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08/04/2015 16:06 CEST | Aktualisiert 14/04/2015 11:24 CEST

Das ist das Geheimnis, warum Google glücklichere Mitarbeiter hat

Thinkstock
Googles Firmensitz in Kalifornien

„Die meisten Leute nervt Arbeit, aber das muss nicht so sein.“

Dieser Satz kommt von Laszlo Bock. Er ist der Personalchef von Google. Er ist für über 50.000 Mitarbeiter in 70 Büros auf der ganzen Welt verantwortlich. Sein Buch „Work „Rules: Insights From Inside Google That Will Transform How You Live and Lead“ ist am Dienstag erschienen. Das Buch zeigt Wege auf, wie andere Firmen sich ein Vorbild an Google nehmen können.

Der Technologie-Riese ist dafür bekannt, seinen Mitarbeitern viel zu bieten - Annehmlichkeiten wie kostenlose Mahlzeiten und Snacks. Oder Roller, wie sie Google seinen Mitarbeitern im Eighth Avenue Office zur Verfügung stellt, um Leute schneller durch das mehrere Blocks umfassende Gebäude zu bringen.

Bock sprach mit der Huffington Post über Googles Führungs-Philosophie - und darüber, wie man es schafft, von der Firma eingestellt zu werden, die in Rankings immer wieder als einer der besten Arbeitgeber genannt wird.

Google kann Mitarbeiter gut behandeln und ihnen all diese Sachen bieten, weil Google eben Google ist. Was sind tolle Vorteile, die auch jede kleine Firma Ihren Mitarbeitern bieten kann?

Laszlo Bock: Das wird jetzt verrückt klingen - aber es ist: Mutterschutz. Wir gewähren fünf Monate und das bei voller Bezahlung: Gehalt, Boni, Aktienanteile. Wer mehr als 10 oder 20 Mitarbeiter hat, kann das machen. Früher haben wir zwölf Wochen Gehalt gezahlt und die Frauen, die zurückkamen, kündigten später doppelt so häufig wie Männer. Jetzt ist dieser Prozentsatz der gleiche wie bei den Männern. Wir haben außerdem ein ähnliches Programm für Vaterschaftsurlaub und gleichgeschlechtliche Eltern.

Oberflächlich betrachtet verliert man durch die neue Regelung zwei Monate der Arbeitskraft eines Mitarbeiters. Aber irgendjemand kann diese Lücke schon füllen. Es macht sich mehr als bezahlt, dass man dafür niemanden völlig Neues einstellen muss. Und es ist so: Die meisten Leute bekommen nicht so viele Babys. Dieses Prinzip kann jede Firma nachmachen.

Wie wirtschaftlich ist es, Angestellte gut zu behandeln?

Im Endeffekt schläft man nachts gut, wenn man die Leute so behandelt, wie man selbst gerne behandelt würde. Leute anzuschreien und straffes Management, das klappt nur bedingt. Bei vielem, was unsere Mitarbeiter tun, geht es um Einsatz, der in ihrem eigenen Ermessen liegt. Das erreicht man nur, wenn die Angestellten gerne arbeiten.

Unsere Mitarbeiterbindung ist unglaublich hoch. Und das, seit die Firma an die Börse gegangen ist.

Irgendwelche Tipps für Firmen wie McDonalds mit ihren Schichtarbeitern, bei denen es weniger um Einsatz nach eigenem Ermessen geht?

Ich kenne diese Firmen nicht, aber ich weiß, dass wenn man mit Leuten besser umgeht und ihnen Freiheiten lässt – kleine Freiheiten – dann werden sie tolle Dinge tun.

Je weniger sie davon jetzt gerade haben, desto weniger muss man ihnen bieten, um sie zu begeistern. Bei Google sind wir an einem Punkt angekommen, wo ich wirklich nicht weiß, was wir als nächstes tun könnten, um unsere Mitarbeiter noch zu begeistern.

Wenn du eine traditionelle Firma führst, ein Dienstleistungsunternehmen, dann kannst du eine Box für Vorschläge aufstellen. Und du kannst erklären, dass das Unternehmen am Ende des Monats 200 Dollar in die Umsetzung des besten Verbesserungsvorschlags investiert. Die Leute werden sagen: „Das ist toll. Niemand hat sich bisher dafür interessiert, was ich denke.“ Damit fängst du an.

Fragen Sie die Leute ständig, ob sie hier bei Google einen Job bekommen können?

Drei bis fünf Mal pro Woche. In letzter Zeit öfter. Heute waren es schon ein dutzend Leute.

Was wäre das eine Ausschlusskriterium, um hier einen Job zu bekommen?

Das lässt sich natürlich nicht pauschal sagen, aber einige einfache Sachen, wie Rechtschreibfehler im Lebenslauf. Es sei denn, es handelt sich um einen Nicht-Muttersprachler. Wenn sich ein Franzose in Frankreich bewirbt - mit Rechtschreibfehlern. Dann ist er raus. Wenn sich ein Brite in Frankreich bewirbt, auf Französisch, dann mache ich mir da keine großen Sorgen.

Früher haben wir manche Studienfächer kritisch beäugt. Es war wichtig, auf welche Schule ein Bewerber gegangen ist. Das machen wir inzwischen nicht mehr wirklich. Wir haben festgestellt, Leistung lässt sich damit nicht voraussagen. Wie du die Fragen im Vorstellungsgespräch meisterst, das sagt hingegen etwas über deine Leistung aus.

Können Sie mir eine Bewerber-Frage stellen?

„Nennen Sie mir ein Beispiel für ein intellektuell schwieriges Problem, das Sie gelöst haben.“ Ich würde dann die Frage aufschreiben, Ihre Antwort und meine Einschätzung. Der Bewerbungsausschuss kann erkennen, ob die Antwort eine ist, die Ihre Eignung beweist. Außerdem lernt er so auch etwas über mich als Fragesteller. So bekomme auch ich ein Feedback und werde besser. Und wir stellen bessere Leute ein.

kim ruocco

Laszlo Bock

Bei Google bekommt jeder die Möglichkeit seinen Vorgesetzten zu bewerten. Wie gehen Sie damit sensibel um?

Das ist sowohl großartig als auch erschreckend. Zwei Mal im Jahr gibt es bei uns Feedback-Fragebögen mit 10 bis 15 Fragen über den eigenen Chef. Die Führungskräfte können so sehen, wie groß der Prozentsatz der Mitarbeiter ist, die ihnen gegenüber in Bezug auf gewisse Fähigkeiten positiv, negativ oder neutral eingestellt sind. Es ist auch Platz für Kommentare, die dann an den Vorgesetzten oder den Chef des Vorgesetzten gehen.

Was den Angestellten die Angst vor dem Ganzen nimmt, ist die Tatsache, dass jeder die Möglichkeit hat, anonym zu bleiben. Sie können Dinge ansprechen und direkt sein. Auch der bewerteten Führungskraft muss es keine Angst machen: [Das Feedback] ist nicht direkt verbunden mit der Bezahlung oder einer Beförderung. Es dient nur der Entwicklung und ist nicht bedrohlich.

Und was sind Ihre Mängel?

Der Große: Nur 70 bis 80 Prozent meines Teams wissen genau, was ich von ihnen erwarte. In anderen Bereichen habe ich mich verbessert: in Sachen „inspirierender Führungsstil“, dem Treffen von guten Entscheidungen und darin, als Führungskraft andere miteinzubeziehen.

Was werden Sie dagegen tun?

Nun, ich werde besser werden! Ich werde daran arbeiten, mit meinem Team zu sprechen. Es ist gut zu wissen, dass ich nicht gefeuert werde, weil meine Bewertung niedrig ist. Es ist richtig, es einfach aus gutem Grund zu tun.

Würden Sie sagen, Google hat eine „Seele“? Und kommen da vielleicht einige dieser Werte bezüglich des Umgangs mit Mitarbeitern her?

Nein, Unternehmen sind keine Menschen. Sie haben keine Seelen. Sie sind unsterblich. Sie bestehen für immer. Aber Menschen haben Seelen. Firmen setzen sich aus Menschen zusammen. Manche Firmen merken das.

Dieser Text erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Matthias Gonser aus dem Englischen übersetzt.

Video: Ein Schloss aus Glas: So soll Googles neuer Mega-Firmensitz aussehen


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