Was alle an ADHS falsch verstehen

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5 Mythen über ADHS | Thinkstock
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Trotz zunehmender ADHS-Diagnosen ist diese Krankheit doch immer noch sehr vorurteilsbehaftet. Erwachsene, die an ADHS leiden, (oder auch Eltern, bei deren Kindern ADHS diagnostiziert wurde) werden oft selbst für die Krankheit verantwortlich gemacht. Als wäre der Umgang mit der Krankheit und dem breiten Feld ihrer Symptome, dazu gehören z.B. Konzentrationsschwierigkeiten; Schwierigkeiten, Informationen zu verarbeiten; Ungeduld und Zappeligkeit, nicht schon schwer genug für die Betroffenen.

Jedes Jahr erkranken mehr als 4% der Amerikaner über 18 Jahren an ADHS. Erwachsene, die arbeiten und ein erfüllendes, erfolgreiches Leben führen – inmitten von Menschen, die der Meinung sind, mit ADHS wäre dieses nicht möglich. Die folgenden Dinge sollten wir alle über ADHS wissen.

Mythos: ADHS ist keine richtige Krankheit.
Tatsache: Kritiker machen sich eine Vielzahl von Argumente zu Nutze, um ADHS als Krankheit zu diskreditieren. Sie machen die Eltern zu Sündenböcken, werfen ihnen vor, dass ihre schlechte Erziehung Schuld sei an ihren unruhigen Kindern. Die Pharmaindustrie habe die Krankheit nur aus Profitgründen „erfunden“ und Schüler suchten lediglich nach etwas, um sich im Klassenzimmer einen unfairen „Vorteil“ zu verschaffen.

Es gibt sogar eine Theorie, laut der ADHS nur das Resultat einer Gesellschaft sei, die zunehmend „intolerant gegenüber kindlicher Verspieltheit wird“. Aber ADHS ist eine ernstzunehmende Krankheit, anerkannt durch die National Institutes of Health, Nationale Gesundheitsinstitute der Vereinigten Staaten, einer Behörde im Gesundheitsministeriums der USA und den U.S. Surgeon General, dem operativen Leiter des United States Public Health Service, einer Behörde im Gesundheitsministerium der Vereinigten Staaten sowie einer Vielzahl anderer Spezialisten des Gesundheitswesens.

Mehr noch, es gibt sogar Beweise, gewonnen aus Studien mit Zwillingen, die eine genetische Veranlagung für die Krankheit unterstützen. Ein Siegel der Rechtmäßigkeit.

Mythos: Zu viel Zucker kann ADHS auslösen.
Tatsache: Es gibt kaum Beweise, die eine Verbindung zwischen Zuckerkonsum und Hyperaktivität oder ADHS stützen, auch wenn viele Eltern noch immer an den sogenannten Zucker-Rausch glauben. Auch gibt es kaum Beweise dafür, dass Zucker die Symptome von ADHS verschlimmert oder hervorruft.

Interessant ist jedoch vielmehr, dass Eltern durch den Zucker-Konsum ihrer Kinder beeinflusst werden: Eine Studie fand heraus, dass Mütter, die glaubten, ihre Kinder würden zuckerhaltige Getränke zu sich nehmen, das Verhalten ihrer Kinder als stärker hyperaktiv bewerteten, ihre Kinder stärker kritisierten und sie besonders im Auge behielten, so die BBC.

Vorläufige Untersuchungen deuten an, dass bestimmte Nahrungszusätze mit ADHS in Verbindung gebracht werden können, aber die Ergebnisse sind nicht eindeutig, so die FDA, die Food and Drug Administration, die behördliche Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelzulassungsbehörde der USA. Weitere und bessere Untersuchungen und Forschung sind notwendig, um diese Annahmen zu belegen und zu verstehen.

Mythos: Nur Kinder erkranken an ADHS.
Tatsache: Das Durchschnittsalter für den Ausbruch der Krankheit ist 7 Jahre, so das National Institute of Mental Health, einem US-amerikanischen Forschungszentrum für psychische Störungen. Aber auch zu einem späteren Zeitpunkt können Symptome von ADHS auftreten. Tatsächlich zeigen sich die Symptome bei 70% der Betroffenen erst im Teenageralter, und bei 50% treten Symptome erst im Erwachsenenalter auf, so WebMD.

Mythos: ADHD tritt häufiger bei Jungen und Männern auf, als bei Mädchen und Frauen.
Tatsache: Dem National Institute of Health zufolge ist das Risiko, an ADHS zu erkranken, „für Jungs viermal höher als für Mädchen“. Forschungen aber deuten an, dass kulturelle und gesellschaftliche Vorurteile hier mit hineinspielen. Einige Studien weisen darauf hin, dass ADHS viel mehr „intern“ als „extern“ bei Mädchen auftritt. Mädchen zeigen das, was wir als Hyperaktivität bezeichnen, nicht auf die gleiche Art und Weise wie Jungen.

Mädchen mit ADHS tendieren eher dazu, an affektiven Störungen zu leiden, einen niedrigeren IQ zu haben und sozial auffällig zu sein, während Jungen öfter in der Schule als störend auffallen und sie so häufiger für einen Verweis auf die Krankheit herangezogen werden und ADHS häufiger diagnostiziert wird, so das ADHS National Resource Centre. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei ADHS müssen jedoch noch weiter erforscht werden, um sie wirklich zu verstehen.

Mythos: Erwachsene mit ADHS werden Schwierigkeiten haben, das Studium abzuschließen und Erfolg im Beruf zu haben
Tatsache: Es gibt absolut keine Beweise dafür, dass ADHS Einfluss auf die Intelligenz oder den Antrieb eines Menschen hat, wie so erfolgreiche Beispiele wie Adam Levine, Michael Phelps und Solange Knowles beweisen. Erwachsene mit ADHS können kreativ, zielstrebig und erfolgreich sein.

Einigen Menschen fällt das Leben mit ADHS vielleicht leichter, wenn sie auf Medikamente zurückgreifen können, und wieder andere entwickeln Bewältigungsmechanismen und Fähigkeiten, die ihnen helfen, mit der Krankheit umzugehen und ihre Ziele zu erreichen. „Das Leben mit ADHS ist nicht unmöglich“, so schrieb Karen Ann Kennedy kürzlich in einem Blogeintrag der Huffington Post über ihr Leben mit ADHS, „aber man muss sorgfältig planen um die Krankheit in Schach zu halten“.

Dieser Artikel ist ursprünglich in der Huffington Post USA erschienen und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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