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15 hässliche Wahrheiten, die Ihnen ein Münchner nie über seine Stadt erzählen wird

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Es gibt viele nette Dinge, die man über deutsche Großstädte sagen kann. Sogar über München.

Am nettesten reden natürlich meist die Einheimischen selbst über ihre eigenen Städte. Gerade die bayerische Landeshauptstadt ist voll von Lokalpatrioten, die Fremden niemals die Wahrheit über München erzählen würden.

Wir machen Schluss damit: Hier sind 15 hässliche Wahrheiten, die Ihnen nie ein Münchner über seine Stadt erzählen würde.

1. München ist keine grüne Stadt

Klar, München hat den Englischen Garten, der unter Einheimischen immer im stoiberschen Klassenstrebersprech mit dem Vize-Superlativ als „zweitgrößter Stadtpark der Welt“ bezeichnet wird. Und sonst so? Olympiapark. Westpark. Perlacher Forst. Und dann wird’s eng.

Tatsächlich ist München die am dichtesten bebaute Großstadt Deutschlands. Hier leben 4531 Einwohner auf dem Quadratkilometer. Doppelt so viele wie in Hamburg (2312) und Köln (2553), und auch zum „Moloch“ Berlin herrscht gebührender Respektabstand (3837).

Hinzu kommt, dass durch die schmalen, spärlich begrünten Straßen in München schnell ein Gefühl der Enge entsteht.

2. Deshalb ist das größte Kompliment, das die Münchner ihrem München machen: „Man ist schnell draußen“

Fragt man Münchner, warum sie gerne in ihrer Stadt leben, wird verständlicherweise niemand sagen: "Weil es hier so preiswert ist." Oder: "Weil man so schnell neue Menschen kennenlernt." Fast jeder aber antwortet reflexhaft: „Weil man schnell in den Bergen ist.“ Welch Ironie.

Das erinnert an Heinrich Heine, der einst über Göttingen schrieb: „Die Stadt selbst ist schön, und gefällt einem am besten, wenn man sie mit dem Rücken ansieht.“ Eigentlich ist dieses „Man ist schnell draußen“ wohl die bayerische Entsprechung zum rauen, ruhrdeutschen Heimatbekenntnis: „Scheiße is auch anderswo.“

3. Vergesst Bochum und Gießen! München ist Deutschlands Betonhauptstadt

Ein teuflisch genialer PR-Schachzug der Stadt München war es, der Welt weiszumachen, dass die Stadt nur aus Biergärten, dem Englischen Garten und barocken Kirchen bestünde. Wer mal an der Schwanthalerhöhe oder in der Olympiapressestadt seine rosarote Brille abnimmt, dem schlägt die brutale Wahrheit dann wie ein nasses Handtuch ins Gesicht.

München ist die wahrgewordene Hieronymus-Bosch-Phantasie von hyperaktiven Bauhaus-Architekten mit einem zärtlich ausgelebten Fetisch für Betongussverfahren.

Das ist nicht unbedingt verwunderlich: München ist nach dem Zweiten Weltkrieg schwer zerstört gewesen. Und außerdem ist die Stadt in der Glanzzeit der Höher-Breiter-Billiger-Architektur enorm gewachsen. Dass aber die Münchner heute im duseligen „Mei, is des schee“-Selbstzufriedenheitsgefühl mit dem Finger auf Herne oder Kassel zeigen, zeugt eher von einem gestörten Verhältnis zur Realität.

Übrigens, Münchner: Selbst die netten Fassaden an der Ludwigsstraße wurden nach dem Krieg teilweise aus Beton rekonstruiert. Aber jetzt nicht weinen.

4. Münchner arbeiten meist dort, wo die Stadt am hässlichsten ist

In ihrer ohnehin schon grausam verbauten Stadt finden die Münchner oft nur an den hässlichsten Ecken noch einen Arbeitsplatz. Der Grund dafür: Dort, wo München nach dem Krieg ganz passabel rekonstruiert wurde, kann sich kein redlich arbeitendes Unternehmen mehr die Mieten für Gewerbeimmobilien leisten.

Diese Erfahrung teilen die Siemens-Mitarbeiter im Münchner Süden mit den BMW-Arbeitern im Norden und den Kreativen in der postnuklearen Stadtlandschaft hinter dem Leuchtenbergtunnel.

5. Wer immer noch nicht glauben will, dass die deutsche Infrastruktur bröckelt, sollte mal nach München kommen

Okay, der Osten hat von den Finanztransfers der vergangenen Jahre überdurchschnittlich stark profitiert. In Leipzig gibt es jetzt den City-Tunnel, durch Thüringen wird gerade eine hochmoderne ICE-Trasse gebaut.

Trotzdem ist man als naiver Städtetourist nicht auf den Schock vorbereitet, der einen trifft, wenn man zum ersten Mal die Münchner S-Bahn auf der Stammstrecke benutzt.

Baustellen. Ranzige Anzeigentafeln. Dunkle, abgelebte Schächte, oft mit farbigen, glasierten, versifften Kacheln gefliest, die stilistisch an die alte Bundesrepublik erinnern. Der Ostbahnhof stellt zudem das deutschlandweit am schlimmsten gescheiterte Infrastrukturprojekt der Nachkriegszeit dar. Wer sich noch nie am Ostbahnhof verlaufen hat, hat ihn nicht gesehen.

6. München war einmal eine Künstlerstadt. Jetzt wird hier nur noch Kunst ausgestellt

Es ist schon verdammt lange her. Aber München war einmal Treffpunkt für Kreative und Anarchos aus der ganzen Welt. Noch in den 70er-Jahren galt die bayerische Landeshauptstadt als Deutschlands aufregendste Metropole. Die Zeiten sind lange vorbei. Wer heute mit Kunst sein Leben bestreiten will, muss nach spätestens sechs Monaten mit dem Räumungsbescheid für seine Wohnung rechnen.

Kein ernstzunehmender Nachwuchskünstler ohne einen Zahnarztpapa aus Starnberg kann sich diesen Kostenwahnsinn in München noch leisten. Die Folge: München bezeichnet sich zwar immer noch gern selbst als Stadt der Künste. Doch hier wird keine Kunst mehr geschaffen. Sondern nur noch ausgestellt.

7. Die Lebenshaltungskosten sind mittlerweile so hoch, dass Unternehmer Probleme haben, neue Mitarbeiter zu finden

Diese Meldung hätte kürzlich das Kreisverwaltungsreferat in Alarmstimmung versetzen müssen: Freie Stellen können von Unternehmen bisweilen nicht mehr besetzt werden, weil sich kein normaler Arbeitnehmer von außerhalb die Lebenshaltungskosten leisten kann. Gewarnt wird davor seit 15 Jahren. Etwas dagegen unternommen hat niemand.

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8. Die Ladenöffnungszeiten in München sind eine Zumutung für jeden Arbeitnehmer

Nicht nur, dass München keine Kiosk-, Späti-, oder Büdchenkultur hat: Auch die Öffnungszeiten der Supermärkte verharren auf dem Stand der Kohl-Ära, während die ohnehin schon von Kostenstress und Überstunden geplagten Arbeitnehmer meist vor verschlossenen Schiebetüren stehen.

Auch das macht diese Stadt ein Stück weit unmenschlich: Die Dienstleistungsmentalität erinnert manchmal an die gute, alte DDR.

9. Das Oktoberfest war mal ein Volksfest. Jetzt ist es eine Kreuzung aus Merchandising, Protzkultur und Komasaufen

Und wer als Angehöriger des „Volkes“ auf dieses so genannte Volksfest gehen will, muss sich entweder schon mit den Berufsalkoholikern morgens um zehn die Kante geben oder darauf hoffen, dass ihn die Gnade des Großkapitals in Form einer Einladung für einen der reservierten Tische in den maßlos überfüllten Zelten ereilt.

Haste was, biste was. Als armer Schlucker dagegen kannst du auf dem Oktoberfest die meiste Zeit nur den anderen beim Feiern zuschauen. Draußen, vor dem Zelt.

10. München ist eine Stadt der Alten

Schon ein Blick auf die Klatschseiten genügt, um festzustellen, dass sämtliche relevanten Promis in dieser Stadt über 40 sind, die meisten sogar über 50. Und so schwer man sich Franz Beckenbauer und Uschi Glas als junge Menschen vorstellen kann: Sie waren es tatsächlich einmal. Aber genauso lang ist es schon her, dass diese Stadt mal für junge Menschen wirklich attraktiv war.

11. Der Englische Garten ist tatsächlich schön. Leider wissen das zu viele

Der Berliner Tiergarten mit seinen rauchenden Grills und den Bergen von Abfall ist nichts dagegen, was sich bei Sonnenschein im Englischen Garten abspielt: Jeder, und wirklich jeder transportfähige Münchner wackelt dann in den Park, um dort zwischen allerlei Bongogekloppe und Teeniegekreische das zu finden, was er in seiner völlig überlaufenen Stadt wohl als „Erholung“ bezeichnet.

Tatsächlich ist der Englische Garten ein sehr schöner Ort. Morgens um sechs, kurz nach Sonnenaufgang, wenn einem allenfalls ein paar verstrahlte Jogger begegnen.

12. Wer Fußball in der Allianz-Arena schauen will, kann sich jeden Samstag auf Erstickungszustände in der U-Bahn einstellen

In einer völlig kaputt spekulierten Stadt wie München gab es für ein neues Fußballstadion natürlich keinen Baugrund im Stadtzentrum mehr. Deshalb musste die „Allianz-Arena“ in Fröttmaning gebaut werden? Frött...was? Genau dort. Und natürlich fährt dort nur eine maßlos überlaufene U-Bahn hin.

S-Bahn- oder sogar ein Fernbahnanschluss: Fehlanzeige. Selbst wenn man als Nicht-Bayer nur dort hin will, um im Gästeblock die nächste Münchner Meisterschaft nach Halseskräften zu verhindern, kommt man sich nach der Anreise vor wie angelutscht und ausgepuckt.

13. München hat keine Streetfood-Kultur

Der heißeste Essenstrend dieses Jahres ist „Streetfood“. Grob gesagt bezeichnet das alles Essen, das außerhalb von Restaurants an Straßen verkauft wird. Das müssen nicht immer nur Döner oder Pommes sein, in Berlin ist eine ganze Kultur um den Trend herum entstanden mit Märkten, Festivals und feinen Imbissständen.

In München probiert man dagegen immer noch, eine halbwegs essbare Currywurst zu produzieren.

14. Die Münchner Innenstadt ist mittlerweile ein Vergnügungspark für Touristen und Investmentbanker geworden

Kaum jemand mit einem normalen Job kann sich noch eine Wohnung in der Münchner Innenstadt leisten. Das hat zwei Folgen.

Erstens ist das Stadtzentrum ein Shoppingparadies geworden, in dem Extremkonsumenten und Touristengruppen sich tagsüber gegenseitig auf die Füße treten. Nach Ladenschluss sieht es in der Kaufinger Straße dann aus wie im Legoland bei Regenwetter. Zweitens locken die hohen Mieten die Hochfinanz an.

Das Wort „exklusiv“ kommt auf diese Weise in München wieder zu seiner ursprünglichen Bedeutung zurück: „ausschließlich“ oder auch „ausschließend“. Genau das beschreibt die Atmosphäre zwischen Sendlinger Tor und Odeonsplatz am besten.

15. Ganze Stadtteile dämmern in einer Parallelwelt vor sich hin

Wenn in den Medien von München die Rede ist, dann oft nur von den Stadtteilen im Zentrum. Schwabing zehrt seit 50 Jahren von seinem wilden Image in den 60er-Jahren, Haidhausen ist der Gentrifizierungs-Hotspot, und das Westend soll seit 15 Jahren irgendwann mal cool werden.

Aber Hasenbergl? Neuperlach? Milbertshofen? Dort leben die weniger Wohlhabenden, die sich in München aber trotzdem die happigen Mieten leisten müssen. Vom bunten Leben in der Innenstadt kriegen diese Menschen nur wenig mit.

Kein Wunder, wenn dort Partys durchaus schon mal 15 bis 20 Euro Eintritt kosten und man wegen seiner Schuhe vom Türsteher ausgesondert wird. Ein weiterer Grund, warum München schon lange keine „Weltstadt mit Herz“ mehr ist.

Lesen Sie hier, was der Vize-Chef der Münchner "Abendzeitung" von diesem Text hält.

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