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Börsen-Analytiker Martin Armstrong: "Ich erwarte einen Crash im Oktober"

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CRASH IST DIE LOESUNG
Börsen-Spezialist Martin Armstrong prophezeit einen Crash im Euroraum | Thinkstock
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In den USA polarisiert der Name Armstrong wie kaum ein anderer. Für viele Menschen hat er Legendenstatus seit Neil Armstrong als erster Mann den Mond bestieg.

Bei anderen steht er auf der roten Liste. Schuld daran ist Lance Armstrong. Der Mann, der seine Nation und die ganze Sportwelt betrog.

Martin Armstrong steht irgendwo in der Mitte – zwischen Himmel und Hölle.

Der 65-Jährige Börsenanalytiker zählt zweifelsfrei zu den streitbarsten Persönlichkeiten der Finanzbranche. Er saß im Gefängnis, weil er namhafte Banken mit Tonbandaufnahmen erpresst haben soll.

Düstere Prognose über die europäische Wirtschaft

16 Jahre ist das jetzt her. Damals war Armstrong ausgezogen, um den Geldhäusern Manipulationen nachzuweisen. Am Ende landete er selbst hinter Gittern.

Etwas hat Armstrong durch seine Strafe jedoch nicht eingebüßt: dass seine Worte nach wie vor Beachtung finden in der Welt der Finanzen.

Und derzeit sind es wieder einmal besonders laute Töne, die von Armstrong kommen. In einem jüngsten Interview mit der "Wirtschaftswoche” sagte der Börsenexperte einen unmittelbar bevorstehenden Kollaps der europäischen Wirtschaft und des Euros vorher. Armstrongs Prophezeiung:

"Ich erwarte einen Crash im Oktober dieses Jahres, weil dann die Blase an Staatsanleihen platzt. Um den 17. herum sollten die meisten das verstanden haben.”

Die Gefahren der EZB-Politik

Hintergrund seines düsteren Szenarios ist die Politik der Europäischen Zentralbank, die durch den Aufkauf von Staatsanleihen klamme Euro-Staaten vor dem Bankrott bewahren und einen Zerfall der Euro-Zone verhindern will.

Die Gefahr dabei: Es wird ein riesiger Berg an imaginärem Geld aufgebaut – und irgendwann kommt die Lawine, die alles zum Einsturz bringt.

Lesen Sie auch: Der Crash ist vorprogrammiert - dass er kommt, ist keine dunkle Prophetie

Erste Anzeichen dafür gibt es bereits jetzt. Mehr als 70 Prozent der deutschen Staatsanleihen seien schon jetzt nichts mehr wert, schreibt die "Welt”. Finanzmarktexperten sehen die Gefahr, dass Geld immer mehr an Wert verliert und warnen in diesem Zusammenhang seit langem vor einem möglichen Beben. Martin Armstrong ist einer von ihnen.

Er hat für den Crash sogar einen konkreten Tag ausgemacht: den 17. Oktober. Wie ist so eine exakte Vorhersage möglich?

Armstrong: Ernste Folgen für Deutschland

Armstrong leitet seine Prognose von Computerprogrammen ab. Ein ausgefeiltes System. Es berücksichtigt alles, was in irgendeiner Weise mit der Weltwirtschaft zu tun hat: Währungen, deren Entwicklungen, Volkswirtschaften, Industrien, High-Tech, Landwirtschaften, sogar die Eisenbahn. Am Ende kombinieren Armstrongs Maschinen alle Daten und Faktoren und spucken ein Ergebnis aus.

Den 17. Oktober. Der Tag, an dem der große Crash über den Euroraum hereinbrechen soll.

Ein Zusammenbruch der europäischen Wirtschaft hätte nach Ansicht Armstrongs auch schwere Folgen für Deutschland. Der "Wiwo” sagte er:

"In dem Fall wird Deutschland vor einer Rezession nicht gefeit sein, es kann sich vom Niedergang der europäischen Nachbarländer nicht abkoppeln.”

BIP in Deutschland soll steigen

Eine Krise in Deutschland lässt sich allerdings aus den bisherigen Konjunkturprognosen der hiesigen Wirtschaftsinstitute nicht ablesen. Im Gegenteil.

Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) etwa teilte in seinem jüngsten Report mit, dass sich das Wachstum der deutschen Wirtschaft spürbar beschleunigen werde. Die Ökonomen rechnen damit, dass das Bruttoinlandsprodukt 2015 und 2016 jeweils um 2,2 Prozent wächst. Außerdem sagten sie eine sinkende Arbeitslosigkeit, spürbare Lohnsteigerungen und eine starke Binnennachfrage voraus.

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft geht zwar von etwas geringeren Zahlen aus. Die Aussage der Konjunkturprognose ist jedoch identisch mit der des IMK. Also so ziemlich das krasse Gegenteil von Martin Armstrong.

Womöglich ist der Börsen-Kenner mit seiner Crash-Prophezeiung etwas zu weit vorgeprescht. Es wäre nicht das erste Mal, dass eine seiner forschen Vorhersagen nicht eintritt.

Er selbst sei "immer wieder erstaunt”, was seine Computer ihm für Ergebnisse lieferten, sagte Armstrong in dem Interview. Manchmal ist es einfach angebrachter, das Schicksal nicht in die Hände von Maschinen zu legen.


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