Huffpost Germany

An alle Trottel, die Putins Nationalismus unterstützen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Liebe Putin-Freunde,

es reicht. Seit mehr als einem halben Jahr verbreitet Ihr täglich Euren Schmutz im Netz. Verstopft Foren, würgt Diskussionen ab und twittert hanebüchenen Unsinn.

Ihr raunt über Truppentransporte, die angeblich amerikanische Panzer in die Ukraine bringen. Ihr basht die öffentlich-rechtlichen Medien, wenn sie sich für Fehler in ihrer Berichterstattung entschuldigen. Wäre es besser gewesen, sie hätten es nicht getan?

Ihr redet von einem Krieg, in den ein dunkles Konglomerat von Medien, Politikern und Wirtschaftsbossen die Deutschen seit Februar angeblich hineintreiben will.

Die Generalmobilmachung ist bisher freilich ausgeblieben. Realistisch betrachtet ist das nicht sonderlich überraschend, wie die aktuelle Diskussion um den technischen Zustand der Bundeswehr zeigt. Aber was ist bei Euch schon real. Rhetorisch hyperventiliert Ihr Euch seit Monaten von 2014 nach 1914.

Am meisten allerdings nervt, wie Ihr über die Ukraine redet.

Euch geht es gar nicht um die Ukraine, dieses wunderschöne und mitunter schwierig zu verstehende Land, in dem gerade Hunderttausende Menschen Not leiden. Euch ist es völlig egal, dass trotz offiziell verkündeten Waffenstillstands auf beiden Seiten weiterhin Menschen sterben. Das sind für Euch alles Randnotizen. In Euren Köpfen geht es um das „große Ganze“.

Lesen Sie auch: 13 Dinge, die sich kein Staatschef erlauben kann – außer Putin

Ihr sitzt über der Karte Europas wie Rentner im Wirtshaus, spielt Eure lächerlichen Strategiespiele und nennt das „Kampf für den Frieden“. Wahlweise bezeichnet Ihr die Ukraine als „Vorgarten“ oder „Hinterhof“ Russlands, in den der Westen eben nicht hätte eindringen dürfen, ohne mit den nötigen Konsequenzen zu rechnen.

Nicht nur, dass Ihr damit die Propagandasprache Russlands übernehmt: Was denkt Ihr Euch eigentlich dabei, so über ein Land zu reden, das im Zweiten Weltkrieg durch deutsche Mordlust viele Millionen Menschenleben verloren hat? Was spukt in Euren Köpfen herum, als Deutsche? Als Enkel und Urenkel? Wahrscheinlich ist es Euch total schnuppe, dass Ihr damit der Ukraine de facto das Existenzrecht absprecht.

In anderen europäischen Ländern macht man sich mittlerweile Sorgen wegen Euch Spinnern. Wie gefährlich Euer Denken ist, brachte jüngst der ehemalige polnische Botschafter in Deutschland, Janusz Reiter, auf den Punkt.

„Wenn ich manchmal die Unterstellung höre, die Ukraine sei im Grunde genommen nicht staatsfähig, dann reagiere ich allergisch. Denn ich weiß aus der Geschichte, dass in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg die große Mehrheit der Elite Polen für staatsunfähig hielt. Das würden die wenigsten Deutschen heute verstehen, aber so war es", sagte Reiter der „Welt“.

Der Mann ist Diplomat. Und doch hat er seinen Vorwurf an Euch äußerst nachlässig kaschiert: Wenn sich Deutsche aufschwingen, über das Existenzrecht anderer Länder zu entscheiden, droht Unheil in Europa.

Ihr habt richtig gehört. Er meint Euch, nicht die Rüstungsindustrie oder die Napalmlobby. Und falls Ihr es noch nicht gemerkt habt: Es ist viel schwieriger, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen, als Ihr das glaubt. Ihr erzählt uns was vom Frieden und redet gleichzeitig einem autokratischen Herrscher das Wort? Marx hätte die Sache mit der Dialektik nicht besser definieren können.

Denn natürlich hat Putin auf der Krim Völkerrecht gebrochen. Er hat sogar zugegeben, dass es reguläre russische Soldaten waren, die im März strategisch wichtige Punkte auf der damals unzweideutig ukrainischen Halbinsel besetzten. Und vieles spricht dafür, dass Putin das gleiche Spiel nun auch in der Ostukraine spielt.

Aber angeblich sind das ja nur Soldaten, die sich wahlweise im Urlaub befinden oder sich verlaufen haben. Russische Medienberichte über die immer neuen Soldatenbegräbnisse? Ignoriert Ihr.

Auch die Ukraine hat Kriegsrecht gebrochen. Das ist korrekt. Und es gibt vor allem in den Freiwilligenverbänden rechte Umtriebe. Aber auf der einen Seite die SS-Runen auf den Gefechtshelmen anprangern, nur um auf der anderen Seite mit einem entfesselten russischen Nationalismus auf Schmusekurs zu gehen und Georgsschleifen zu tragen, das ist schon ein wenig schizophren, oder?

Wenn Ihr für Frieden in Europa seid, dann denkt die Politik vom Menschen her. Sprecht von den Opfern auf beiden Seiten. Von Ukrainern und Russen, die unter einem Krieg leiden, der mitten in Europa stattfindet.

Genau das wollt Ihr aber nicht. Ihr schwadroniert über die „faschistische Junta“ in Kiew. Oder fantasiert davon, dass das ukrainische Nationalwappen ein „Nazi-Symbol“ sei. Noch öfter schwätzt Ihr über Geheimdienstverschwörungen, von Washington „gelenkte“ Medien und westlicher Regierungspropaganda. Dabei seid Ihr von Eurer eigenen Aufgeklärtheit mächtig besoffen, obwohl in diesem Krieg nichts schwerer zu unterscheiden ist als „Gut“ und „Böse“.

Merkt Ihr was? In Wahrheit geht es nämlich immer nur um Euch. Ihr habt ein Problem mit Deutschland, die Ukraine ist nur eine Projektionsfläche für Eure Kritik. Euch stinkt, wie die Bundesrepublik regiert wird. Ihr glaubt, dass Politiker gewählt werden, die das Volk hinter die Fichte führen. „Den Medien“ vertraut Ihr schon lange nicht mehr, und „die Wirtschaft“ steht spätestens seit der Finanzkrise unter Generalverdacht.

In manchen Dingen habt Ihr Recht. Es läuft vieles schief in diesem Land. Übrigens auch in „den Medien“.

Das Schlimmste aber, was uns in dieser Situation passiert ist, das ist Euer Hass. Er verkleistert die Sicht auf die wahren Probleme.

Statt Euch zu engagieren und die Probleme in diesem Land zu bekämpfen, macht Ihr Euch mit einem Menschen gemein, der alles an Freiheit bekämpft, was Ihr Euch an Freiheit wünscht. Mit Verlaub, Ihr Putin-Schwärmer: Ich glaub, Ihr habt die Pfanne heiß.

huffpost icon

Schnelle Nachrichten, spannende Meinungen: Kennen Sie schon die App der Huffington Post?

Sie können sie rechts kostenlos herunterladen.

Get it on Google Play

Video: Anhaltende Kämpfe in Donezk: Schwere Explosion sorgt für Panik auf Pressekonferenz