WIRTSCHAFT
03/03/2015 13:22 CET | Aktualisiert 03/03/2015 14:33 CET

Jeder Zweite war bereits Opfer sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

thinkstock
In deutschen Büros ist sexuelle Belästigung Alltag

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz gehört zum Alltag in deutschen Büros. Anzügliche Witze, unsittliche Berührungen oder aufreizende Blicke. Am häufigsten müssen männliche Kollegen mit Zudringlichkeiten umgehen - und unternehmen in den meisten Fällen: nichts.

Jeder zweite Beschäftigte hat am Arbeitsplatz schon Erfahrungen mit sexueller Belästigung gemacht. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten repräsentativen Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hervor.

Danach ist fast jede fünfte Frau schon einmal gegen ihren Willen von Kollegen berührt worden. Auch zwölf Prozent der Männer berichteten von unerwünschter körperlicher Annäherung.

Als sexuelle Belästigung gelten aber auch anzügliche Bemerkungen oder das Zeigen von Nacktbildern. Immerhin 13 Prozent der Männer gaben an, Sprüche wie "Setz dich auf meinen Schoß" seien keine Belästigung. Das sahen auch acht Prozent der Frauen so.


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Die häufigste Form des Übergriffs ist verbaler Natur. Zum Beispiel zweideutige Kommentare oder unpassende Bemerkungen über das Aussehen. Männer erleben diese Art der sexuellen Belästigung öfter als Frauen, allerdings eher in schriftlicher Form.

Jede zehnte Frau gibt an, schon einmal eine ungebetene Umarmung - oder sogar einen Kuss bekommen zu haben. Diese Aufdringlichkeiten ereignen sich meist an den altbewährten Orten: Im Büro, bei der Weihnachts- oder Sommerfeier, in Fluren und Fahrstühlen.

Auch die Hierarchien, von denen die Belästigungen ausgehen wurden abgefragt. Interessant: Es ist meist nicht der Chef, der seine Position ausnutzt, sondern gleichrangige Kollegen.

65 Prozent der belästigten Frauen und mehr als 80 Prozent der Männer geben an, die Täter seien Mitarbeiter auf derselben Hierarchiestufe.

Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes will vor allem an verbesserten Hilfen für Betroffene arbeiten: "Betroffene sollten deshalb Hilfe in Anspruch nehmen – und Arbeitgeber müssen diese Hilfe auch anbieten."

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