Huffpost Germany

Boykott gegen "Bild"-Zeitung wegen Germanwings-Berichterstattung

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BOYKOTT BILD ZEITUNG
Kioske verbannen die "Bild" aus ihrem Sortiment | Post Rutesheim/ Facebook
Drucken

Der Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen stellte die Medienwelt in der vergangenen Woche vor eine schwierige Aufgabe. Es galt den Spagat zu schaffen - zwischen ausführlicher Berichterstattung auf der einen Seite und angemessener Zurückhaltung auf der anderen Seite.

Mehreren Medien wurde vorgeworfen, bei dieser Gratwanderung nicht genug Fingerspitzengefühl bewiesen zu haben. Gegen ein Blatt richtete sich dieser Vorwurf ganz besonders: die "Bild"-Zeitung.

Berichterstattung von "Bild" löst Boykott aus

Nachdem bekannt geworden war, dass der Copilot des Flugzeugs den Absturz vermeintlich absichtlich eingeleitet haben soll, veröffentlichte "Bild" das unverpixelte Foto und den vollen Namen des Mannes. Diese Vorgehensweise empfanden viele Menschen als "Hetzkampagne".

Ein Beitrag der "Bild"-Kolumne "Post von Wagner" löste gar solche Verärgerung aus, dass eine Online-Petition gegen den Kolumnisten gestartet wurde.

Bislang fand der Protest über 42.000 Unterstützer.

Auf Twitter riefen zahlreiche Nutzer zum Boykott der "Bild"-Zeitung auf:

Inzwischen geben immer mehr Verkaufsstellen bekannt, die "Bild" aus ihrem Sortiment verbannen zu wollen. Den Anfang machte eine Tankstelle in der Kleinstadt Bendorf in Rheinland Pfalz. Auf Facebook veröffentlichte sie diese Ankündigung:

Liebe Kunden, bei uns gibt es heute KEINE BildZeitung mehr! Wir unterstützen diese Hetzkampagne nicht!Wir hoffen auf Ihr Verständnis!

Posted by aral bendorf on Freitag, 27. März 2015

Der Facebook-Post der Aral-Bendorf erzielte bis zum jetzigen Zeitpunkt mehr als 100.000 Likes. Über die Kommentarfunktion wird der Entscheidung viel Lob zuteil. Mehrfach wird die Tankstelle als "vorBILDlich" bezeichnet.

Eine Nutzerin schreibt: "Es lebe die Courage und der gesunde Menschenverstand!!! Ich bin begeistert!!! Standhaft bleiben!!!" Kritik findet sich nur vereinzelt. Ein Nutzer mahnt sogar an, "Bild" habe bereits mehrere Anlässe für eine derartige Reaktion geliefert.

Der Boykott der "Bild"-Zeitung scheint einen Nerv getroffen zu haben. Kurz darauf schloss sich ein Kiosk in Baden-Württemberg der Aktion an:

Liebe Kunden! Nach (sehr) kurzer Rücksprache mit meinen beiden Auszubildenden und ein wenig Rechnen haben wir von der...

Posted by Post Rutesheim on Sonntag, 29. März 2015

Allerdings werden der Ankündigung der Post Rutesheim auf Facebook wesentlich kritischere Reaktionen zuteil. Ein Nutzer schreibt: "Pressefreiheit ist ein wichtiges Gut und steht im Grundgesetz. Wer dagegen wettert ist auch gegen Meinungsfreiheit und Demokratie. Erst denken dann schreiben!".

Eine andere Nutzerin wirft dem Kiosk vor, mit der Aktion Werbung in eigener Sache machen zu wollen. Dennoch weitet sich der Boykott aus. Laut "BILDblog" nahmen auch eine Tankstelle in Niedersachen und eine Edeka-Filiale die Zeitung aus ihrem Sortiment:

Die Erzeugnisse der Axel Springer AG, insbesondere die Bild-Zeitung (die meistgelesene und auflagenstärkste zeitungsä...

Posted by Taxi u. Minicar Seichter on Sonntag, 29. März 2015

Sehr geehrte Kundschaft,auch wir werden unprofessionellem Journalismus keine Plattform mehr geben und haben beschlossen...

Posted by Edeka Heymer on Montag, 30. März 2015

Es bleibt abzuwarten, wie viele Einzelhändler sich dem Boykott noch anschließen werden. Einzelfälle von Kioskbesitzern, die sich weigern die "Bild" zu verkaufen, gab es schon zu früheren Zeitpunkten.

Den Grund für die aktuell besonders große Ablehnung beschreibt der Blog "blastingnews" folgendermaßen: "Mit der inflationären Berichterstattung der Germanwings-Maschine in Südfrankreich, hat die "Bild" nach Meinung vieler Menschen eine Grenze zu viel überschritten. Wilde Spekulationen, Fotos der Toten, die Veröffentlichung der Identität des Piloten mit Nennung seines Heimatortes und die Aufzählung von Informationen von zweifelhafter Relevanz."

Video: Krankheit verschwiegen: Hausdurchsuchung des Co-Piloten bringt neue Details ans Licht

Video: Jüdische Zeitungen retuschieren Merkel aus Trauermarsch-Foto