POLITIK
30/10/2014 17:12 CET | Aktualisiert 21/01/2015 09:31 CET

Wenn Sie Wladimir Putin verstehen wollen, müssen Sie diese 15 Dinge wissen

Als im Februar die Ukraine-Krise ihren ersten Höhepunkt erreichte, waren viele deutsche Russland-Experten kalt erwischt worden. Kaum jemand hatte vorausgesehen, dass nach dem Umsturz in Kiew die Eskalation auf der Krim folgen würde. Was nicht zuletzt daran lag, dass viele Journalisten und Wissenschaftler Wladimir Putin falsch einschätzten.

Seitdem wurde viel über Russlands Präsidenten diskutiert. Doch immer noch wirft sein Handeln Rätsel auf - nicht zuletzt auch mit Blick auf die Geschehnisse in der Ostukraine oder auf die kürzlich bekannt gewordene wiederholte Verletzung des Nato-Luftraums durch russische Kampfflieger.

Die Huffington Post nennt Ihnen 15 Dinge, die Sie wissen sollten, wenn Sie Putin besser verstehen wollen.

1. Wladimir Putins Mutter überlebte die Belagerung von Leningrad

Von 1941 bis 1944 schnitten deutsche und finnische Truppen die Metropole Leningrad systematisch von allen Nachschublieferungen ab. Ziel war es, die Bevölkerung verhungern zu lassen. Es gilt als eines der grausamsten Kriegsverbrechen, das die Wehrmacht auf russischem Boden verübt hat. Putins Mutter Maria Iwanowna überlebte. Eine Million Menschen starben, darunter auch ein älterer Bruder des damals noch ungeborenen Wladimirs.

2. Seine Erziehung ist frei von großen Emotionen gewesen

Im ARD-Film „Ich, Putin“ sagte Putin dem Journalisten Hubert Seipelt: „Ich kann nicht behaupten, dass wir eine sehr emotionale Familie waren. Dass wir uns gegenseitig was erzählten, uns austauschten. Jeder lebte irgendwie in sich selbst.

Wir verstanden uns andererseits schon gut, meine Eltern sich ja all diese Jahre zusammengeblieben, bis zum Ende ihres Lebens. Und trotzdem kannte ich nicht viel Emotionales, überschwängliche Heldentaten, irgendwelche Schwierigkeiten oder Tragödien. Die mochten nicht darüber reden.“

3. Putins Vater war ein „echter Proletarier“

Das sagt Putins Jugendfreund Sergej Rodulgin. Wladimir Spiridonowitsch Putin habe seinen Sohn geliebt, aber ständig etwas an ihm auszusetzen gehabt. „Er hatte Angst davor, zu gutmütig zu wirken“, so Rodulgin zu Seipelt.

4. Zum Judo kam er, um „seine Stellung im Rudel aufrecht zu erhalten“

Der eher schmächtige Jugendliche Wladimir Putin merkte, dass die anderen männlichen Jugendlichen sich mit Einsetzen der Pubertät schneller entwickelten als er. Deshalb, sagt Putin, sei er zum Judo gekommen. Er habe sich durchsetzen wollen.

5. Seiner Ex-Frau hat er erst kurz vor der Hochzeit gesagt, dass er beim Geheimdienst arbeitet

„Wenn jemand unbedingt erzählen will, dass er beim Geheimdienst arbeitet, dann hat er da nichts verloren“, sagte Putin gegenüber Seipelt.

6. Putin glaubt, dass der Westen Angst vor Russland hat

Zu Beginn des ARD-Portraits entspinnt sich ein aus heutiger Sicht denkwürdiger Dialog.

„Woher kommt diese negative Haltung des Westens Ihnen gegenüber?

-Von der Angst.

-Angst vor Ihnen?

-Vor Russland. Mit unserem Maßstab, unseren Atomwaffen, und unseren Möglichkeiten in anderen verschiedenen Gebieten. Aber das ist altes Denken.“

7. Putin spricht perfekt Deutsch

Das hat er unter anderem bei einer Rede im Bundestag 2001 bewiesen. Fast Jahre hatte er als KGB-Agent in Dresden gelebt. Als im Januar 1990 der DDR-Staatsapparat zu bröckeln begann, wurde Putin nach Moskau zurück beordert.

8. Er betrachtet das Ende der UdSSR als die „größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts“. Aber er ist kein Sowjet-Nostalgiker

Richtig ist, dass Putin einen Hang zu den Machtsymbolen der Sowjetunion hat: So ließ er beispielsweise die alte Sowjethymne mit neuem Text wieder einführen. Auch die Modernisierung des Militärs ist eine Reminiszenz an alte Zeiten, als Russland eine Weltmacht war.

Doch von den sozialen Errungenschaften der Sowjetzeit ist so gut wie nichts übrig geblieben. Das fängt beim kümmerlichen Zustand der medizinischen Versorgung an und hört bei der finanziellen Absicherung auf. Ende 2011 lebten 16 Prozent der Russen unter dem ohnehin schon kümmerlichen Existenzminimum von 154 Euro im Monat.

Den reichen Russen geht es dagegen gut: Sie müssen seit Anfang der Nullerjahre pauschal nur 13 Prozent Einkommenssteuer zahlen.

Video: Putins perfide Propaganda in fünf Zitaten

9. Putin zeigt sich gern als Eishockeyspieler

Dabei beherrscht der das Spiel nur mäßig, obwohl er oft stundenlang allein in einer Halle am Stadtrand trainiert. Eishockey ist in Russland Nationalsport und eignet sich ähnlich wie Fußball in Deutschland ganz hervorragend dazu, Sympathiepunkte zu sammeln.

10. Trotz aller innenpolitischen Probleme genießt Putin den Ruf, Russland wieder „auf die Beine gebracht zu haben“

Was vor allem damit zu tun hat, dass Russland in den chaotischen 90er-Jahren durch eine tiefe Krise ging, die nicht nur das Wirtschaftsleben, sondern auch die Verwaltung, das Kulturleben, den sozialen Zusammenhalt und das Staatsverständnis an sich erschütterte.

Als Putin im Jahr 2000 ins Amt kam, reformierte er das Land und baute es nach autokratischen Ideen um. Besonders durch den Rohstoffexport verdiente Russland in den folgenden Jahren eine Menge Geld.

Wahr ist jedoch auch, dass sich das Wirtschaftswachstum schon vor der Krim-Krise deutlich abgeschwächt hatte. Was Russland braucht, sind Investitionen. Doch die sind auch wegen der Sanktionen erst einmal nicht in Sicht.

11. Selbst auf seinem Landsitz schart er eine „Entourage wie P. Diddy“ um sich herum

Das sagt Platon, der Fotograf des berühmtesten Putin-Portraits.

12. Putin mag die Beatles

Sein Lieblingsbeatle ist Paul. Und sein Lieblingssong ist das wohl melancholischste Lied der "Fab Four": „Yesterday“. Das will Platon von Putin erfahren haben.

13. Vier Jahre lang war Putin Vorsitzender der Regierungspartei „Einiges Russland“, ohne deren Mitglied zu sein

Formal gesehen hat man ihm also den Vorsitz mehr oder weniger angetragen. Was wiederum Bände über seinen Einfluss im Land spricht.

14. Er sieht sich selbst nicht als Diplomat

Auf eine entsprechende Frage eines ARD-Reporters antwortete er einst wörtlich: „Überhaupt nicht“.

15. Im Gegenteil: Oft schon hat er seine Gegner öffentlich gedemütigt. Das ist Teil seiner Inszenierung als starker Mann

Zum Beispiel den Öl-Magnaten Michail Chodorkowski, dem er einst vor laufenden Fernsehkameras im Kreml mit der Steuerfahndung drohte. Kurze Zeit später wurde Chodorkowski verhaftet. In Erinnerung geblieben ist auch sein Auftritt in einer Fabrik für Schiffsschrauben, die kurz vor der Pleite stand.

Dem Management sagte er während eines Meetings: „Als ich sagte, ich komme hier her, sind sie herumgesprungen wie die Kakerlaken. Mit ihrem Ehrgeiz, ihrer Inkompetenz und ihrem puren Geiz haben sie diese Menschen als Geisel genommen.“

Dann mussten die Gesellschafter einen Vertrag unterschreiben, der die weitere Öffnung der Fabrik garantierte. Wer nicht zustimmen wollte, wurde persönlich zum öffentlichen Rapport gebeten.

Auch sein Interview mit dem bedauernswerten und katastrophal schlecht vorbereiteten WDR-Journalisten Jörg Schönenborn war nichts weiter als eine Machtdemonstration des russischen Präsidenten – wenngleich die ARD dabei nur zu bereitwillig mitspielte.

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