POLITIK
03/03/2015 23:21 CET | Aktualisiert 04/03/2015 09:48 CET

„Putin wird in den Flammen untergehen"

Getty
Stürzt er Europa in einen neuen Krieg?

Vor rund einem Jahr annektierte der russische Präsident Wladimir Putin die Krim. Laut der russischen Politologin Lilija Schewzowa, die für den US-amerikanischen Think Tank Brookings Institution in Moskau und Washington arbeitet, ist der Herrscher in Moskau aber mit der Krise in der Ukraine auf dem Zenit seiner Macht angekommen. Von nun an geht es nur noch bergab.

Im Interview mit Focus Online sagte Schewzowa: "Wenn du den Kreml nicht rechtzeitig verlässt, begibst du dich in einen Todeskampf mit deiner eigenen Macht - und wirst letztendlich in den Flammen untergehen."

"Putin wäre politisch tot"

Der in Deutschland weit verbreiteten Meinung, Putin sei böse und kriegslüstern erteilte die Politologin aber eine Absage. "Putin ist nicht böse. Er ist zu einem großen Teil auch selbst ein Opfer. Ebenso wie viele aus seinem Umfeld ist er eine Geisel des alten Systems. Er ist nicht frei in seinen Entscheidungen, weil er innerhalb des bestehenden Systems keine andere Wahl hat."

Vor allem das Fehlen einer politischen Opposition macht Schewzowa für Putins Kurs verantwortlich. Da niemand es wage ihn zu kritisieren und er Gegner verfolge, sei Russland zu einer "Meinungswüste" geworden. Würde der Regent in Moskau aber jetzt auf einmal anfangen, politische Debatten zuzulassen, dann wäre er "politisch tot". Eine klassische politische Sackgasse von autokratischen Herrschern.

Dabei ist die Situation nicht nur für den Westen gefährlich. Auch Russland selbst steuere auf unsichere Zeiten zu, glaubt die Expertin.

"Früher oder später wird dieses anachronistische System im Kreml, das auf der Macht eines einzigen Mannes basiert, sterben. Es ist kein System des 21. Jahrhunderts. Wir beobachten bereits seinen Todeskampf – auch wenn wir nicht genau wissen, in welcher Stufe er sich befindet." Sogar zu einem Putsch könne es kommen.

Kritik an den Deutschen

Die vielfach russlandfreundliche Haltung der Deutschen kritisiert Schewzowa in dem Interview scharf. Die nachgiebige Haltung vieler Deutschen habe die Aggression aus dem Kreml erst ermöglicht. Die Politologin klagt: "Die Deutschen und auch andere Europäer haben in den 90er-Jahren den Moment verpasst, an dem sie kritisch und hart gegenüber Russland hätten sein müssen."

Damals hätten die Europäer erkennen müssen, dass es in Russland nicht um Demokratie gehe, sondern nur um den Export von Korruption – besonders nach Deutschland, Frankreich, England und in die Niederlande.

Auch zur Ermordung des Oppositionspolitikers Boris Nemzow äußert sich Schewzowa. Sie hofft zwar, dass der Mord die Menschen in Russland wachrüttele. "Aber ob seine Ermordung etwas verändern wird, weiß ich nicht."

Auf die Frage, ob sie sich eine direkte militärische Konfrontation mit dem Westen vorstellen könne, antwortet die Politologin: "Wir können nichts mehr ausschließen, weil es keine Spielregeln mehr gibt. Wir haben eine abweichende Welt betreten und Europa muss das verstehen."

Hier geht es zurück zur Startseite

Sie haben auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn Sie die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollen, schicken Sie Ihre Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Video: Putins perfide Propaganda in fünf Zitaten

Video: Putins Kindersoldaten: Hier wird V

aterlandsliebe mit der Waffe trainiert