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8 Erfindungen, die wir Muslimen zu verdanken haben

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Wenn am Montagabend wieder Tausende "patriotische Europäer" in Dresden gegen die "Islamisierung des Abendlandes" auf die Straße gehen, dann steckt dahinter nicht nur Ressentiment und Angst, sondern auch Unwissen.

Zum Glück ist unser mitteleuropäischer Kulturkreis schon vor Jahrhunderten in den Genuss von islamischen Einflüssen gekommen.

Rückt ein Redner am Montagabend in Dresden seine Brille zurecht, dann hat er eine arabische Erfindung in den Fingern. Spielt wieder ein einsamer Barde rechte Protestsongs, dann vielleicht auf einem ursprünglich arabischen Instrument - der Gitarre. Und auf den Transparenten werden die angeblichen Zahlen des Schreckens in arabischen Ziffern geschrieben sein.

Die Huffington Post nennt Ihnen acht Dinge, die wir den großen muslimischen Zivilisationen zu verdanken haben.

1. Das Ziffernsystem

Man sagt, die Deutschen seien ein Volk der Ingenieure. Doch was wären Ingenieure ohne Zahlen? Unser heutiges Ziffernsystem von 1 bis 9 geht auf das „Haus des Wissens“ in Bagdad zurück. Dort ist es vermutlich im neunten Jahrhundert nach Christus entstanden.

Nach Europa kamen die Zahlen spätestens im zwölften Jahrhundert, als der Brite Robert of Chester die Schriften des Gelehrten Al-Chwarismi übersetzte. Al-Chwarismi gilt übrigens als Namensgeber des Algorithmus und Entwickler der modernen der Algebra. Noch so eine Erfindung aus der muslimischen Welt.

2. Die Zahnbürste

Der Islam war die erste Weltreligion, in der auf Körperhygiene größten Wert gelegt wurde. Im Koran etwa gibt es Anweisungen für rituelle Waschungen. Kaum verwunderlich, dass auch die Zahnpflege mit dem Islam populär wurde. Zwar sollen schon die Ägypter auf Zweigen des „Zahnbürstenbaums“ gekaut haben.

Einem breiten Publikum wurden die „Miswak“ genannten Zweige jedoch erst bekannt, als der Prophet Mohammed sie regelmäßig zur Mundhygiene nutzte. Im Koran findet sich zwar kein Hinweis auf die Miswak-Zeige, wohl aber in vielen Schriften von muslimischen Gelehrten.

3. Marschkapellen

Die militärischen Marschkapellen gehen auf die osmanischen Mehterhane zurück. Dabei handelte es sich um Musikgruppen, die während der gesamten Schlacht spielten und erst beim Rückzug oder zum Ende der Schlacht schwiegen.

Sie sollen zur Zeit der Türkenkriege auf die europäischen Soldaten einen großen Eindruck gemacht haben – woraufhin sie das Prinzip für sich adaptierten.

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4. Die Gitarre

Die Gitarre, so wie wir sie heute kennen, stammt von der arabischen Oud ab, einer Laute mit abgeknicktem Hals. Sie fand im Mittelalter den Weg ins damals muslimische Südspanien, wo sie im andalusischen Arabisch „qitara“ genannt wurde.

Ein Musiklehrer soll sie angeblich im neunten Jahrhundert an den Hof des Umayyaden-Herrschers Abdel Rahman II. gebracht haben. Die moderne Gitarre entwickelte sich zwar aus vielerlei Einflüssen, die arabische Laute gilt aber als ihre wichtigste Vorgängerin.

5. Lupe/Brille

Nicht nur die Mathematik wurde in der arabischen Welt revolutioniert, sondern auch die Optik. Der aus Basra stammende Gelehrte Alhazen (Abu al-Hasan) war der erste, der die Funktionsweise des Auges erfasste.

Er führte Experimente mit reflektierenden Materialien durch und wies nach, dass das Auge die Umgebung nicht mit „Sehstrahlen“ abtastet, so wie es Wissenschaftler bis dahin geglaubt haben. Außerdem entdeckte er, dass gewölbte Glasoberflächen zur Vergrößerung von Dingen dienen können.

Seine „Lesesteine“ aus Glas waren die ersten Lupen. Daraus entwickelte sich später die Brille. Darüber hinaus verfasste Alhazen wichtige wissenschaftliche Texte zur Astronomie und zur Meteorologie.

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6. Kaffee

Der wohl bekannteste Exportartikel aus der muslimischen Welt ist Kaffee. Ursprünglich stammte Kaffee zwar aus Äthiopien, fand aber rasch den Weg über das Rote Meer auf die arabische Halbinsel und wurde dort populär.

Ein osmanischer Kaufmann soll den Bohnentrank im 17. Jahrhundert nach London gebracht haben. In Venedig gab es schon 1645 das erste Kaffeehaus, nach dem Rückzug der Türken 1683 aus Österreich wurde das Getränk auch in Deutschland populär. Der Legende nach sollen die Soldaten des Sultans säckeweise Kaffee zurückgelassen haben.

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7. Krankenhäuser

Das erste moderne Krankenhaus mit Pflegern und einem Ausbildungsbetrieb stand in Kairo. Im Ahmed Ibn Tulun-Krankenhaus (benannt nach dem Begründer der Tuluniden-Dynastie), das im Jahr 872 gegründet wurde, erhielten alle Patienten eine kostenlose Krankenversorgung – eine muslimische Tradition, die durch die Erfindung des Krankenhauses institutionalisiert wurde.

Etwas einfachere Krankenhäuser gab es zuvor schon in Bagdad. Aber das Kairoer Modell stand später Pate für Hospitäler rund um den Globus.

8. Chirurgie

Der in Andalusien geborene Arzt Albucasis (Abu al-Kasim) gilt als einer der bedeutendsten Mediziner des Mittelalters. In einem mehr als 30 Bände umfassenden Gesamtwerk beschrieb der arabische Wissenschaftler schon im zehnten Jahrhundert, wie wichtig eine positive Patient-Arzt-Beziehung ist und plädierte für eine klassenlose medizinische Behandlung, die für alle Menschen gleich ist.

Ferner erfand er Methoden zur chirurgischen Behandlung von Erkrankungen der Harnröhre, des Ohrs und der Speiseröhre und beschrieb als erster eine Eileiterschwangerschaft. Sein Einfluss war derart groß, dass er noch im 16. Jahrhundert von bedeutenden europäischen Medizinern zitiert wurde. Seine Ideen prägten die moderne Chirurgie.

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