WIRTSCHAFT
10/01/2015 16:30 CET | Aktualisiert 10/01/2015 20:17 CET

Tom Buhrow: „ARD und ZDF haben sich seit Jahren in die Tasche gelogen"

Herby Sachs/WDR

WDR-Intendant Tom Buhrow möchte die öffentlich-rechtliche Anstalt gesund verkleinern, sein Konzept des „sinnvollen Schrumpfens" werde bereits umgesetzt. Wie das aussieht und warum sich ARD und ZDF „seit Jahrzehnten in die Tasche gelogen haben", erzählte er dem "Focus".

Im Interview mit dem Nachrichtenmagazins sagte er: „Dieses Sich-selbst-in-die-Tasche-Lügen, das will ich nicht mehr.“ Das hätten ARD und ZDF „seit Jahrzehnten gemacht und immer mehr Aufgaben übernommen, ohne neue Leute einzustellen“.

Sein Konzept des sinnvollen Schrumpfens werde bereits umgesetzt. „Das Bitterste bislang“ seien die Einschnitte bei der „Lokalzeit“, dem laut Buhrow „populärsten, aktuellen Informationsprogramm im WDR Fernsehen“.

Das sendet seit Ende Dezember nur noch montags bis freitags jeweils eine eigene Sendung aus elf NRW-Regionen, am Wochenende nur noch eine gemeinsame Sendung. „Einen Teil des eingesparten Geldes investieren wir in die ‚Lokalzeiten’ unter der Woche, um diese noch attraktiver zu machen“, so Buhrow.

„Ich setzte darauf, den WDR zu reformieren und zu verkleinern“

Auf die Frage, ob der öffentlich-rechtlichen Rundfunk insgesamt mit Blick auf zwei Vollprogramme, sieben Dritte und über 60 Radioprogramme „sinnvoll schrumpfen“ solle, sagte Buhrow: „Wer eine solche Debatte über eine Radikalreform wirklich führen will, der muss das dann aber auch bitte sehr ehrlich tun – und die fatalen Folgen, beispielsweise für renommierte Kulturprogramme, klar und deutlich benennen.“

Er sehe nicht, dass „die Menschen eine Radikalreform wollen“. Buhrow sagte: „Ich setzte darauf, den WDR zu reformieren und zu verkleinern“.

Zur Kritik an der Expansion der öffentlich-rechtlichen Sender im Internet sagte Buhrow: „Wir müssen dahin gehen, wo die Leute uns nutzen – dafür bezahlen sie uns doch auch!“ Durch die digitale Revolution sei „der Frieden zwischen Verlegern und Öffentlich-Rechtlichen gebrochen. Wir haben ständig schlechte Presse“, beklagte der Intendant. Er glaube, man werde „die Art und Weise, wie wir in der Zukunft öffentlich-rechtliche Inhalte konsumieren, nicht mehr wiedererkennen“. Die Sender könnten den Verbreitungsweg Internet nicht ausschließen, „auch wenn es sich nicht mehr um Broadcasting im eigentlichen Sinn handelt“.

„Viele meiner Kollegen haben in Russland studiert und leben dort“

Die Kritik an der Ukraine-Berichterstattung der ARD hat Buhrow entschieden zurückgewiesen. Zum "Focus" sagte er, er könne die Herkunft der Beschwerden nicht beurteilen. „Auffällig ist, dass es eine Zunahme von professionell formulierten und juristisch versierten Programmbeschwerden speziell zur Ukraine gibt“, so Buhrow.

„Ich akzeptiere die kritische Beobachtung der Berichterstattung, und wir prüfen jeden Vorwurf selbstkritisch“, sagte Buhrow weiter. „Was ich aber in aller Form zurückweise, ist der Vorwurf der Einseitigkeit und der Voreingenommenheit.“

Die Berichterstattung zur Ukraine-Krise verantwortet das vom WDR betriebene ARD-Studio Moskau. „Viele meiner Kollegen haben in Russland studiert und leben dort. Zum Teil haben sie russische Ehepartner – wie unser Studioleiter in Moskau, Udo Lielischkies“, sagte Buhrow. Die Ukraine-Reporterin Golineh Atai sei gerade zur Journalistin des Jahres gewählt worden. „Von einer unabhängigen Jury – das sagt doch alles“, so Buhrow.

maboh

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