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Antisemitische Liedzeilen: Xavier Naidoo verbreitet judenfeindliche Klischees

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NAIDOO
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Der Sänger Xavier Naidoo steht derzeit in der Kritik: Mal leugnet er die Existenz der Bundesrepublik Deutschland, mal tritt er vor rechtsextremen Demonstranten auf. Er gilt als der wohl prominenteste Anhänger der Reichsbürger-Bewegung. Naidoo und seine Gesinnungsgenossen glauben, dass Deutschland kein eigenständiger Staat sei und durch das Grundgesetz von den alliierten Siegermächten des Zweiten Weltkriegs kontrolliert würde.

Solche Aussagen hat Naidoo selbst in aller Öffentlichkeit gemacht - unter anderem auf einer Montagsdemonstration in Mannheim. Mittlerweile rücken Vertreter aus Politik und Kultur von dem Sänger ab - wohl auch, weil immer deutlicher wird, dass es sich dabei nicht um sprachliche Ausrutscher handelte. Naidoo pflegt offenbar ein krudes Weltbild, in dem Liebe, Glauben, Verschwörungstheorien und knallharter Nationalismus eine bizarre Einheit bilden.

Wie der "Rheinneckarblog" nun recherchierte, versteht sich Naidoo bisweilen auch auf antisemitische Untertöne. In einem Song, den er zur Bundestagswahl 2009 aufgenommen hatte, bedient er judenfeindliche Klischees.

Antisemitische Klischees im Pop-Sound

In den Lyrics zu "Raus aus dem Reichstag" heißt es:

"Wie die Jungs von der Keinherzbank, die mit unserer Kohle zocken
Ihr wart sehr, sehr böse, steht bepisst in euren Socken
Baron Totschild gibt den Ton an, und er scheißt auf euch Gockel
Der Schmock ist'n Fuchs und ihr seid nur Trottel"

"Totschild" ist im Kontext der Bankenkritik offenbar eine Verballhornung des Namens "Rothschild", darauf lässt auch die Nennung des Titels "Baron" schließen. Die Familie Rothschild ist eine weit verzweigte jüdische Bankiersfamilie, den Titel "Baron Rothschild" trägt derzeit der 78-jährige britische Investmentbanker Jacob Rothschild.

Familie Rothschild wird häufig Opfer von antisemitischen Angriffen

In der Zeit des Nationalisozialismus war es üblich, die Namen von jüdischen Mitbürger zu verunglimpfen. Nicht umsonst war es in der Nachkriegszeit lange Jahre verpönt, Witze mit den Namen anderer zu machen.

Der Begriff "Schmock" ist ein aus dem Jiddischen stammendes Schimpfwort. Und einen Juden als "Fuchs" in Finanzangelegenheiten darzustellen ist ebenfalls ein weit verbreitetes antisemitisches Klischee, das lange Zeit dafür verwendet wurde, um Neid und Missgunst auf jüdische Mitbürger zu schüren.

Die Familie Rothschild ist oft Ziel von antisemitischen Angriffen aus Deutschland. Zuletzt hatte der Publizist Jürgen Elsässer bei einer Montagsdemonstration im April behauptet, dass "das Verbrechen" des Finanzkapitalismus "Namen und Anschrift" habe - um dann die Namen Chodorkowski und Rothschild zu nennen. Beide Familien sind jüdischen Ursprungs.

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