. Die Extraschicht. Die Ruhrtriennale, wo Hollywood-Stars wie Cate Blanchett oder Ethan Hawke vorbeischauen.

In Bochum fährt Rusty im Starlight Express seine Runden. Und auf den Bühnen der Republik zeigt Poetry-Slammer Torsten Sträter, ein Waltroper, der in Dortmund geboren ist, dass Pott-Humor durchaus vielseitig sein kann.

Und falls Ihnen das noch nicht reicht, verweisen wir noch mal auf die 14 Gründe, warum wir das Ruhrgebiet lieben.

(Aufmacherbild via Flickr)


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