LIFESTYLE
14/11/2014 09:20 CET | Aktualisiert 14/11/2014 11:38 CET

SMS haben den gleichen Effekt auf das Gehirn wie ein Orgasmus

Thinkstock
SMS und Orgasmus haben vieles gemeinsam

Meist wiegeln junge Menschen ab, wenn es um ihr Handy und Facebook-Profil geht. Kritische Bemerkungen zur Sozialunverträglichkeit notorischer Bildschirmglotzer und Hinweise auf gefährlich suchtverdächtiges Dauertippen halten sie für überdrehte Ängste einer Generation, die nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit ist.

Tatsächlich aber scheinen Nachrichten mehr Einfluss auf unser Gefühlsleben zu haben, als wir uns eingestehen möchten.

Die Psychologin Susan Weinschenk befasst sich auf „Psychology Today“ näher mit dem Phänomen und erklärt, warum Dopamin dafür verantwortlich ist, dass wir in einer Endlosschleife nach neuen Informationen suchen.

"Glückshormon" Dopamin sorgt für ein Streben nach Befriedigung

Auch wenn Dopamin landläufig als „Glückshormon“ bekannt ist, trifft diese Bezeichnung nicht hundertprozentig zu. Vielmehr ist es dafür verantwortlich, nach Glücksgefühlen zu streben – für das eigentliche Empfinden von Glück ist das Opioid-System des Gehirns zuständig.

Der Forscher Kent Berridge erklärt, dass sich diese beiden Systeme ergänzen. Während Dopamin dafür sorgt, dass wir den Antrieb nicht verlieren und uns immer weiter bemühen, angenehme Ziele zu erreichen, verschafft uns ein anderes System das Gefühl der Befriedigung und erlaubt es, sich auf keinen Erfolgserlebnissen auszuruhen.

Doch was hat das mit unseren Chats und SMS zu tun? Sie erfüllen Bedürfnisse nach Kontakt und Information – und das möglichst zeitnah. Jede Nachricht beweist, dass jemand auf unsere Anfrage reagiert hat und löst einen kleinen Dopaminschub aus. Weil wir aber immer mehr von diesen Belohnungen wollen, greifen wir auch immer öfter zum Handy.

SMS haben einen echten Suchtfaktor

Damit läuft im Gehirn ein ähnlicher Prozess wie nach dem sexuellen Höhepunkt ab: es überschüttet uns mit Hormonen und hinterlässt im besten Fall ein gutes Gefühl der Befriedigung.

Textnachrichten haben aber einen besonders hohen Suchtfaktor, weil sie hauptsächlich das Dopamin- und nicht das Opioid-System ansprechen. Außerdem verstärken kleine, aber nicht unerhebliche Zusatzfaktoren das Verlangen nach neuen Nachrichten:

Erstens kommen sie unerwartet und stimulieren damit das körpereigene Belohnungssystem besonders effektiv. Schon lange ist in der Wissenschaft bekannt, dass ein Verhalten besonders dauerhaft antrainiert wird, wenn es in unregelmäßigen Intervallen verstärkt und nicht immer belohnt wird.

Zweitens fungieren aufleuchtende Symbole oder Signaltöne als Hilfsreize, die zusätzlich die Spannung erhöhen und den Wunsch nach einer Nachricht steigern.

SMS simulieren soziale Nähe

Wenn wir dann auch noch sehen können, ob unsere Zielperson gerade schreibt oder nicht, steigert sich unsere Spannung ins Unermessliche. Zum Teil erleiden Menschen regelrechte Ängste, wenn sie beobachten, wie das kleine „schreibt gerade“-Symbol auf dem Bildschirm aufleuchtet und dann wieder verschwindet.

Nachrichten auszutauschen bedeutet das elektronische Äquivalent zu sozialer Nähe – jede neue Mitteilung schafft Bestätigung, während ihr Ausbleiben Zurückweisung signalisiert.

Weil die andauernde Suche nach dem elektronischen Glücks-Kick auf Dauer anstrengend sein kann, rät Weinschenk dazu, die sogenannten Hilfsreize abzuschalten. Sind die automatischen Benachrichtigungen erst einmal verstummt, fällt auch das Abschalten zwischen den gelegentlichen Mail-Checks wieder leichter.

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