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"Cannabis ist das beste Schmerzmittel", sagt Günter Weiglein – und er muss es wissen

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Günter Weiglein | privat
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Günter Weiglein war mit dem Motorrad unterwegs, ein Autofahrer interessierte sich nicht für das Stoppschild und rammte ihn von links. Auf der einen Seite seines Körpers war vom Fuß bis zum Unterkiefer alles irgendwie gebrochen.

Sieben Wochen lang lag Weiglein im Krankenhaus, 15 Monate konnte der gelernte Maschinenbauer nicht arbeiten. Narben sind bis heute geblieben – und Schmerzen. Aber mit Cannabis bekommt er sie in den Griff. „Ich habe meine Lebensqualität wiedergefunden“, sagt er.

Weiglein hat eine Sondergenehmigung bekommen, er darf die in Deutschland auch zum medizinischen Gebrauch nicht legalisierte Droge konsumieren. Er raucht sie als Joint oder inhaliert Cannabis mithilfe eines Verdampfers.

Weiglein hatte auch als junger Mann schon Cannabis konsumiert. In der Zeit vor dem Unfall aber nicht mehr. Er hat einen sieben Jahre alten Sohn.

Mit seiner Sondergenehmigung dürfte er sein Schmerzmittel in der Apotheke kaufen, aber dort ist Cannabis teurer, 14,50 Euro für ein Gramm. Im Monat wären das bei Weiglein etwa 900 Euro. Die Krankenkasse hilft nicht. Also besorgt er es sich illegal, beim Bauern um die Ecke, sagt er.

Damit sich die Bedingungen verbessern, forderten die Urheber einer Petition an den Deutschen Bundestag kürzlich auch, dass die Bundesregierung Maßnahmen ergreift, damit die Kosten einer Behandlung mit Medikamenten auf Cannabis-Basis bezahlt werden.

33.342 Menschen unterschrieben. Zu wenig, damit der Bundestag sich damit befassen muss. Er kann trotzdem, letztlich ist der Inhalt der Petition entscheidend.

Dass der wichtig ist, steht für Günter Weiglein außer Frage, er hat seine Erfahrungen mit gewöhnlichen Schmerzmitteln gemacht.

Damit er seine Sondergenehmigung für den medizinischen Cannabis-Konsum vor fünf Jahren überhaupt beantragen konnte, musste er nachweisen, auch herkömmliche Medikamente ausprobiert zu haben. Auch die nahmen ihm die chronischen Schmerzen, aber sie brachten ihm auch neue, im Magen zum Beispiel. Oder Schlafstörungen, nass geschwitzt wachte er auf.

Tatsächlich bergen gängige Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen Gefahren. Über Cannabis gibt es solche Erkenntnisse nicht.

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„Cannabis hat keine Nebenwirkungen“, sagt Weiglein. „Es ist das beste Schmerzmittel.“

Er kämpft dafür, dass er es auch selbst anbauen darf, und er dürfte eigentlich schon, das Kölner Verwaltungsgericht hat es mit seinem Beschluss aus dem Juli erlaubt. Aber das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sperrt sich noch immer mit einer Berufung dagegen. Noch.

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