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ARD und ZDF: Diese Entscheidung zeigt, wie absurd die Rundfunkgebühr ist

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Sind es ARD und ZDF noch wert, dass Millionen Deutsche den Rundfunkbeitrag zahlen müssen? Immer mehr Experten bezweifeln das.

Führende Köpfe beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk haben ganz andere Probleme. Sie quengeln. Denn selbst die milliardenschwere Rundfunkgebühr reicht ihnen nicht, um ihre Kosten zu decken. Sie wollen mehr Geld.

Das klingt absurd, da ARD und ZDF zum einen die Zuschauer davon laufen. Und zum anderen liefern sie viele Programminhalte, die niemand sehen will. Und dafür soll der Zuschauer zahlen?

WDR will Programm „deutlich reduzieren"

In einem aktuelle Interview mit dem Portal „medienpolitik.net" klagte WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn: „Wir haben eine Grenze erreicht. Was wir im Moment tun, können wir uns nur mit Mühe leisten. Wir haben am Markt fast keine Möglichkeit Geld zu erwirtschaften.“

Während sich private Sender durch Werbung finanzieren, sind die Öffentlich-Rechtlichen fast ausschließlich auf den Rundfunkbeitrag angewiesen. Auf diese Weise fließen pro Jahr sieben Milliarden in die Kassen von ARD, ZDF und Deutschlandradio.

Für den WDR offenbar nicht genug. Der Sender will sparen - an allem, auch am Programm. „Wir werden unser Programm sichtbar reduzieren müssen. Das heißt weniger neue Sendungen produzieren. Letztendlich bedeutet das, dass wir auch mehr wiederholen“, sagte Schönenborn.

Mit anderen Worten: Der Fernsehzuschauer soll seine Gebühren für wiederverwertete Inhalte zahlen. Mit dieser Zukunftsstrategie kapituliert die größte Landesrundfunkanstalt innerhalb der ARD vor ihrer eigenen Struktur.

Liefern ARD und ZDF noch genügend Qualität?

Bislang hatten sich die Öffentlich-Rechtlichen immer darauf berufen, Information und Qualität im Rundfunk zu sichern. Hieraus leiteten ARD und ZDF stets eine Berechtigung für den Rundfunkbeitrag ab.

Mit den Jahren sind die Verwaltungskosten innerhalb des öffentlich-rechtlichen Systems aber derart in die Höhe geschossen, dass führende Köpfe wie WDR-Intendant Tom Buhrow inzwischen deutlich für eine Entschlankung der Sender eintreten.

Das klingt zunächst gut. Wenn wirklich überflüssige Inhalte aus Fernsehen und Radio verbannt würden, hätten Zuschauer und Hörer endlich wieder eine interessantere Auswahl. Doch nach normalem Menschenverstand müsste weniger Programm auch weniger Kosten bedeuten - oder?

Experten halten den derzeitigen Rundfunkbeitrag jedenfalls für völlig unverhältnismäßig. Berater des Bundesfinanzministers plädieren offen für eine Abkehr von der Gebühr in ihrer jetzigen Form.

„Rundfunkfinanzierung stammt aus der analogen Zeit"

Einige Insider aus der Medienbranche vertreten den gleichen Standpunkt. Journalist und Buchautor Hans-Peter Siebenhaar (“Die Nimmersatten”) kritisierte zuletzt in der Huffington Post:

“Das jetzige Rundfunkfinanzierungssystem stammt aus der analogen Zeit. Es kann nicht angehen, Bürger in ein Zwangssystem zu stecken, bei dem sie für alles zahlen müssen und tatsächlich nur einen Bruchteil sehen.”

Was Siebenhaar meint: Viele Zuschauer wenden sich von den öffentlich-rechtlichen Sendern ab. Jugendliche nutzen anstatt stationärem Fernsehen digitale Angebote oder Streaming-Dienste.

Bereits 2009 stellten die Autoren Mike Friedrichsen und Wolfgang Mühl-Benninghaus in ihrem Beitrag für das Buch „Sind ARD und ZDF noch zu retten? Tabuzonen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk" fest: Unter 40-Jährige meiden überwiegend öffentlich-rechtliche Programme.

ARD und ZDF verlieren Stamm-Zuschauer

Ausgerechnet bei der Zielgruppe der 35- bis 55-Jährigen, die WDR-Mann Schönenborn unbedingt für sich gewinnen will, gibt es seit längerem schmerzhafte Einbußen. Nicht nur beim WDR, sondern insgesamt bei ARD und ZDF. „Wir haben sie in den letzten Jahren leider verloren“, bekannte Schönenborn.

Ein Zustand, zu dem es die Macher der Öffentlichen-Rechtlichen durch die ausufernde interne Kostenstruktur und ein zunehmend unattraktives Programm selbst haben kommen lassen.

Das verkennt Jörg Schönenborn aber offenbar. Denn die Schuld für die nötig gewordene Verschlankungskur sucht er nicht bei sich und seinen Kollegen, sondern bei den Zuschauern.

Die Gesellschaft habe die Entscheidung zur Programmreduzierung getroffen, sagte der WDR-Mann „medienpolitik.net“. „Man kann kein großes System über zwölf Jahre mit dem gleichen Geld versorgen und glauben, es könnte weiterhin das Gleiche leisten.“

WDR will „besseren Mix aus Information und fiktionaler Unterhaltung“

Medienexperte Hans-Peter Siebenhaar ist anderer Meinung: „Anspruchsvolle Information und Unterhaltung lässt sich auch mit sehr viel weniger Geld machen.”

Zumindest einen Teil davon, will Jörg Schönenborn umsetzen. Sein Ziel sei es, „einen besseren Mix aus Information und fiktionaler Unterhaltung“ zu bieten, sagte er in dem Interview. Ein Zusatz, der in diesem Zusammenhang wichtig ist: Mit weniger Vielfalt und zu gleichen Gebühren wie bislang.

Ob das die Zukunft der öffentlich-rechtlichen Sender sein kann, erscheint fraglich.

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