Multitasking schadet dem Gehirn - Studien liefern erstaunliche Ergebnisse

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MULTITASKING
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Für die meisten Menschen ist es längst eine Selbstverständlichkeit geworden, ständig Zugang zu jeder erdenklichen Art von Information zu haben – Smartphone, Notebook & Co. machen’s möglich.

Weil man zudem ständig in Eile ist, trifft es sich gut, dass die mobilen Medien einem erlauben, alles gleichzeitig zu machen: Schnell noch die Mails für die Arbeit checken, mit der Freundin telefonieren und gleichzeitig noch einen Snack zwischendurch nehmen.

Das Phänomen heißt Multitasking und hatte bislang einen eher bewundernden Beiklang. Bei Forschern mehrt sich allerdings die Erkenntnis, dass eher das Gegenteil der Fall ist: „Echtes“ Multitasking ist nicht nur ein Mythos, sondern kann dem Denkvermögen sogar schaden.

Eine Studie der Universität Stanford beweist, dass Menschen, die besonders viele Medien gleichzeitig konsumieren, einen hohen mentalen Preis dafür zahlen. Professor Clifford Nass musste dabei feststellen, dass Multitasker regelrecht nach Irrelevanz suchten, weil alles sie ablenkte.

Etienne Koechlin, Direktor des Departments für Neurowissenschaft an der Ecole Normale Supérieur in Paris, erklärt, dass das Gehirn ohnehin nur zwei anspruchsvolle Aufgaben gleichzeitig bewältigen könne. Und selbst in diesem Fall ist meist nicht wirklich gemeint, dass die Prozesse tatsächlich zur selben Zeit ablaufen, sondern ganz kurz hintereinander und zeitlich stark gerafft.

Wenn es nicht möglich ist, wirklich mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, so müsste es doch andere Vorteile geben, die Multitasker von anderen Menschen unterscheiden – so dachten zumindest die Forscher der Universität Stanford und führten weitere Tests durch. Sie hatten sich jedoch geirrt: Multitasker waren weder dazu in der Lage, ihre Handlungen besser zu überwachen, noch dazu fähig, schnell von einer Aufgabe zur Nächsten zu wechseln.

Ganz im Gegenteil schnitten sie bei dieser Aufgabe sogar wesentlich schlechter ab, als Versuchspersonen, die sich meist nur auf eine Sache konzentrierten: Es fiel ihnen schwer, bei der Sache zu bleiben und sie schweiften zu den vorherigen Aufgaben ab.

Mehrere Dinge gleichzeitig zu tun macht also weder produktiver noch effizienter – und kann sogar zu Leistungsabfall führen.

Auch für die Kreativität sei Multitasking ein regelrechter Killer, fügt Hirnforscher Ernst Pöppel dem Thema hinzu. Stattdessen seien Sport, ausreichende Pausen und ein gutes Zeitmanagement das Geheimnis kreativen Arbeitens.

Insgesamt ist es nur möglich, Aufgaben, die unsere Aufmerksamkeit erfordern mit hochgradig automatisierten Tätigkeiten zu verbinden. Im Park spazieren gehen und gleichzeitig einem intensiven Gespräch folgen ist also in Ordnung – während dem Autofahren sollte man das jedoch lieber bleiben lassen.

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