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Gabriele Krone-Schmalz: Wer ist die deutsche Journalistin, die Putins Wahnsinn für legal hält?

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KRONE
Gabriele Krone-Schmalz | ARD
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Den meisten Deutschen ist Gabriele Krone-Schmalz noch als Moskau-Korrespondentin der ARD in Erinnerung. Von 1987 bis 1992 berichtete sie über den Zerfall und den Zusammenbruch der Sowjetunion. Ihre Arbeit damals genoss einen exzellenten Ruf. Und vielen jüngeren Journalisten wurde sie zum Vorbild.

Leider muss man mittlerweile den nächsten Satz mit einem Wort der Relativierung einleiten: Aber viel ist von dieser Glaubwürdigkeit heute nicht mehr übrig.

Das hat vor allem mit der Art und Weise zu tun, wie Krone-Schmalz mittlerweile ihr ehemaliges Berichterstattungsgebiet betrachtet. Mit wenig Kritik und viel zu viel Nachsicht. Das wurde auch am Sonntagabend bei Günther Jauch deutlich.

Zuerst bezeichnete sie das schmeichelhafte Putin-Interview von Hubert Seipel, das vergangene Woche bei Jauch zu sehen war, als „authentisch“ und „wichtig“, weil es den Zuschauern die Meinungsbildung erleichtert habe.

Kritiker hatten Seipel vorgeworfen, dass er kaum kritischen Nachfragen gestellt habe. Faktenchecks hatten im Anschluss ergeben, dass Putin an vielen Stellen unwidersprochen die Unwahrheit gesagt hatte.

Krone-Schmalz: Krim wurde nicht annektiert

Dann behauptete sie, dass Russland vor dem EU-Gipfel in Riga Ende November 2013 noch zu einem Dialog bereit gewesen wäre, die EU jedoch nicht. Ihr Wort steht gegen die Recherchen eines „Spiegel“-Autorenteams, die in der aktuellen Ausgabe darüber schreiben, dass die Ukraine-Krise das Ergebnis diplomatischen Komplettversagens aller beteiligten Parteien war.

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Schließlich sprach sie davon, dass die Krim gar nicht annektiert wurde, sondern dass sie sich abgespalten habe.

Eine umstrittene Äußerung, die sie bereits im April in einem Beitrag des Medienmagazins „Zapp“ machte.

Völkerrechtler halten die Position für höchst problematisch. Unter anderem sagte Georg Nolte, Professor für Völkerrecht an der Humboldt-Universität und Mitglied der Völkerrechtskommission der Vereinten Nationen, im März dem „Tagesspiegel“:

„Wenn ein Landesteil gegen die Verfassung aus dem Staatsverband auszuscheiden versucht, kann die Zentralregierung das notfalls durch Zwang verhindern.“

In jedem Fall sei es nicht rechtens, wenn ein Staat von außen darauf hinwirke, einen Teil eines anderen Landes herauszubrechen.

Zweifel an ihrer Darstellung

Putin selbst hat bereits zugegeben, dass sich reguläre russische Soldaten schon vor dem Anschluss an Russland auf der Krim aufhielten.

Das Unabhängigkeitsreferendum wurde von einem nur teilbesetzten Regionalparlament beschlossen, das bei der Abstimmung von bewaffneten Milizionären beaufsichtigt wurde. Auch die Durchführung des Referendums gibt bis heute Anlass zur Kritik – und das nicht nur, weil Ergebnisse von weit über 90 Prozent Ja-Stimmen unter Statistikern als Indiz für Wahlmanipulation gelten.

Übrigens: Auch an diesem Sonntag fehlte ein Hinweis darauf, dass Gabriele Krone-Schmalz in der Vergangenheit schon häufiger als Rednerin und Moderatorin für kremlnahe Unternehmen tätig war.

Erstmals war sie deswegen schon 2006 in die Kritik geraten. Der Buchautor Jürgen Roth hatte ihr damals vorgeworfen, Abhängigkeitsverhältnisse verschleiern zu wollen.

„Man kann sich nicht von Unternehmen, die von Geschäften mit dem Kreml profitieren, bezahlen lassen, das verschweigen und dann als unabhängige Journalistin auftreten“, so Roth.

Kritik an Krone-Schmalz

Konkret ging es damals unter anderem um einen Vortrag für eine Gasprom-Tochter. Krone-Schmalz konterte damals im „Focus“: „Hier geht es um gezielte Rufschädigung. Ich richte meine Vorträge nie nach der Klientel oder dem Interesse des Veranstalters aus.“

Eine bezahlte Tätigkeit für russische Staatsunternehmen und deren Tochtergesellschaften dementierte sie allerdings nicht.

Der Focus-Korrespondent in Moskau, Boris Reitschuster, griff die Debatte im April wieder auf, nachdem der umstrittene Zapp-Beitrag gesendet wurde.

In einem offenen Brief an die Mitarbeiter des Magazins schrieb er:

„Gabriele Krone-Schmalz, die als eine Art Kronzeugin für Ihre Thesen auftritt, war mehrfach mit Vorträgen und Moderationen für kremlnahe Unternehmen tätig, darunter Wingas, eine Beteiligung von Gasprom. Auf diesen Interessenkonflikt hätten Sie aufmerksam machen müssen.“

Und noch am Donnerstag warnte der renommierte Politikwissenschaftler und Ukrainekenner Andreas Umland vor einer Schieflage in der Jauch-Debatte. „Problem bei der Zusammenstellung der GÜNTHER JAUCH-Sendung (...) ist, dass Biermann beruflich und Lambsdorff fachlich nicht auf diese Diskussion vorbereitet sind. Krone-Schmalz und Platzeck haben Kremlsympathien und werden als Autoritäten für Russlandfragen wahrgenommen.“

Umland behielt mit seinen Befürchtungen Recht. Doch besonders im Falle von Gabriele Krone-Schmalz wird es nun höchste Zeit, eine frühere Fernseh-Autorität zu hinterfragen.

Mit ihren Statements bei Jauch jedenfalls hat sie der Debatte um die Ukraine keinen Dienst erwiesen. Im Gegenteil: Sie wird immer mehr zur Stichwortgeberin derjenigen, die in dem Land nur den „Hinterhof“ oder den „Vorgarten“ Russlands sehen. Und das kann nicht ernsthaft im Interesse einer seriösen Journalistin sein.

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