Leben, als hätte man nur noch ein Jahr: Der Künstler Erik Niedling hat das probiert

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Erik Niedling hat ein Jahr lang gelebt, als wäre es sein letztes. Warum? Weil er Künstler ist. Und ziemlich extrem.

Niedling ist eigentlich Fotograf. Allerdings hat ihm ein befreundeter Schriftsteller, Ingo Niermann, einen Floh ins Ohr gesetzt: Es geht dabei darum, ein Jahr lang so zu leben, als hätte man nur noch dieses eine Jahr zu leben.

Ein Jahr leben, als wäre es das letzte

Vom 1. März 2011 bis 29. Februar 2012 hat Niedling das tatsächlich getan. Wie Niedling der "Süddeutschen Zeitung" nun in einem Interview sagte, ließ er sich auf dieses Jahr ein, um ein anderes, eigentlich geplantes Kunstprojekt, das ebenfalls auf eine Idee des befreundeten Autors zurückgeht und mit dem Tod zu tun hat, möglichst bald, eben in diesem einen Jahr, fertig zu kriegen: Das Projekt heißt "Eine Pyramide für mich", eine Ausstellung ist derzeit in Berlin zu sehen.

Die Idee: eine 200 Meter hohe Pyramide aus einem Berg herauszuschlagen. Und wenn der Eigentümer dieser Pyramide stirbt, wird er in der Pyramide begraben, samt Grabbeigaben und die Pyramide wird wieder in den Berg zurückgepackt.

Niedling stellte sich zwar nicht vor, nach dem einen Jahr tot zu sein, aber er plante nicht darüber hinaus, sagte er der Zeitung. Auch nicht, als seine Frau Urlaubspläne schmieden wollte.

Was Niedling aus diesem Jahr gelernt hat

Gelernt hat Niedling, dass er viel Sport treiben muss, um fit zu bleiben. "Ich habe früher immer lieber gelesen und gedacht, für Sport hätte ich keine Zeit. Jetzt weiß ich, dass man sich die Zeit nehmen und richtig priorisieren muss", sagte er im Interview mit der "SZ".

Er lernte viele Dinge neu zu sehen. Zum Beispiel Angst: Man müsse sich ihr stellen, statt sich von ihr ablenken zu lassen.

Um sich in andere hineinzuversetzen, müsse man loslassen können. Auf diese Weise habe er in dem Jahr seine Macho-Allüren abgelegt.

Niedling hat sich allerdings auch mit Krebskranken unterhalten, mit Menschen, die keine Zeit mehr haben. Sie konnten ihre Zeit nicht mehr so nutzen, versuchten, mit Therapien noch mehr Lebenszeit zu bekommen.

Er findet, er sei gestärkt aus dem Jahr hervorgegangen. Ihm sei nichts mehr peinlich. Sonst hätte er sich auch nie getraut, das Lied für seine Frau ins Netz zu stellen, sagte er der "SZ":

Dieses Lied sagt vielleicht mehr über Niedlings Jahr als seine teils abstrakten Reflexionen im Interview: Er singt eine Abwandlung des Lieds "Ich mag". Er singt von den vielen Kleinigkeiten, die das Leben schön machen, die er mag: Schorle ohne Eis, Sonne, Dschungelcamp, den Akzent von Kati Witt ... Es ist eine Liebeserklärung an seine Frau, denn singen kann er wirklich nicht. Es ist eine Hommage an das Leben. Wie lang es auch ist.

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