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02/03/2015 19:58 CET | Aktualisiert 03/03/2015 07:54 CET

Warum Antidepressiva in Wahrheit unglücklich machen

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Warum Antidepressiva in Wahrheit unglücklich machen

Depressionen gehören zu den schlimmsten psychischen Krankheiten und sie betreffen Millionen Menschen auf der ganzen Welt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht von 350 Millionen Betroffenen aus. In Deutschland gibt es etwa vier Millionen Patienten, die unter Depressionen leiden.

Die meisten von ihnen werden mit Antidepressiva behandelt. Dabei ist der Ruf der Arzneimittel durchwachsen. Ein amerikanischer Psychologe will dafür jetzt den Grund gefunden haben: Antidepressiva machen unglücklich.

Studie stellt 50 Jahre Forschung in Frage

Eine kontrovers diskutierte neue Studie des Psychologen Paul Andrews von der McMaster University in Ohio zeigt jetzt, dass die unzulängliche Wirkung der Medikation damit zusammenhängen könnte, dass das Verständnis von der Krankheit immer falsch war.

Laut der Stiftung Deutsche Depressionshilfe beeinflussen Antidepressiva die Botenstoffe im Gehirn. Man geht davon aus, dass Depressionen durch ein geringes Serotonin-Level ausgelöst werden. Serotonin ist ein Neurotransmitter im zentralen und peripheren Nervensystem, der Auswirkungen auf unsere Stimmung hat.

Antidepressiva sind so entwickelt, dass sie eben diese Ungleichheit unter den Neurotransmittern wie Serotonin ausgleichen. Sie sorgen dafür, dass die Hormone länger am Wirkort bleiben, verhindern den Abbau oder fördern eine vermehrte Ausschüttung.

Paul Andrews argumentiert nun allerdings, dass Depressionen durch einen Serotonin-Überschuss entstehen. Und das dieses fundamentale Missverständnis der Krankheit wahrscheinlich für die ineffiziente Behandlungsform verantwortlich sei.

"Wir wissen nicht, wie Serotonin im Menschen genau funktioniert"

Das moderne Antidepressivum SSRI ist ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Es hemmt in erster Linie die Wiederaufnahme des Neurotransmitters in seine Speicher und erhöht so die Konzentration von Serotoninen.


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Und genau hier liegt nach Andrews das Problem: Tierversuche legen nahe, dass Serotonin genau die gegenteilige Wirkung erzeugt, wie bislang angenommen. Es macht nicht glücklich, sondern unglücklich.

"Wir haben 15 verschiedene Arten von Depressionen untersucht, die für die neurowissenschaftliche Forschung relevant sind. Von diesen 15, stimmten 13 mit der Theorie eines erhöhten Serotonin-Levels überein", sagt Andrews im Interview mit der Huffington Post. "Das spricht für unsere Theorie."

"Es gab schon seit einer Weile Probleme mit der Serotonin-Mangel-Theorie"

Wenn nun Antidepressiva das Serotonin-Level anheben und der Erkrankte ein Stimmungstief durchlebt, verstärkt das Medikament sogar die negativen Auswirkungen einer Depression.

In manchen Fällen kann die Behandlung mit SSRIs die Symptome verringern, aber das kommt trotz der Medikation zustande, nicht durch sie.

Natürlich helfen Antidepressiva vielen Menschen, die an einer Depression leiden. Aber die Studie zeigt, dass es noch große Wissenslücken gibt, was Ursache, Behandlung und Medikation von Depressionen angeht.

Kombination aus medikamentöser Behandlung und Psychotherapie

Andrews betont außerdem, dass eine gute Behandlung immer aus zwei Komponenten bestehe: Einer Kombination aus pharmazeutischer- und psychologischer Therapie.

Der Psychologe geht davon aus, dass der Ansatz der medikamentösen Therapie im Bereich der Depressionen stark zurückgehen wird: "Antidepressiva helfen nur über einen bestimmten Zeitraum hinweg. Die Zukunft gehört der Psychotherapie."

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