POLITIK
04/03/2015 05:07 CET

Bernd Lucke: Eiskalt sichert er sich die Alleinherrschaft über die AfD

Getty
Parteimitglieder sagen, dass Bernd Lucke ohne jede Empathie sein Macht sichere

Es war schon spät in der Nacht, als Georg Pazderski von Bernd Lucke am Telefon mitgeteilt bekam, dass er schon bald nicht mehr Geschäftsführer der AfD sein wird.

Im Sommer soll Schluss sein: Die AfD-Spitze will den Vertrag ihres Geschäftsführers zum 30. Juni 2015 auflösen.

Es ist eine Personalie, die ein Schlaglicht nicht nur auf einen internen Konflikt in der Partei der Euro-Kritiker wirft, sondern auch auf die Persönlichkeit Bernd Luckes: Eiskalt, fast roboterhaft, sichert er sich die Macht und wirft Kritiker aus dem Rennen.

Neue Machtstruktur in der Partei

Pazderski galt in der Partei als beliebt, er war professionell und erfahren - aber er war im Weg. Sein Ausscheiden bringt Lucke seinem Ziel näher: Seine nationalkonservativen Kritiker um Alexander Gauland entmachten und die Alleinherrschaft zu erlangen. Der Geschäftsführer hatte das zweitmächtigste Amt in der Partei inne und galt als Vertrauter der Lucke-Kritiker Gauland und Petry.

Offiziell gelten Kosten als der Grund für das Ende von Pazderskis Vertrag: Die Partei könne sich nicht zwei hochbezahlte Führungsämter leisten, sagte ein Pressesprecher der "Welt".

Das gilt als Vorwand, denn die AfD steht finanziell gut da und setzt mit ihren Goldgeschäften Millionen um.

Vielmehr ist Pazderskis Abgang ein wichtiger Schritt zu Umsetzung der neuen Machtstruktur, die Lucke auf dem Parteitag in Bremen Ende Januar durchgesetzt hatte.

Diese sieht vor, dass auf einem weiteren AfD-Parteitag im Juni zunächst eine Doppelspitze gewählt wird. Im Dezember soll der Gewählte mit den meisten Stimmen automatisch alleiniger Parteichef werden.

Ihm zur Seite soll ein Generalsekretär gestellt werden, der die AfD professioneller gestalten soll. Lucke hat schon sehr konkrete Vorstellungen von diesem Amt. "Er muss so etwas sein wie die rechte Hand des Bundesvorsitzenden", hatte er in Bremen gesagt. Lucke kann davon ausgehen, dass er das Vorschlagsrecht für dieses neue Amt bekommen wird. Sein Vertrauter Gustav Greve ist bereits im Gespräch, der zurzeit noch den Arbeitskreis Europa im AfD-Bundesvorstand leitet.

"Lucke fehlt jede Empathie"

"Was einen noch mehr schockiert als der Rausschmiss selbst, ist die Kälte, mit der Lucke solche Entscheidungen exekutiert", sagte eine unbekannte Quelle aus der Parteispitze der "Welt". Lucke fehle jedes Mitgefühl für seine Mitmenschen. Pazderski "habe sich immer vor seine Mitarbeiter gestellt", heißt es in der AfD-Spitze.

Dort erinnert man sich auch an ein weiteres Beispiel für Luckes Gefühlskälte: Ein Mitarbeiter habe ihm angeboten, ihn zum Bahnhof zu bringen, da Lucke es eilig hatte. Lucke nahm dieses freundliche Angebot an - nur um ihm während der Fahrt mitzuteilen, dass seine Stelle bald ausgeschrieben wird.

Sein Mangel an Empathie scheint ihm jedoch bei nur nützlich zu sein. Es ist abzusehen, wer im Dezember dieser "alleinige Parteichef" sein wird: Bernd Lucke.

Sie haben auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn Sie die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollen, schicken Sie Ihre Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite

Video: Erfolgreich und merkwürdig: Die fünf skurrilsten Thesen der AfD-Politiker

Gesponsert von Knappschaft