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Baden-Württemberg: 21 Dinge, die auf Schwäbisch eine völlig andere Bedeutung haben als auf Deutsch

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Wir Schwaben sind ein zutiefst missverstandenes Volk. Dauernd werden wir belächelt. Wegen unserer Sprache. Weil wir ein bisschen eigen sind. Weil wir angeblich ein besonderes Verhältnis zu Geld haben.

Doch diese Vorurteile gibt es nur, weil die anderen Deutschen einfach zu wenig über uns wissen. Zur besseren Verständigung sind hier deshalb 20 Dinge, die im Schwäbischen eine völlig andere Bedeutung haben.

1. Kehrwoche

In Deutschland: Bitte, was?

Im Ländle: Eine feste Institution, die den Frieden in Mehrfamilienhäusern sichert. Um die horrenden Kosten eines Reinigungsdienstes zu sparen (10 Euro im Monat sind schon eine Nummer), putzen die Bewohner den Hausflur selbst. Alles nach einem ausgeklügelten Zeitplan organisiert.

Wenn der Dienst getan ist, wird das „Kehrwoche“-Schild an die Haustür des Nachbarn gehängt. Einige schwarze Schafe reichen es gleich weiter, OHNE zu putzen. Eine Todsünde.


2. Norddeutschland

In Deutschland: Das Gebiet entlang der Nord- und Ostseeküste. Dazu zählen die Bundesländer Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein.

Im Ländle: Alles oberhalb von Mannheim.

3. Hochdeutsch

In Deutschland: Ein dialektfreies Deutsch, das überall in der Bundesrepublik gilt. In Hannover wird angeblich das reinste Hochdeutsch gesprochen.

Im Ländle: Ein Konstrukt, das erfunden wurde, um die Überlegenheit einer bestimmten Bevölkerungsgruppe zu demonstrieren. Wenn ein Schwabe perfektes Hochdeutsch spricht, muss er mit zwei verschiedenen Reaktionen rechnen. Die einen sagen fast enttäuscht: „Sie schwäbeln ja gar nicht.“ Die anderen (auffällig oft sind es Niedersachsen) behaupten: „Man hört es schon leicht. An der Färbung der Vokale.“

Liebe Niedersachsen, habt ihr schon mal daran gedacht, dass euer „Hochdeutsch“ für unsere Ohren genauso seltsam klingt? Ihr sagt „Wiartschaft“. Wir sagen „Würtschaft“. Wer sagt denn, dass eure Version die richtige ist?

4. Drücker

In Deutschland: Verkäufer, die an der Haustüre klingeln und versuchen, den Bewohnern mit unlauteren Mitteln ein Zeitschriften-Abbo anzudrehen.

Im Ländle: Fernbedienung. Das Ding, auf dem man die Tasten drückt.


6. Höflichkeit

In Deutschland: Zuvorkommende Umgangsformen. “Bitte” und “danke” sagen. Jemandem die Tür aufhalten.

Im Ländle: Hier bedeutet Höflichkeit, dass man sich aus den Angelegenheiten der anderen gefälligst herauszuhalten hat. Deshalb sind Schwaben oft irritiert, wenn ihnen fremde Menschen zu nahe treten. Rheinische Frohnaturen zum Beispiel, die in der Kneipe auf gute Nachbarschaft anstoßen wollen. Oder bayerische Kellner, die eine Essensbestellung mit “Da hat aber jemand Hunger” kommentieren. Am schlimmsten ist für den Schwaben aber die ach so “liebenswürdige” Berliner Schnauze:


7. S’Äffle und S’Pferdle

In Deutschland: Ein sprechender Affe und ein sprechendes Pferd.

Im Ländle: Ein nationales Kulturgut:


8. Vorschriften

In Deutschland: Regeln, an die man sich zum öffentlichen Wohl und zur eigenen Sicherheit halten sollte, die aber immer wieder auch umgangen werden. Es sind eher Richtlinien.

Im Ländle: Göttliche Gesetze. Du sollst den Rasen nicht betreten. Du sollst nicht vom Beckenrand springen. Du sollst den Hund im Park an der Leine halten. In Bezug auf Vorschriften ist Baden-Württemberg vielleicht das Deutscheste aller Bundesländer. Es liegt einfach nicht in der Natur des Schwaben, gegen Regeln zu verstoßen.

9. Halblebig

In Deutschland: Hä?

Im Ländle: Kurz vor dem Kaputtgehen oder Sterben. Nur noch halb am Leben. Beispiel: Ein halblebiges Fußballspiel.

10. K und P

In Deutschland: Stimmlose Konsonanten.

Im Ländle: Hä?


11. Prenzlauer Berg

In Deutschland: Ein ehemals charmanter Stadtteil Berlins, der von Schwaben überrannt wurde. Sie sind der Inbegriff der Gentrifizierung. Sie haben aus dem Viertel “Little Stuttgart” gemacht.

Im Ländle: Der einzig bewohnbare Teil dieses Höllenmollochs. Eigentlich ziehen Schwaben nicht gern um, vor allem nicht nach Berlin (siehe Punkt 6). Und wenn sie unbedingt müssen, dann entscheiden sie sich eben für den Prenzlauer Berg - weil es da verhältnismäßig wenig Graffiti und Müll gibt. Und viele nette Menschen.


12. Karlsruhe

In Deutschland: Das liegt doch in Schwaben, oder?

Im Ländle: Eine Stadt in Baden. Bewohnt von Badensern, die nichts, aber auch gar nichts mit Schwaben zu tun haben. Alleine diese seltsame Sprachmelodie! Das Badische hat mehr mit dem Pfälzischen und dem Hessischen gemeinsam als mit dem Schwäbischen.

Hören Sie doch mal genau hin, wie anders badisch klingt:

13. Laufen

In Deutschland: Sich in hoher Geschwindigkeit zu Fuß fortbewegen, rennen.

Im Ländle: Gehen. Hektik hat noch niemandem etwas gebracht.

14. Konjunktiv

In Deutschland: Die Möglichkeitsform. Sie drückt aus, was nicht unbedingt eine feststehende Tatsache, wohl aber möglich oder wünschenswert ist. Gebildet wird der Konjunktiv durch Konjugation des Verbes, zum Beispiel: Es wäre schön. Er könnte gewinnen. Das fände sie nicht so lustig.

Im Ländle: Ebenfalls eine Möglichkeitsform. Allerdings macht es sich der Schwabe möglichst einfach und bildet den Konjunktiv gern mit “tun”. Beispiel: “Dädsch du mir den Drücker geben?” (Tätest du mir die Fernbedienung geben?) Oder: “I däd gern zahla” (Ich täte gern bezahlen).


15. Schwaben

In Deutschland: Eine Region in Deutschland, die von Schwaben bewohnt wird. Irgendwo da unten zwischen Mannheim und Augsburg.

Im Ländle: Schwaben - das ist keine Region, sondern eine Bevölkerungsgruppe. Die Schwaben leben in Württemberg, das heißt im Schwäbischen. Sie sind nicht zu verwechseln mit den Bewohnern des Regierungsbezirks Schwaben. Der liegt in Bayern.

16. Englisch

In Deutschland: Eine ursprünglich in England beheimatete Sprache. Landessprache in Großbritannien, Australien, Neuseeland und der USA. Die Weltsprache.

Im Ländle: Eine Sprache, die durch den schwäbischen Dialekt erst ihre volle Schönheit entfaltet:

17. Schaffen

In Deutschland: Etwas durch schöpferische Arbeit, schöpferisches Gestalten neu entstehen lassen; etwas bewerkstelligen, erfolgreich zum Abschluss bringen.

Im Ländle: Arbeiten. Beispiel: “Schaffsch du au beim Daimler?” Die Arbeit ist für den Schwaben mehr als eine lästige Pflicht. Sie ist ein Selbstzweck. Wer arbeitet, der macht etwas aus seinem Leben. Er erschafft etwas, ihm gelingt etwas.


18. Heben

In Deutschland: etwas aufheben, hochnehmen.

Im Ländle: halten, festhalten. Beispiel: “Heb mal kurz meine Tasche.”


19. Strecken

In Deutschland: einen Körperteil in eine gerade Haltung bringen, sich dehnen, größer werden, wachsen, eine bestimmte Ausdehnung haben.

Im Ländle: Die Hand heben, wenn man sich in der Schule zu Wort melden will.

20. Schimpfen

In Deutschland: Seinem Ärger mit heftigen Worten Ausdruck geben.

Im Ländle: Eine Kunstform der gesellschaftlichen Konversation. Die Ursache des Ärgers ist dabei meist nicht so wichtig. Sie kann noch so klein sein. Zwei Millimeter hohe Grashalme, die zwischen den Steinplatten der Terrasse des Nachbarn sprießen. Kinobesucher, die zu laut mit einer Kekstüte rascheln. Oder Bonbonpapierle im Hausflur:


21. Entschuldigung

In Deutschland: Höflichkeitsformel. Ausdruck des Bedauerns und der Reue.

Im Ländle: Laut der Webseite “Schwäbisch Schwätza” benutzen Schwaben dieses Wort selten. Und wenn dann eher als Drohung. Beispiel: "Entschuldigen Sie mal – so geht’s aber net!" oder "Entschuldigung, des isch fei mei Platz."

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