WIRTSCHAFT
30/10/2014 10:26 CET | Aktualisiert 30/10/2014 10:33 CET

H&M in der Kritik: Die hässliche Fratze von Hennes & Mauritz

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Die hässliche Fratze von Hennes & Mauritz

„Verantwortung zu übernehmen ist ein wichtiger Bestandteil des Unternehmens.“ So präsentiert sich der schwedische Mode-Riese H&M in offiziellen Statements.

Doch die Übernahme von Verantwortung kennt Grenzen, wie eine neue ZDF-Doku aufdeckt. Die Journalistin Marie Maurice reiste in die H&M-Produktionsländer und fragte kritisch, wie sozial H&M wirklich ist.

Beispiel Bangladesch:

Seit fast 30 Jahren lässt H&M hier produzieren, mehr als 150 Unternehmen arbeiten allein hier mit H&M zusammen (und natürlich auch mit anderen Billig- sowie Luxus-Ketten).

Der gesetzliche Mindestlohn liegt bei umgerechnet weniger als 50 Euro – pro Monat. Die Mitarbeiter der H&M-Zulieferer beklagen sich aber nicht nur über den Lohn, sondern auch über die massiven Überstunden.

Nach den H&M-Regeln sind in Ausnahmen maximal 72 Stunden erlaubt. Was auch schon krass ist. Doch die Realität seien mindestens 80 Stunden pro Woche, sagt ein Fabrikarbeiter. "Unsere Augen brennen, wir sind ausgehungert.“

Die Arbeiter in der Textilfabrik würden zu den Überstunden „gezwungen“. Wer das Spiel nicht mitspielt, müsse stundenlang im Büro der Chefs stehen, kritisiert ein Arbeiter.

Schuld seien aber nicht nur die Chefs, sondern auch die Modeunternehmen wie H&M und deren Lieferfristen. Denn nur wenn ständig neue Ware nachkommt, funktioniert das Fast-Fashion-Modell, das auch H&M-Konkurrenten wie Primark mit ihrer Wegwerf-Mode ausreizen. Kollektionen wechseln hier gefühlt im Wochenrhythmus.

Journalistin Maurice konfrontierte H&M mit den Recherchen. Dort gibt es als Antwort nur Worthülsen.

„Das Thema Überstunden ist eine Herausforderung.“ Oder: Ziel sei die „Optimierung unserer Planung mit den Partnern.“

H&M arbeitete zudem mit einer Firma zusammen, die sich die Sicherheit der rissigen Fabrikhallen von einem Architekten zertifizieren lassen hatte, der seit sechzehn Jahren nicht mehr in Bangladesch wohnt und dort niemals etwas geprüft hatte.

Das ist ein Einzelfall, klar. Aber er legt nahe, dass auch andere Zertifikate für Gebäudesicherheit womöglich ihren Namen nicht verdienen. H&M versichert: „Wir nehmen Ihre Erkenntnisse sehr, sehr ernst.“ Das Modeunternehmen beendete die Zusammenarbeit mit dem Zulieferer.

Beispiel: Äthiopien

Hier sind die Lohnkosten mit 36 bis 50 Euro im Monat noch niedriger. H&M arbeite vor Ort mit einer Firma zusammen, die zum Imperium von Mohammed Hussein Al Amoudi gehört, einem der reichsten Menschen der Welt.

Die ZDF-zoom-Reportage bringt Al Amoudi in Zusammenhang mit der Enteignung ganzer Dörfer und der Vertreibung von Menschen. Al Amoudi sagt Sätze wie: „Land Grabbing verursacht keine Schäden für die Umwelt oder die lokale Bevölkerung. Es ist eine unbegründete Anschuldigung und in Wirklichkeit ein Gerücht, dass ohne die Berücksichtigung und Analyse der tatsächlichen Investitionsszenarien verbreitet wird.“

Ist Al Amoudi ein skrupelloser Geschäftspartner? „Wir haben diesen Lieferanten überprüft und nichts deutete daraufhin“, sagte die Nachhaltigkeitsbeauftragte von H&M in der Doku.

Beispiel: Finanzen

H&M zahlt keine Einkommenssteuer in den Ländern, in denen es produziert. So läuft etwa das Geschäft in Bangladesch über die Puls Trading Far East, eine Tochtergesellschaft. Doch diese wird am Gewinn nicht beteiligt. Das Fazit der ZDF-Doku: „99 Prozent der H&M-Kleidung werden außerhalb Schwedens produziert, ohne auch nur einen winzigen Gewinn an die Herstellerländer abzugeben.“ Das ist legal. Und laut H&M auch gut begründet – „weil es keine geschäftlichen Transaktionen gibt“.

Hier sehen Sie die die vollständige ZDF-zoom-Dokumentation.


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