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10 Gründe, warum Deutschland ohne Ausländer ziemlich trostlos wäre

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Es sind erschreckende Zahlen: Laut einer Studie der Bundesregierung glaubt die Hälfte aller deutschen Studenten, dass Deutschland die Grenze seiner Integrationsfähigkeit von Ausländern bereits überschritten habe. Etwa genauso viele glauben, dass Deutschland keine weiteren Fachkräfte aus dem Ausland braucht.

Viele Menschen denken offenbar ähnlich. Laut einer Forsa-Umfrage vom März beobachten 23 Prozent der Deutschen bei ihren Landsleuten ein ablehnendes Verhalten gegenüber Flüchtlingen – und das, obwohl das Grundrecht auf Asyl trotz aller Reformen immer noch im Grundgesetz verankert ist.

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82 Prozent der Deutschen halten sich für tolerant und weltoffen. Aber 20 Prozent unterstellen Asylbewerbern, sie würden in ihrer Heimat nicht verfolgt. Etwa der gleiche Prozentanteil der Menschen unterstützt harte antisemitische Vorurteile.

Aber denken wir mal den feuchtesten aller Ausländerhasser-Träume zu Ende: Wie sähe die Bundesrepublik ohne Ausländer aus? Es wäre ein trostloses Land. Die Huffington Post nennt zehn Gründe.

1. Das Bildungsniveau in Deutschland würde sinken

Viele denken beim Thema Zuwanderung immer noch an die "Gastarbeiter", die in den 60er- und 70er-Jahren nach Deutschland kamen und überwiegend einfache Arbeiterjobs übernahmen. Auch ihre Rolle war wichtig. Aber seit der Jahrtausendwende hat sich der Bildungshintergrund der Einwanderer radikal verändert.

Laut einer Studie des Deutschen Instituts der Wirtschaft verfügen fast 30 Prozent der in den vergangenen zehn Jahren nach Deutschland zugewanderten Menschen einen Hochschulabschluss. Im Bevölkerungsschnitt sind es nur 19 Prozent. Das führt dazu, dass Ausländer mittlerweile häufiger in Führungspositionen arbeiten als Deutsche: 22,8 Prozent von ihnen sind laut DIW „hoch qualifizierte Fach- und Führungskräfte“. Das sind 0,6 Prozent mehr als im Bevölkerungsschnitt.

2. An deutschen Universitäten würde es schlagartig ziemlich leer werden

Lange Zeit galt Deutschland für ausländische Studenten als nicht besonders attraktiv. Das hat sich geändert. Mittlerweile gilt die Bundesrepublik als eines der attraktivsten Studienländer der Welt: Hochklassige Unis, ein relativ offener Arbeitsmarkt und vor allem – keine Studiengebühren.

Im Wintersemester 2013/14 waren laut Angaben des Statistischen Bundesamtes erstmals mehr als 100.000 Studenten aus dem Nicht-EU-Ausland an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Hinzu kommen über 180.000 junge EU-Bürger, die in Deutschland studieren. Zusammen beträgt der Anteil ausländischer Studierender 11,5 Prozent. Noch vor 15 Jahren waren es nur 9,2 Prozent.

3. Die Sozialsysteme würden zusammenbrechen

Unsere Sozialsysteme sind durch den demografischen Wandel in Gefahr. Ohne die derzeit sehr starke Zuwanderung nach Deutschland hätten sich die Probleme schon längst verschärft.

Oft führen Rechtspopulisten und Gleichgesinnte an, dass Bürger mit ausländischen Wurzeln gut ein Drittel der Arbeitslosen ausmachen. Das ist korrekt. Allerdings liegt die Arbeitslosenquote in Deutschland derzeit bei unter sechs Prozent. Viel relevanter ist daher der Anteil der Ausländer mit sozialversicherungspflichtiger Beschäftigten.

Und, siehe da: Erstaunlich ist, wie stark Ausländer bei den Einzahlern in die Sozialkassen überrepräsentiert sind. Mehr als zwei Fünftel von ihnen sind nach Angaben des DIW sozialversicherungspflichtig beschäftigt (41,9 Prozent). Unter der deutschen Bevölkerung (inklusive der Einwanderer zweiter und dritter Generation) sind es nur 35,5 Prozent.

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4. Besonders Bayern hätte ohne Ausländer ein gigantisches Arbeitsmarktproblem

Nirgendwo sonst hängen Zuwanderer die einheimische Bevölkerung in Sachen Erwerbsquote derart ab wie in Bayern. Dort gingen laut Zahlen des Bundesagentur für Arbeit im Jahr 2011 insgesamt 53,7 Prozent der Gesamtbevölkerung einer Arbeit nach, aber 60,4 Prozent der Ausländer. Immerhin knapp zehn Prozent der bayerischen Bevölkerung haben keinen deutschen Pass. Der Schluss liegt nahe: Ohne Ausländer würde dem „Motor der deutschen Wirtschaft“ bald der Sauerstoff ausgehen.

5. Deutschland wäre kulturell verarmt

Deutschland ohne ausländische Künstler? Kaum vorstellbar. Und wer jetzt „Helene Fischer“ ruft: Die wurde vor 30 Jahren in Sibirien als Tochter von Russlanddeutschen geboren und sprach in ihren ersten Lebensjahren kein Wort Deutsch. Doch auch im Alltag hat Zuwanderung dazu beigetragen, Deutschland reicher zu machen.

6. Ohne Ausländer könnte die Bundesliga dicht machen

Als die höchste deutsche Fußballliga im Jahr 1963 startete, gab es nur einige wenige ausländische Fußballspieler in den Reihen der Teams. Mittlerweile machen sie gut 50 Prozent der Bundesligaprofis aus. In der Saison 2008/09 lag ihr Anteil erstmals höher als der ihrer deutschen Mannschaftskameraden.

7. Und Jogis Jungs wären vielleicht nie Weltmeister geworden

Der Anteil von Spielern mit Migrationshintergrund in der Nationalmannschaft steigt seit Jahren. Im WM-Finale 2014 waren drei Spieler mit ausländischen Wurzeln im Einsatz: Jêrome Boateng, Mesut Özil und Miroslav Klose.

8. Es würde nie genug Ingenieure geben

Mehr als ein Viertel der ausländischen Studenten in Deutschland ist in einer Ingenieurswissenschaft eingeschrieben. Das hat eine Erhebung des Bundesbildungsministeriums ergeben. Vor fünf Jahren waren die Geisteswissenschaften noch populärer.

Falls die Studenten nach ihrem Abschluss dazu bewegt werden könnten, in Deutschland zu bleiben, könnte sich damit – zumindest teilweise – ein deutsches Dauerproblem lösen: Der Ingenieursmangel im Land der Ingenieure.

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9. Es gäbe weniger Innovationen in Deutschland

Ohne Ausländer wäre die deutsche Gründerszene nur ein schlechter Witz. Der Anteil der Unternehmensgründer ohne deutschen Pass steigt derzeit rasant an.

Noch im Jahr 2010 waren 34,4 Prozent aller Unternehmensgründer ausländischer Herkunft. Im Jahr 2012 betrug ihr Anteil schon 44,8 Prozent. Anders gesagt: Ausländer haben binnen eines Jahres 121.748 Unternehmen oder Ein-Mann-Betriebe gegründet.

10. So sähe übrigens die Schweiz ohne Ausländer aus

In einer Doku-Fiction hat sich das Schweizer Fernsehen Gedanken darüber gemacht, wie die Schweiz nach einer Massenauswanderung aussähe. In mancherlei Hinsicht ist das auch auf Deutschland übertragbar.

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