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"Lügenpresse": So schürt Pegida den Hass auf die Medien

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PEGIDA
dpa
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Sie skandieren "Wir sind das Volk!", sorgen sich um die Zukunft Deutschlands - und beschimpfen Teile der Medien als "Lügenpresse": Viele Pegida-Anhänger stört offenbar nicht nur die vermeintliche Islamisierung des Abendlandes, sondern auch das, was Journalisten dieser Tage über ihre Bewegung schreiben.

Während es bei den Demonstrationen in Dresden anfangs nur um Salafisten ging, ist jetzt praktisch jeder im Visier der Pegida-Anhänger: Muslime, Ausländer, Flüchtlinge - und die Medien. Besonders erschreckend dabei sind die Berichte über das, was Journalisten in den vergangenen Wochen widerfahren ist.

"Verpiss dich, du Judenschwein!"

Die "FAZ" berichtete kürzlich von Journalisten, die auf Pegida-Demos bedroht und angefeindet wurden. „Verpiss dich, du Judenschwein, sonst machen wir dich platt“, sei zu hören gewesen, und weiter: „Wenn sich die Sache hier dreht, seid ihr die ersten, die dran glauben müssen“. Die Zeitung schreibt zudem von Hass-Mails, in denen Leser damit drohen, den Autoren "ISIS-mäßig die Kehle durchzuschneiden".

Die Strategie: Wer kritisch über Rechtsextremismus und dessen Auswüchse berichtet, wird an den Pranger gestellt - mitunter in aller Öffentlichkeit. Kürzlich wurde ein Redakteur der "Sächsischen Zeitung" bei einer Pegida-Demo namentlich genannt, um direkt gegen ihn zu hetzen.

Unbekannte zünden Auto eines Fotografen an

In Dortmund warfen Unbekannte am Abend des zweiten Weihnachtsfeiertages Farbbeutel auf das Haus eines Lokalredakteurs der "Ruhr-Nachrichten", die Adresse des Journalisten war zuvor im Netz veröffentlicht worden. In Berlin zündeten in derselben Nacht Unbekannte das Auto eines Pressefotografen an, der häufig über Demonstrationen von Rechtsextremisten berichtet.

Der "Tagesspiegel" berichtet derweil von einem “Fahndungsplakat”, das seit mehreren Wochen im Netz kursiert und 18 Berliner Fotografen zeigt. Erstmals sei das Plakat auf einer Seite von Gegnern des neuen Flüchtlingsheims im Köpenicker Allende-Viertel aufgetaucht, berichtet das Blatt. Zudem würden Journalisten bei Montagsdemos im Berliner Stadtteil Marzahn regelmäßig "massiv bedroht". Sprüche wie “Wir wissen, wo du wohnst” oder “Euch stellen wir zuerst an die Wand” würden fallen.

Mehrfach waren zuletzt auch die Redaktionen von Regionalblättern angegriffen worden. So wurden im September zweimal Lokalredaktionen der "Lausitzer Rundschau" mit rechtsextremen Parolen und Symbolen beschmiert, und auch auf das Gebäude des "Nordkurier" gab es vor wenigen Wochen einen ähnlichen Angriff.

Der neue Hass auf die "Lügenpresse"

Die Vorfälle zeigen eines sehr deutlich: Der neue Hass auf die "Lügenpresse" nimmt gefährliche Auswüchse an. Dabei verdeutlicht allein schon die Wortwahl, dass Teile der neuen rechtspopulistischen Bewegungen wie Pegida oder HoGeSa alles andere als harmlos daherkommen.

Der Begriff "Lügenpresse" ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts eine Art patriotischer Kampfbegriff und wurde schon im Dritten Reich häufig benutzt, um Andersdenkende zu denunzieren. “Ungehemmter denn je führt die rote Lügenpresse ihren Verleumdungsfeldzug durch", schrieb etwa Joseph Goebbels in einer seiner Propaganda-Schriften. Und auch Adolf Hitler distanzierte sich 1922 von der Monarchie mit dem Hinweis: “Für die Marxisten gelten wir dank ihrer Lügenpresse als reaktionäre Monarchisten”.

"Man drückt die Unzufriedenheit mit der etablierten Politik aus"

Mit dem Begriff "Lügenpresse" transportiere man zwar keine Botschaft im Detail, "aber drückt sehr erfolgreich die allgemeine Befindlichkeit aus, das heißt die Unzufriedenheit mit der etablierten Politik und den Medien", sagte der Dresdner Kommunikationswissenschaftler Wolfgang Donsbach kürzlich dem "Tagesspiegel".

Der neue Hass auf die Medien manifestiert sich nicht bloß in Parolen, er bedroht eine ganze Zunft. Dennoch, oder gerade deswegen, sollte man die neue Welle der Verachtung ernst nehmen, zumal sie sich nicht nur auf einen kleinen Kreis radikaler Rechtsextremisten beschränkt.

Laut einer Umfrage des NDR-Medienmagazins „Zapp“ haben nur noch 29 Prozent großes oder sehr großes Vertrauen in die Berichterstattung deutscher Medien. Zum Vergleich: 2012 waren es immerhin noch 40 Prozent der Befragten. Besonders erschreckend: Mehr als 60 Prozent halten die Ukraine-Berichterstattung in Deutschland für interessengelenkt und verfälscht.

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Video: Unterhaltsam und aufschlussreich: Diese Grafiken lassen Pegida ziemlich blöd aussehen