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01/12/2014 11:18 CET

Wie Sie NICHT reagieren sollten, wenn jemand eine Panikattacke hat

Thinkstock
Reaktion bei Panikattacken

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie gehen ihrem gewohnten Tagesablauf nach, putzen das Badezimmer oder machen sich fertig für die Arbeit. Vielleicht packen Sie den Koffer für eine Reise und machen sich gerade auf den Weg, um ihren Zug noch zu erwischen. Sie sind ruhig. Aber im nächsten Moment werden Sie von einem starken Gefühl der Angst überwältigt.

Jene, die das erschreckende Unglück hatten, eine Panikattacke zu erleben, kennen dieses Gefühl nur zu gut. Und wenn sich ein solcher Vorfall ereignet, können die Reaktionen von Freunden und Nahestehenden schnell eher verletzend als hilfreich sein.

Es ist frustrierend und beängstigend, wenn jemand, der Ihnen nahe steht, eine Panikattacke hat. Es gibt jedoch Möglichkeiten, sich in einer solchen Situation als nicht völlig hilflos zu erweisen. Wir haben einen Leitfaden für Verhaltensweisen und Phrasen zusammenstellt, die Sie vermeiden sollten, wenn jemand eine Panikattacke hat – und was Sie stattdessen tun oder sagen können.

Sagen Sie der betroffenen Person nicht, sie soll sich „beruhigen“

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Wenn es um Dinge geht, die Sie nicht sagen sollten, steht dieser Satz vermutlich auf Platz Eins. Sagt man einer unter Angstzuständen leidenden Person, sie solle sich „beruhigen“, kann laut Scott Bea, einem klinischen Psychologen und Assistenz-Professor der Medizin an der Cleveland Clinic, sogar das Gegenteil bewirkt werden. „Angst ist wie Treibsand – je mehr man versucht, sich aus der Situation zu retten, desto tiefer sinkt man“, sagte er der HuffPost Healthy Living. „Indem man Dinge sagt, wie „bleib ruhig“, könnte das Panikgefühl der Person weiter gesteigert werden.“

Leisten Sie Beistand mit einer unterstützende Aussage wie: „Ich bin für dich da.“

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Ein paar ehrliche und einfühlsame Worte können eine große Wirkung haben. „Wenn Sie wirklich jemandem helfen möchten, dann sollten Sie sich zunächst fragen, ob Sie diese Person auf eine Art und Weise unterstützen können, die es ihr ermöglicht, offen darüber zu reden, was sie durchmacht und was die Gründe dafür sein könnten.“, erklärte Dr. Todd Farchione, ein klinischer Psychologe am Center for Anxiety and Related Disorders an der Boston University. Der betroffenen Person zu sagen, sie solle sich keine Sorgen machen oder sich „zusammenreißen“, kann unheimlich entmutigend sein und ihre Panik zusätzlich verschlimmern. Probieren Sie stattdessen einen dieser ermutigenden Sätze aus.

Verlieren Sie wegen eines solchen Vorfalls nicht die Fassung.

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Angesichts von starken Angstzuständen einer nahestehenden Person mit Bestürzung zu reagieren oder gar „wegen ihrer Panik selbst in Panik zu geraten“, kann die Situation, laut Farchione, noch verschärfen. „Das schlimmste, was man machen kann, ist, selbst panisch zu werden und zum bereits hohen Grad an Emotionalität beizutragen“, erklärte Farchione. „Das ist, als würde man Öl ins Feuer gießen, und kann schnell den Eindruck mangelnden Mitgefühls erwecken.“

Hören Sie zu, um zu erfahren, was die betroffene Person wirklich braucht.

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Bevor Sie aus dem Bauch heraus handeln, achten Sie auf Hinweise der betroffenen Person. Sie kennt ihre Angstzustände besser als irgendjemand anderes. „Lassen Sie sich von ihr anleiten, anstatt Ihrer eigenen Mutmaßung zu folgen, was sie wohl tun könnten.“, teilte Allison Baker, eine Kinder- und Jugendpsychiaterin und Leiterin des Programms für Jugendliche an der Columbia University Medical Center der HuffPost mit. Panikattacken fühlen sich für jeden anders an. Folglich wird das, was sie in dem Moment brauchen könnte – sei es ein Glas Wasser oder lediglich eine Schulter zum Anlehnen – ebenfalls von Fall zu Fall unterschiedlich sein.

Fazit: Seien Sie einfühlsam.

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Letzten Endes sollten Sie sich in die Lage der oder des Betroffenen versetzen, wie Baker betonte. Wir alle hatten schon einmal Angstgefühle in der ein oder anderen Form; stellen Sie sich also diese Gefühle vielfach verstärkt vor. Indem Sie empathisch sind, zeigen Sie der Person, dass sie sich nicht anstrengen muss, ihre Gefühle glaubhaft zu machen – und infolgedessen kann sie von ihrer Panik loslassen.

Die Autorin und Wissenschaftlerin Brene Brown erklärt in einem Video über Empathie, dass dieses Gefühl in Hinblick auf zwischenmenschliche Beziehungen einflussreicher ist, als wir denken. „Empathie fördert Beziehungen“, bestätigte sie. „Befinden wir uns mitten in einer schwierigen Unterhaltung, haben wir den Wunsch, die Situation irgendwie zu entschärfen. Wenn ich etwas erzähle, das sehr belastend ist, ist es mir lieber, man antwortet mit 'Ich weiß nicht, was ich darauf sagen soll. Ich bin einfach froh, dass du es mir erzählt hast.' Denn die Wahrheit ist, eine konkrete Antwort kann sich nur selten wirklich positiv auswirken. Was die Dinge besser macht, ist eine Beziehung.“

Dieser Artikel ist ursprünglich bei der Huffington Post USA erschienen und wurde aus dem Englischen übersetzt.

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