13 Beweise, dass sich Bayern zu wichtig nimmt

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Die CSU nervt ganz Deutschland mit ihrer Klassenstreber-Attitüde: Schon Edmund Stoiber konnte auf Kommando Dutzende Statistiken herunter rattern, die zeigen sollten, wie mustergültig sein Bundesland geführt wurde.

Der jetzige Kronprinz innerhalb der CSU, Markus Söder, kofferte bei Günther Jauch sogar den griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis an, er solle endlich mal seine „Hausaufgaben“ machen.

Der Subtext dabei: Niemand hat ein so schön geführtes Hausaufgabenheft wie der ewig herrliche Freistaat Bayern.

Es stimmt natürlich, dass Bayern in vielerlei Hinsicht der Primus unter den deutschen Bundesländern ist. Wirtschaftskraft, Demografie, Arbeitslosigkeit (gemeinsam mit Baden-Württemberg), Schuldenaufnahme.

Und doch: Auch Bayern glänzt längst nicht in jeder Statistik. Geht man ins Detail, findet man viele Bereiche, in denen die Bajuwaren längst nicht so großartig dastehen. Erstaunlicherweise sind es sogar sehr oft Felder, die in der Zukunft große Bedeutung haben könnten.

Die Huffington Post nennt Ihnen 13 Gründe, warum sich Bayern zu wichtig nimmt:

1. Kitaplätze
Die Betreuungsquote für Kinder unter drei Jahren bleibt in Bayern ein Desaster. Laut jüngstem Fortschrittsbericht des Familienministeriums finden nur 27 Prozent der Kleinkinder im Freistaat einen Platz in einer Kindertagesstätte. Im Bundesvergleich ist das Platz 13.

Zwar ist der Anteil seit 2008 um knapp 14 Prozentpunkte gestiegen. Doch fast alle westdeutschen Bundesländer, wo der Bestand an Kita-Plätzen im Jahr 2008 ähnlich niedrig wie in Bayern war, haben mehr für den Ausbau des Angebots getan. Die einzige Ausnahme ist das Saarland.

2. Erzeugung erneuerbarer Energien
Auch hier reicht es für Bayern nur fürs Mittelfeld im Ländervergleich. Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung wurden 2011 insgesamt 31,2 Prozent der Energie in Bayern ökologisch erzeugt. Das ist bundesweit nur Platz sieben.

Allerdings bewerten die Forscher die Bemühungen Bayerns um den Ausbau in der Produktion von erneuerbaren Energien positiv. Hier hat der Freistaat das Land Brandenburg von Platz eins verdrängt.

3. Schnelles Internet
Bei der Versorgung mit schnellen Breitbandverbindungen (über 50 Mbit pro Sekunde) ist Bayern nur Mittelmaß in Deutschland. Laut „Breitbandatlas“ belegt der Freistaat lediglich Platz neun im Ländervergleich. Fast alle westlichen Bundesländer haben eine höhere Versorgung.

Bei der Versorgung mit schnellem mobilem Internet (LTE) steht Bayern nicht besser da. Mit 91,3 Prozent reicht es auch hier nur für Platz neun. Besonders peinlich: Mit Alexander Dobrindt ist derzeit ein CSU-Minister für den Netzausbau zuständig.

4. Soziale Mobilität
In kaum einem Bundesland ist es für Kinder aus unteren sozialen Schichten so schwer, auf das Gymnasium zu kommen, wie in Bayern. Das ergab eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung im Jahr 2014. So haben im Freistaat Kinder aus Akademikerfamilien eine 6,5-mal so hohe Chance auf das Abitur wie „Arbeiterkinder“, in Berlin liegt die Wahrscheinlichkeit nur 1,7-mal so hoch.

Das mag auch daran liegen, dass Bayern strikt am dreigliedrigen Schulsystem festhält. Experten bemängeln schon seit längerer Zeit, dass die Entscheidung für eine weiterführemde Schule für Kinder nach der vierten Klasse zu früh kommt. Besonders Familien aus bildungsfernen Schichten tun sich schwer damit, diesen Entschluss später zu revidieren. Der Anteil von Schulabgängern mit Studienberechtigung lag 2011 in Bayern bei nur 27,7 Prozent, nur in Sachsen-Anhalt war die Quote niedriger.

5. Anteil von Schülern an allgemeinbildenden Schulen
Und weil der Anteil der Schüler in Hauptschulen in Bayern überdurchschnittlich hoch ist, belegt der Freistaat auch nur einen Mittelfeldplatz, wenn es um den Anteil der fünf- bis zwanzigjährigen Schüler an allgemeinbildenden Schulen geht. Mit 67,4 Prozent belegt Bayern laut Statistischem Bundesamt nur den zehnten Platz.

Der Anteil von Gymnasiasten in Bayern lag im Jahr 2011 bei 32,4 Prozent, das ist nur Platz elf im Ländervergleich – und im Gegensatz zu anderen Bundesländern stagniert dieser Anteil seit Jahren. Obwohl Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits 2008 die „Bildungsrepublik Deutschland“ zum Ziel ihrer Politik gemacht hat und den Anteil an Studenten in Deutschland erhöhen wollte.



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6. Private Schulen
Dafür ist nirgendwo der Anteil von Schülern an privaten allgemeinbildenden Schulen so hoch wie in Bayern. Er lag im Jahr 20111 bei 11,3 Prozent und damit mehr als doppelt so hoch wie im Bundesschnitt. Experten sehen diese Entwicklung mit Sorge, da viele private Schulen hohe Gebühren erheben und damit für ärmere Familien unerschwinglich sind.

7. Sprachen
Stolz erhob einst Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) das Prinzip vom „Laptop und Lederhose“ zur Staatsräson in Bayern. Seltsam nur, dass seine Landeskinder auch heute noch im Sprachenlernen eher Mittelmaß sind. Nur 79,4 Prozent der bayerischen Schüler lernen Englisch in der Schule. Das ist Platz elf unter den 16 Bundesländern. Spitzenreiter ist Sachsen-Anhalt, wo jeder Schüler Englisch lernt. Im Bundesdurchschnitt sind es 86,7 Prozent.

8. Sitzenbleiber
Seit Jahren gibt es eine Diskussion drüber, ob das Sitzenbleiben in der Schule noch zeitgemäß ist. Kritiker sagen, dass besonders Schüler aus bildungsschwächeren Schichten dadurch von den Schulkarrieren ihrer Klassenkameraden abgekoppelt werden.

Bayern hält daran unbeirrt fest. Nirgendwo sonst ist der Anteil an Klassenwiederholern so hoch wie im Freistaat. Im Schuljahr 2010/11 waren es knapp über drei Prozent, in Brandenburg nur ein Prozent.

9. Mathematik und Naturwissenschaften
Laut einer Schulvergleichsstudie im Auftrag der Kultusministerkonferenz von 2014 haben bayerische Schüler den Anschluss an die Spitze im Bereich „Mathematik und Naturwissenschaften“ verloren. Dort zieht Sachsen mit 536 Punkten einsame Kreise. Bayern liegt mit 517 Punkten hinter Thüringen und Brandenburg auf Platz vier.

10. Aufklärungsquote von Verbrechen
Insgesamt steht Bayern in dieser Kategorie gut da. Allerdings hat sich die Aufklärungsquote zwischen 2008 und 2011 deutlich verringert, wie eine Auswertung der „Wirtschaftswoche“ im Jahr 2012 ergab. Mit einem Minus von 0,7 Prozent belegt Bayern nur Platz zwölf. Auf ähnliche Werte kommt auch das Statistische Bundesamt.

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11. Arbeitskosten
Laut „Wirtschaftswoche“ lagen die Arbeitskosten im Jahr 2011 bei durchschnittlich 38.346 Euro. Im Ländervergleich bedeutet das lediglich Platz zwölf.

12. Länderfinanzausgleich
Okay, es stimmt: Bayern hat insgesamt so viel in die Ausgleichstöpfe eingezahlt wie kein anderes Bundesland. Nimmt man aber die Zeitdauer, in der Bayern Geld aus dem Länderfinanzausgleich bekommen hat, ergibt sich ein anderes Bild. Über 37 Jahre war der Freistaat Empfängerland – allein von 1950 bis 1986 durchgehend. Nur fünf Länder hingen länger am Tropf: Bremen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Schleswig-Holstein.

13. Rechtspopulismus
Bei der bisher letzten bundesweiten Wahl, der Europawahl 2014, errang die AfD 7,1 Prozent. Nach einem populistischen Wahlkampf der CSU, in dem Seehofer und Parteikollegen Stimmung gegen „Bulgaren und Rumänen“ machten, erzielte die AfD in Bayern 8,1 Prozent. Nur in Sachsen, Brandenburg und Hessen war die AfD erfolgreicher.


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