10 überraschende Wahrheiten über Bio-Lebensmittel

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11 überraschende Wahrheiten über Bio-Lebensmittel | Thinkstock.com
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Bio, das klingt gut. Das klingt nach Idylle, nach gutem Gewissen, nach Milchkühen auf einer saftig grünen Wiese und glücklich-grunzenden Schweinchen, die sich in XXL-Schlammbädern suhlen.

Aber die Biobranche ist vielschichtiger. Und es gibt zehn Wahrheiten, die Bio-Hasser wie Bio-Liebhaber akzeptieren müssen.

1. Eine Ernährung mit Bio-Lebensmitteln ist günstiger, als Sie denken

Wenn Sie ab sofort alle konventionellen Lebensmittel aus Ihrem Einkaufswagen verbannen und nur noch Bio- und Fairtrade-Lebensmittel einkaufen, muss das nicht unbedingt viel teurer sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie vom Öko-Institut.

Eine Bio-Ernährung koste nur rund 6,70 Euro mehr im Monat. Allerdings nur dann, wenn Sie sich zeitgleich auch gesünder ernähren, also weniger Fleisch und mehr Obst und Gemüse essen. Kaufen Sie genau das, was Sie sonst essen, jedoch in Bio-Qualität, wird es schnell deutlich teurer: um bis zu 31 Prozent.

2. Biofleisch schmeckt nicht besser

„Weder in ernährungsphysiologischer Hinsicht noch im Genusswert unterschied sich Bioschweinefleisch signifikant von konventionellem, egal, ob billig beim Discounter oder doppelt so teuer im Bio-Hofladen gekauft“, schreiben die Wissenschaftsjournalisten Marita Vollborn und Vlad Georgescu in ihrem Buch „Food-Mafia“.

Sie beziehen sich dabei auf Ergebnisse der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2003. Doch auch heute, Jahre später, dürfte der ein oder andere Bio-Käufer noch immer felsenfest davon überzeugt sein, das Bio neue Geschmackswelten eröffnet.

3. Bioställe kosten mehr

Verbraucher sollten sich die folgende Zahl noch einmal vergegenwärtigen, wenn sie über teure Bio-Preise meckern: "Der Neubau eines Bioschweinestalls kostet 50 Prozent mehr als ein konventioneller Stall mit der gleichen Anzahl Schweine – schon wegen der benötigten höheren Grundfläche und des Auslaufs", schreiben Vollborn und Georgescu.

4. Bio ist studentisch

Laut Öko-Barometer 2013 ist in der Gruppe der unter 30-Jährigen der Anteil jener, die oft Bioprodukte kaufen, zuletzt um neun Prozentpunkte auf 23 Prozent gestiegen. "Ein Großteil dieser Haushalte hat ein Budget von unter 1000 Euro. Das sind die klassischen Studentenhaushalte, die Leute, die gerade einsteigen ins Berufsleben und noch vor der Familiengründung stehen“, sagte Elke Röder, Geschäftsführerin des Bundesverbands Naturkost Naturwaren.

Viele davon seien offen für eine vegetarische Ernährung und kombinierten diese mit Bioprodukten.

5. Manche Bio-Produkte sind Klimasünder

Das Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung verglich 2008 im Auftrag der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch, welche Klimaeffekte Bio-Lebensmittel haben. Ein Konsument von Bio-Rindfleisch verantworte in einem Jahr so viele Treibhausgase wie jemand mit der gleichen Menge Nicht-Bio-Schweinefleisches in vier Jahren, ergab der Report, der damals für viel Aufruhr sorgte.

Woran liegt diese Bilanz? Zwar werde in der Bio-Tierhaltung kein Kunstdünger eingesetzt, weshalb die Lachgasemissionen geringer seien als in der konventionellen Landwirtschaft, allerdings würden die Tiere länger brauchen, um Gewicht zuzulegen, weshalb sie mehr Methan freisetzen würden, schreiben die "Foodmafia"-Autoren Vollborn und Georgescu.

6. Bio ist nicht regional

Der Trend zu importierter Bioware hat sich verstärkt. "Verarbeiter und Händler sind gezwungen, ausländische Ware zu kaufen, obwohl sie regionale bevorzugen würden", erklärt der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW).

Seit Supermärkte und Discounter sowie zunehmend auch Kantinen und reine Bio-Ketten in den Städten Produkte mit dem Öko-Siegel fordern, kommt immer mehr Bioware per Schiff oder Lastwagen über die Grenze: jeder zweite Apfel, jeder dritte Liter Milch und jedes vierte Pfund Butter aus dem nachhaltigen Segment.

7. Tiere in Biobetrieben haben es nicht unbedingt besser

Die Putenrasse B. U. T. Big 6 ist ein Kassenschlager in Deutschland. Die Rasse wird schnell sehr fett, was viel Profit verspricht. Sie wird aber auch schnell zu fett, um noch herumflattern zu können.

„Biobetriebe bauen mittlerweile Rampen oder andere Aufstiegshilfen ein, damit die Tiere wenigstens Schritt für Schritt eine erhöhte Position erreichen können", berichten die Autoren Vollborn und Georgescu.

Weil der immense Fleischzuwachs diese Putenrasse daran hindere, ihr artgerechtes Verhalten auszuleben und ihre Freiräume zu nutzen, würden auch Bio-Puten zu Aggressionen wie Federpicken und Kannibalismus neigen.

Auch ohne Antibiotika kommt ein Bio-Putenbetrieb nicht immer aus. Denn die Puten kommen zwar massig daher, haben aber ein schwaches Immunsystem, so dass sie zartbesaitet sind und Zugluft und Temperaturschwankungen hassen.

Die Antibiotika-Behandlung sei zwar bei Biobetrieben nur einmalig erlaubt, könne aber mehrere Woche andauern und zahlreiche Antibiotikaabgaben umfassen, schreiben die Autoren.

8. Auch Tiere in Biobetrieben sind krank

„Selbst Biobetriebe haben mit Problemen wie Klauenkrankheiten, Lähmungserscheinungen oder Stoffwechselkrankheiten zu kämpfen, weil auch Biobetriebe rentabel wirtschaften müssen und in der Regel dieselben Hochleistungsrassen einsetzen wie ihre konventionell arbeitenden Kollegen“, so die "Food-Mafia"-Autoren. Das gelte besonders in der Milchviehhaltung, käme aber auch in der Masthaltung vor.

9. Wer Bio kauft, kauft nicht skandalfrei

Den Skandal um die Marke „Wiesengold“ nennen die "Food-Mafia"-Autoren ein „Extrembeispiel“. Bio-Eier-Lieferant Heinrich Tiemann stellte seinen Betrieb ein, nachdem die Tierschutzorganisation PETA überfüllte Ställe und verwundete Hennen mit Vogelmilben-Befall und eitrigen Kloaken dokumentiert hatte.

Es ist längst nicht der einzige Skandal für die Bio-Branche. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt das sehr deutlich. So rief etwa in diesem Jahr das Unternehmen Bergpracht Milchwerk aus Baden-Württemberg mehrere Bio-Käseprodukte wegen Bakterien zurück. Die Rückrufaktion wurde auf zahlreiche andere Käsesorten ausgeweitet.

2013 sollen Millionen Eier aus Freiland- und Bodenhaltung sowie von Bio-Betrieben falsch deklariert verkauft worden sein. Die Legehennen sollen nicht vorschriftsgemäß gehalten worden sein. Die ersten Verdachtsfälle gehen auf das Jahr 2011 zurück.

Damals gelangten auch mehrere hundert Tonnen gefälschte Bio-Produkte aus Italien nach Deutschland. Es handelte sich vor allem um Futtermittel aus Soja und Raps. Die aus konventioneller Produktion stammende Ware hätte nicht als teurere Bioware verkauft werden dürfen. Die Liste lässt sich leicht verlängern...

10. Die Bio-Kontrollen sind in der Kritik

Für den Biomarkt gibt es in Deutschland ein Netz aus 18 privaten Kontrollstellen. Zugelassen und überwacht werden sie von den Ländern, die für Lebensmittelsicherheit zuständig sind. Bio-Höfe schließen mit diesen Stellen Verträge und verpflichten sich auf die Einhaltung der Vorschriften. Mindestens einmal im Jahr stehen Prüfungen bei Bauern, Verarbeitern und Importeuren an.

An diesem System wird immer wieder Kritik laut - was nach Punkt 9 nicht wirklich überrascht. Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD ) mahnt immer wieder ein bundesweit einheitliches Vorgehen an.

(mit Material der dpa)

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