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Cannabis-Legalisierung in Deutschland? Das wären 9 mögliche Folgen

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Cannabis. Das Teufelszeug. Das Sucht bringt und Tod. Kriminalität und Dummheit. Wohlgemerkt: Kritikern zufolge.

Tatsächlich würden diese schrecklichen Dinge passieren, wenn Cannabis in Deutschland legalisiert würde:


Genau: Vermutlich würden gar keine schlimmen Dinge passieren, wenn Cannabis in Deutschland legalisiert würde. Wir haben das Szenario mal zu Ende gedacht. Hier sind die Ergebnisse:

1. Die Pharma-Unternehmen müssten vermutlich krasse Einbußen hinnehmen.
Denn die Pflanzeninhaltsstoffe von Cannabis sind kaum patentierbar. Und Cannabis ist erwiesenermaßen in vielen Fällen ein extrem wirksames Medikament.

Schmerzmittel wie Paracetamol und Ibuprofen beispielsweise würden enorm an Popularität verlieren, denn es gäbe plötzlich eine ganz legale Schmerzmittel-Alternative, die Patienten zufolge keine Nebenwirkungen mehr mit sich bringt.

2. Die Polizei würde sich nicht mehr mit vermeintlichen "Schlägen gegen den organisierten Drogenhandel" rühmen.
So macht sie es momentan schon dann, wenn sie bei jungen Leuten ein paar Pflänzchen in der Wohnung findet. Und in Polizei-Meldungen würde nicht mehr aus jeder Pflanze jedes Hobbybauern gleich eine ganze Hanf-"Plantage" gemacht. Und aus jedem kleinen Kiffer ein Profi.

3. Es gäbe wohl auch weiterhin keine Fälle, in denen der Cannabis-Konsum einen Menschen umbringt.
So war es zumindest bislang. Denn: "Um an Cannabis zu sterben, müsste ein Kiffer 1.500 Pfund rauchen - innerhalb von 15 Minuten", stellte die amerikanische Drogenbehörde DEA schon Ende der 80er-Jahre fest.

4. Alle Kriminellen, die vom illegalen Geschäft mit Cannabis profitieren, würden plötzlich ziemlich blöd dastehen.
Denn ihnen würde niemand mehr ihre – mitunter qualitativ minderwertige – Ware abkaufen. Der Schwarzmarkt und mafiöse Strukturen würden verschwinden.

Ein Beispiel aus Amerika: Seitdem die Menschen in den US-Bundesstaaten Washington und Colorado legales Marihuana kaufen dürfen, geht es den Drogenkartellen in Mexiko gar nicht mehr gut.

"Sobald ein legaler Markt entsteht, werden die Gewinne für kriminelle Organisationen einbrechen", sagte ein ehemaliger hochrangiger Mitarbeiter der US-Drogenaufsichtsbehörde DEA.

5. Wie in den USA könnte es einen richtigen Cannabis-Boom geben, der sich auf die ganze Wirtschaft auswirkt.
Wie auf Tabak gibt es dort auf Cannabis eine Steuer – und zwar gleich dreifach: bei der Produktion, beim Verkauf und beim Kauf. Bis Ende Juni 2015 rechnet Colorado mit 184 Millionen US-Dollar an zusätzlichen Steuereinnahmen.

6. Findige Leute kämen auf viele findige Ideen.
In den USA haben sie sich eine Reihe von Cannabis-Innovationen einfallen lassen, den Hasch-Automaten zum Beispiel. Er funktioniert ähnlich wie ein Zigarettenautomat. Auf Knopfdruck gibt es Cannabis beispielsweise in Form von Gebäck oder weitere mit Cannabis versetzte Köstlichkeiten.

7. Es könnte weniger häusliche Gewalt geben.
Forscher der University of Buffalo haben herausgefunden, dass es bei Ehepaaren, die Haschisch konsumieren, seltener zu gewaltvollen Auseinandersetzungen kommt.

Der Konsum von Marihuana habe die Konflikt- und Aggressionswahrscheinlichkeit der untersuchten Paare deutlich gesenkt, so das Fazit der US-Wissenschaftler.

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8. Möglicherweise gäbe es auch weniger Verkehrsunfälle.
Zumindest wenn Forscher des Forschungsinstituts IZA und der Universität Bonn recht behalten. Sie fanden heraus, dass in US-Staaten, in denen Cannabis für den medizinischen Gebrauch legalisiert wurde, die Rate tödlicher Verkehrsunfälle sank.

9. Und der Konsum? Würde vermutlich weder ab- noch zunehmen.
"Der vermeintliche Vorteil des Verbots ist die Reduzierung des Konsums", sagt Cannabis-Experte Franjo Grotenhermen. "Aber selbst die europäische Beobachterstelle für Drogen in Lissabon kommt zu dem Ergebnis, dass die rechtliche Lage auf die Menge des Konsums keinen Einfluss hat."

In Holland werde beispielsweise nicht mehr gekifft als in Frankreich, obwohl die Gesetze deutlich lockerer sind. Zwar wolle man mit den Verboten vor allem die Jugendlichen schützen. Die hätten allerdings kaum ein Problem, an Marihuana heranzukommen: "Es ist der 50-jährige MS-Patient im Rollstuhl, der Probleme hat, an Cannabis heranzukommen", sagt Grotenhermen.

Wäre Marihuana-Konsum ab 18 Jahren legal, hätten Jugendliche weniger Hemmungen, mit ihren Eltern darüber zu sprechen, meint der Mediziner. "Stattdessen lernen sie im Moment, mit Kriminellen in Kontakt zu treten."

canni

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