7 Hinweise darauf, dass Jungen in Deutschland gegenüber Mädchen benachteiligt werden

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Jahrzehntelang gab es ein Bild, welches die Diskriminierung von Frauen im Bildungssystem deutlich machte: das des „katholischen Mädchens von Lande“. Tatsächlich wurden Mädchen und junge Frauen aus einer Vielzahl von Gründen in Schulen benachteiligt. Unter anderem wegen ihres Geschlechts, ihres Umfelds und durch kulturelle Prägungen.

Noch vor 30 Jahren bekamen viele junge Mädchen in Oberbayern, dem Münsterland und anderswo gesagt, dass sie ein Studium ja „nicht nötig hätten“. Auch deswegen werden Frauen im Bildungssystem seit langer Zeit gezielt gefördert. Ein richtiger Schritt zu mehr Bildungsgerechtigkeit, und ganz im Sinne der gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Interessen Deutschlands.

Und sicher ist der Kampf für mehr Chancengleichheit von Frauen im Beruf noch lange nicht zu Ende. Die bestehenden Lohnunterschiede für gleiche Arbeit zum Beispiel sind heute genauso wenig hinnehmbar wie es vor einer Generation noch die diskriminierenden Haltungen zu Bildungskarrieren von jungen Mädchen waren.

An den Schulen jedoch hat sich mittlerweile die Situation grundsätzlich geändert. Im Jahr 2014 waren 54,4 Prozent der Abiturientinnen weiblich, nur 45,6 Prozent männlich. Auch bei den Studienanfängern haben junge Frauen die Nase vorn. Spitze sind junge Männer vor allem bei den Schulabbrechern: Im Jahr 2010 beendeten acht Prozent der männlichen Jugendlichen die Schule ohne zumindest einen Hauptschulabschluss zu haben, aber nur fünf Prozent der weiblichen Jugendlichen.

Für diese Zahlen gibt es viele Gründe. Diskriminierung im Bildungssystem funktionierte schon zu Zeiten des „katholischen Mädchens vom Lande“ nicht ausschließlich über das Geschlecht. Eine am Mittwoch veröffentlichte Studie zeigt beispielsweise, wie wichtig der Bildungshintergrund der Eltern für den Schulerfolg ist. Und doch gibt es eine Reihe von Indizien dafür, dass Jungen es im Bildungssystem nicht einfach haben.

Die Huffington Post nennt Ihnen sieben Hinweise dafür, dass Jungen gegenüber Mädchen in Deutschland benachteiligt werden:

1. Jungen haben es schon in der Grundschule schwerer, gute Leistungen zu erzielen.

Zu diesem Ergebnis kam ein Bericht des Bundesbildungsministeriums im Jahr 2007. Grund dafür sei, dass die meist weiblichen Grundschullehrer das angepasstere Sozialverhalten von Mädchen mit in die Noten einfließen ließen.

Wissenschaftler wie der Amerikaner Edward Morris halten dagegen und sagen, dass auch männliches Dominanzverhalten zur schlechteren Benotung beitrage - gute Noten gelten manchmal als "uncool". Demnach wären Jungen an Schulen „Opfer der Evolution“.

Allerdings gibt es bisher keine eindeutige Antwort darauf, wie man „typisch männliches Verhalten“ für das Bildungssystem nutzbar machen kann, während jahrzehntelang dazu geforscht wurde, in welchem Rahmen Mädchen besser gefördert werden können.

2. Und weil das so ist, gelingt den Jungen weitaus seltener der Sprung aufs Gymnasium.

"Beim Übergang auf das Gymnasium müssen Jungen eine deutlich höhere Leistung erbringen. Der Weg in die Berufsausbildung ist für Jungen erschwert", sagte im Jahr 2009 der damalige Vorsitzende des „Aktionsrats Bildung“, Dieter Lenzen.

Außerdem hätten Jungen aufgrund der hohen Zahl an weiblichen Kita-Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen Probleme, eine männliche Identität herauszubilden, gab Lenzen zu bedenken. Das erschwere es Jungen, ihre Rolle im Schulalltag zu finden.

3. Der Anteil von Frauen im Grundschullehrerberuf steigt weiter an.

Schon in Jahr 2002 waren in Deutschland sechsmal mehr Grundschullehrerinnen (160.992) als Grundschullehrer (27.471) beschäftigt. Dieses Verhältnis hat sich weiter zugunsten der Frauen verändert. Laut dem aktuellen Bildungsbericht der Bundesregierung gibt es mittlerweile 170.563 Grundschullehrerinnen, und nur noch 22.911 Grundschullehrer.

Und das, obwohl die womöglich negative Wirkung dieser starken Überrepräsentation von Frauen in diesem Beruf auf die Bildungschancen von Jungen schon lange bekannt ist.

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4. Noch stärker wächst allerdings der Anteil von Frauen unter den Gymnasiallehrern.

Gab es im Jahr 2002 noch annähernd gleich viele Gymnasiallehrer (78.805) wie Gymnasiallehrerinnen (76.337), so waren 2012 schon 30 Prozent mehr Frauen (102.941) als Männer (76.407) in diesem Beruf tätig. Allerdings ist die Quote der vollbeschäftigten Gymnasiallehrer immer noch höher als die vollbeschäftigten Gymnasiallehrerinnen.

5. Trotz schlechterer Leistungen bekommen Mädchen die besseren Noten

Eine Studie der Vodafone-Stiftung kam im Jahr 2011 zu dem Schluss, dass Mädchen von ihren Lehrern und Lehrerinnen bessere Schulnoten bekommen (Schnitt bei der Untersuchungsgruppe: 2,58) als Jungen (2,67) – obwohl sie in einheitlichen Leitungstests schlechter abschnitten als ihre männlichen Mitschüler. Das Ergebnis der Studie deckt sich mit den Erkenntnissen der Bundesregierung von 2007.

6. Mädchen werden von ihren Eltern häufiger bei den Hausaufgaben unterstützt als Jungen.

Laut Bildungsbericht der Bundesregierung werden 53,6 Prozent der Jungen (5. Klasse) „immer“ oder „häufig“ von ihren Eltern bei den Hausaufgaben unterstützt. Bei den Mädchen sind es 56,9 Prozent. Der Anteil der Jungen, die nie Hilfe bei den Hausaufgaben bekommen (6,5 Prozent) ist dagegen mehr als doppelt so hoch wie der bei den Mädchen (2,9 Prozent).

Auch von Geschwistern und Freunden bekommen Mädchen deutlich häufiger Hilfe als Jungen. Das ist insofern bemerkenswert, als manche Wissenschaftler davon ausgehen, dass Mädchen auch deswegen bessere Noten bekommen, weil sie die Hausaufgaben zuverlässiger erledigten.

7. Es gibt immer mehr junge Männer ohne Jobs. Und immer weniger arbeitslose junge Frauen.

Nimmt man die Werte von 1995 als Referenz (die Zeit vor der Massenarbeitslosigkeit der späten Kohl-Ära), so ergibt sich ein deutliches Bild: Damals waren 8,3 Prozent der männlichen Deutschen zwischen 115 und 24 Jahren ohne Arbeit. Heute sind es 8,8 Prozent. Bei den weiblichen Deutschen in dieser Alterskohorte waren es 1995 insgesamt 8,0 Prozent, heute nur noch 7,4 Prozent.


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