Schule, Schulsystem, Bildung: Mythen im Faktencheck

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10 Mythen über die Schule im Faktencheck | Getty
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Ein Staat mit 16 Bundesländern, 16erlei recht komplexen Schulsystemen, vielen verschiedenen Schulabschlüssen und gleich heißenden Schulabschlüssen mit unterschiedlichen Anforderungen. Was macht das?

Man braucht kein Abitur, um sich die Antwort auszurechnen: Durcheinander.

Und so wabern mangels Wissen eben Mythen über die Bildung wie Nebel durchs Land und verschleiern, wie es wirklich ist. Da ist zum Beispiel die uralte Geschichte, dass die Schule in Bayern viel anspruchsvoller sei als in anderen Bundesländern. Unfair, oder?

Die Bertelsmann-Stiftung, das Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) an der TU Dortmund und das Institut für Erziehungswissenschaft (IfE) der Friedrich-Schiller-Universität Jena sorgen mit ihrem „Chancenspiegel 2014“, der an diesem Donnerstag veröffentlicht wurde, für etwas mehr Klarheit. Sie haben aus öffentlichen Statistiken und wissenschaftlichen Studien spannende Fakten destilliert.

Die Mythen und Vorurteile über Deutschlands Schulsystem im Faktencheck:

1. Kinder aus bildungsfernen Schichten schneiden schlechter ab: Stimmt.

Neuntklässler einer höheren sozialen Schicht sind in Mathematik ihren Kollegen aus einer niederen sozialen Schicht um zwei Jahre voraus – und zwar im Schnitt über alle Bundesländer und Schulformen.

2. Die Schule macht es berufstätigen Eltern schwer: Stimmt zum Teil.

Wer mehr als halbtags arbeitet, braucht eine Betreuung für die Kinder. Ein Drittel aller deutschen Schüler (bis zur 10. Klasse) nimmt derzeit am Ganztagsunterricht teil. An 56 Prozent der Schulen gibt es entsprechende Angebote. Allerdings geht der Ausbau nur langsam voran.

Die regionalen Unterschiede sind riesig: In Berlin, Hamburg, Sachsen und Thüringen gehen mehr als 63 Prozent der Schüler in die Ganztagsschule, in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt im Schnitt nur 17 Prozent.

3. Wer irgendwie kann, geht aufs Gymnasium: Stimmt.

In vielen Gegenden Deutschlands liegt die Übergangsquote zum Gymnasium bei über 50 Prozent, in einzelnen Gebieten sogar bei über 80 Prozent.

4. Es muss schon viel schief gehen, damit man sitzen bleibt: Stimmt.

Knapp 3 Prozent aller Schüler (fünfte bis zehnte Klasse) blieben im Schuljahr 2012/2013 sitzen – also 142.000. Ob man den Kindern damit allerdings hilft oder schadet, ist höchst umstritten.

5. Kein Schulabschluss ist die Ausnahme: Falsch.

6 Prozent der Schüler verlassen die Schule ohne Hauptschulabschluss. Bei einer Klasse mit 33 Schülern wären das zwei, die ohne Hauptschulabschluss und damit mehr oder weniger chancenlos auf dem Arbeitsmarkt bleiben.

6. Immer mehr Schüler haben Abi: Stimmt.

Mehr als jeder Zweite beendet die Schule mit der allgemeinen oder der Fachhochschulreife. Der Anteil ist innerhalb von drei Jahren massiv gestiegen.

7. Der Hauptschulabschluss ist ein Albtraum für die Zukunft: Muss nicht sein.

Mehr als 40 Prozent der Schüler, die ins duale System eintreten – also Berufsausbildung und Berufsschule parallel machen – haben keinen oder höchstens einen Hauptschulabschluss. In Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg sind es sogar mehr als 50 Prozent.

8. In Bayern können die Schüler mehr: Stimmt. Und auch im Osten.

In Mathematik sind Neuntklässler in Bayern, Brandenburg, Sachsen und Thüringen ihren Kollegen in Berlin, Bremen, Hamburg, NRW und dem Saarland im Schnitt um ein Schuljahr voraus.

Auch die schlechtesten zehn Prozent der Neuntklässler schnitten in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen im Vergleich am besten ab.

9. Im Osten wird gleichmäßiger gefördert: Stimmt grob.

Wer aus einer höheren sozialen Schicht kommt, beweist bessere Kompetenzen in der Schule. Das ist überall so. Aber in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen und Thüringen ist der Unterschied nicht so krass – die Schulsysteme fangen offenbar Nachteile, die den Kindern durch das Elternhaus entstehen, besser ab. Sachsen-Anhalt tanzt allerdings aus der Reihe. Da ist der Unterschied besonders markant.

10. In Bayern ist der Druck beim Übertritt besonders hoch: Stimmt.

Die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen ist dort besonders gering, ebenso in NRW, Bremen und Niedersachsen. Der Stress vor einem Schulwechsel dürfte also höher sein.

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