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Nehmt Flüchtlinge zuhause auf, fordert Ministerpräsident Winfried Kretschmann von den Deutschen

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Der Vorschlag ist nicht mehr neu inzwischen, aber nun kommt er von jemandem mit politischem Gewicht: dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Er fordert die Deutschen angesichts des weltweiten Flüchtlingsdramas auf, Asyl-Suchende bei sich zuhause aufzunehmen.

„Ich bin sehr dankbar, dass wir in großen Teilen der Bevölkerung eine Empathie für die Flüchtlinge haben“, sagte der Grünen-Politiker der „Welt am Sonntag“. „Es kommen auch erste Angebote von Privatpersonen, ihre Liegenschaften zur Verfügung zu stellen. Darüber sind wir sehr froh, und die brauchen wir auch.“

Die Huffington Post hatte kürzlich über ein solches Beispiel aus München berichtet.

Klar dürfte sein, dass nur wenige dem Aufruf Kretschmanns Folge leisten werden. Wichtig ist es dennoch, der Gesellschaft klarzumachen, dass es sich um ein dramatisches Problem handelt, dass alle angeht.

Deutschland sei „nicht weit weg“ von einer Flüchtlingskrise, sagte der Ministerpräsident.

Die Krisen in der Ukraine, in Syrien, dem Irak, in Afghanistan, Gaza und Libyen sorgen dafür, dass immer mehr Menschen Sicherheit im Ausland suchen, auch bei uns.

Ein gigantische Aufgabe. Die Kapazitäten der Städte und Gemeinden, die die Hilfesuchenden unterbringen sollen, sind längst ausgeschöpft.

Daher hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Patzelt die Deutschen schon im August aufgerufen, zu helfen.

„Ich rufe die Menschen in unserem Lande auf, über eine zeitnahe Aufnahme von Flüchtlingen, insbesondere von Müttern mit Kleinkindern, in ihren eigenen Häusern oder Wohnungen nachzudenken“, schrieb Patzelt damals.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) dagegen beklagte sich über die ungleiche Verteilung bei der Aufnahme von Flüchtlingen. „Es beteiligen sich nur zehn EU-Staaten an der Aufnahme von Flüchtlingen. Es ist nicht in Ordnung, dass zum Beispiel Schweden und Deutschland 50 Prozent der in Europa ankommenden Asylbewerber aufnehmen“, sagte er dem "Focus".

Immerhin ist er bereit, ein dauerhaftes Bleiberecht für abgelehnte Asylbewerber zu schaffen. „Wir haben einige zehntausend abgelehnte Asylbewerber, die wir nicht abschieben können, oder Menschen, die aus anderen humanitären Gründen hier sind“, sagte de Maizière dem Magazin.

Vor ein paar Wochen hatte sich der Innenminister noch durch die populistische Forderung einer Obergrenze für die Aufnahme von Asyl-Suchenden hervorgetan. "Ich halte die Debatte über die Frage, wie viele Flüchtlinge Deutschland auch als reiches Land aufnehmen kann, für notwendig", sagte er im August.

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